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Daniela Katzenberger und Musikproduzent Lucas Cordalis sind ein Highlight 2016.

Rückblick

Absonderliches 2016

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Das Jahr geht langsam zu Ende. Es war absonderlich, doch es endet gut – vor allem wegen Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis. Die Kolumne.

Eigentlich ist die Geschichte dieses nun bald zu Ende gehenden Jahres ja schnell erzählt. Vorab schon mal ein grobes Fazit: Es war absonderlich, doch es endete gut. Doch urteilen Sie selbst. Hier als Denkhilfe einige eher zufällig ausgewählte Ereignisse und Erkenntnisse.

Schnee fällt wenig im Winter 2015/16, genau genommen gar keiner. Dennoch steigt die Zahl der Skiurlauber um rund zehn Prozent – den Kanonen sei Dank. Das Klima wandelt sich weiter, also werden im Sommer viele Millionen Euro in weitere Maschinen investiert. Nun erwartet man noch mehr Touristen – und wird dann nächstes Jahr noch mehr Kunstschnee auf die Hänge blasen.

Ein Mensch tut, was heutzutage fast alle tun, er stiert ohn’ Unterlass auf sein Smartphone, wie vielfach üblich auch während seiner Arbeitszeit. Dummerweise bekleidet der Mann den Beruf des Fahrdienstleiters bei der Eisenbahn. Zwei Züge stoßen zusammen, elf Menschen sterben.

Es wird immer klarer, was wir schon lange geahnt hatten: Fußballer sind käuflich und ihre Verbände mafiös strukturiert. Sogar das sagenumwobene Sommermärchen 2006 und sein Sonnenkaiser Franz Beckenbauer leiden schwer in ihrem Ansehen. Gleichzeitig jedoch steigen die Absatzzahlen für Dauerkarten, und Fan-Trikots für Kinder und Jugendliche sind so teuer wie nie – und werden gekauft wie nie.

In Ewigkeit. Amen

Was wir nicht geahnt haben, weil es uns schnurzpiepegal war: Unsere Autos brauchen weitaus mehr Treibstoff als die Hersteller angeben, und sie stoßen ein Vielfaches der erlaubten Schadstoffmengen aus. Die Kritik am verbrecherischen Tun der Konzerne hält sich in engen Grenzen.

Auf allen Radiosendern greint einer jener unzähligen deutschen Jammersänger unaufhörlich „Ich bin doch keine Maschine“ aus den Musikschleifencomputern, die mittlerweile die Musikredakteure ersetzen. Dank der Unterhaltungsmaschinerie verdient der Weinerliche prächtig.

Nie waren Gänse billiger als in diesem Jahr. Also stopfen wir so viele gestopfte Tiere in uns hinein wie noch nie seit den Tagen des Heiligen Martin. Kurz vor dem Fest eskaliert die Situation. Um auch noch die letzten Viecher aus den Truhen zu kriegen, wird das Kilo für 3,49 Euro verkloppt. Und gekauft. Und vertilgt.

Die „Bild“-Zeitung schürt kurz vorm Fest der Liebe fleißig Hass und posaunt: Griechen sind durchschnittlich reicher als Deutsche. Das Volk zürnt, während die Schlangen vor den Armenküchen in Athen und Thessaloniki immer länger werden.

Einmal mehr kritisiert der Papst die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes. Gleichzeitig frohlockt der Handel, die Geschäfte liefen besser denn je. Die Folge: Unter deutschen Christbäumen sieht es aus wie bei Saturn Hansa. Nur ohne Preisschilder.

Abschließend wird wie immer alles gut. RTL 2 überträgt am Heiligen Abend live aus einer alpenländischen Kapelle drei Stunden lang einen Weihnachtsgottesdienst mit Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis. Eine mit zwei Kilo Silikon versehene Pfälzer Vorstadtfrisöse haspelt heulend heiliges Hirnloses, Schwiegerpapa Costas klampft und singt mit festlich frisch gestrafftem Antlitz „Stille Nacht“. Dann beteten alle das Vaterunser. Das haben wir uns allerdings auch verdient. In Ewigkeit. Amen.

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