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Drohne vom Typ MQ-1 Predator.
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Drohne vom Typ MQ-1 Predator.

Drohnen-Debatte

Abseits des Schlachtfelds

  • Thomas Kröter
    VonThomas Kröter
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Am einfachsten haben es Pazifisten, bewaffnete Drohnen zu verdammen. Jenseits der Linie, dass alle Waffen böse sind, sind Differenzierungen mühsam und interessengeleitet. Der Leitartikel zur Drohnendebatte.

Ob Innozenz II. gegen bewaffnete Drohnen gewesen wäre, deren Anschaffung für die Bundeswehr gerade debattiert wird? Sicher nicht grundsätzlich. Denn der Papst ächtete im Jahr 1139 zwar den Einsatz der Armbrust – aber nur gegen Glaubensgenossen. Mit ihrer panzerbrechenden Wirkung auf große Distanz machte die Armbrust den allerchristlichsten Ritter in seiner Rüstung zum wehrlosen Blechhaufen.

Auch der Gebrauch der viel weiter reichenden Präzisionswaffe Drohne wird aktuell, wenn wir ehrlich sind, vornehmlich gegen Menschen anderer Religionszugehörigkeit erwogen. Ein zynischer Einwurf? Vielleicht. Doch er illustriert, dass ethische Debatten um neue (oder ältere) Waffen von eher begrenzter Reichweite sind, die in aller Regel vom eigenen Vorverständnis und Interesse eingeschränkt wird.

Am einfachsten haben es die Pazifisten. Sie verdammen den Krieg grundsätzlich. Für sie ist jede Waffe böse – vom Messer bis zur Atombombe. Mit uneingeschränkter Konsequenz können auch Nicht-Pazifisten Massenvernichtungswaffen ablehnen, weil sie zivile Opfer einkalkulieren oder sogar intendieren.

USA stellt Produktion von Landminen ein

Diesseits dieser Linie wird es mühsamer, zwischen „nur“ tödlichen und im Übermaß grausamen militärischen Mordinstrumenten zu differenzieren – und danach zu handeln. So haben die USA erst jüngst die Produktion von Landminen eingestellt, einer besonders heimtückischen Waffe, die noch Jahrzehnte nach einem Krieg Menschen töten kann.

Wird sie nicht nur mit Kamera und Computer ausgestattet, um einen Gegner zu orten, sondern mit Gerätschaften, um ihn zu töten, gilt die Drohne dagegen als vergleichsweise „humane“ Waffe. Denn durch ihre Präzision ist sie in der Lage, den „Kollateralschaden“ nicht ins Visier genommener Opfer zu minimieren. Ihre große Reichweite erhöht die Sicherheit derer, die auf den Einsatzknopf drücken. Genau darin aber sehen Kritiker den Ansatzpunkt, diese Waffe zu verdammen.

Die Distanz zum Ort der geplanten Tötung, so unterstellen sie, mache den Finger am Auslöser etwas lockerer, als wenn Täter und Opfer einander gegenüberstünden. Das ist, mit Verlaub, Mumpitz. Die klassische Duell-Situation ist im modernen Krieg ziemlich selten. Auch die Verantwortlichen für Raketenangriffe sitzen abseits des Schlachtfeldes im sicheren Unterstand. Selbst der Pilot eines Bombers sieht sein Ziel nur auf dem Bildschirm. Der Verdacht liegt nahe, dass hier die – legitime – Ablehnung des Krieges an einem konkreten Fall durchexerziert werden soll.

An der speziellen Debatte in Deutschland, die mit der Anhörung des Verteidigungsausschusses am Montag nun auch offiziell begonnen hat, fällt zunächst der Blickwinkel auf. Weil das Publikum zu oft die Erfahrung gemacht hat, dass angebliche Präzisionswaffen höchst unpräzise statt „Bösewichter“ Frauen und Kinder ins Jenseits befördert haben, spielt dieses Argument für die Beschaffungsbefürworter nicht die zentrale Rolle.

Machen Drohnen die USA sicherer?

Dagegen wird nicht nur vom Wehrbeauftragten des Bundestages, Hellmut Königshaus, und dem Bundeswehrverband hervorgehoben, dass „unsere“ Soldaten durch den Schuss aus maximaler Distanz maximal geschützt seien. Aus pragmatischer Perspektive scheint das einiges für sich zu haben. Auch erscheint die Drohne als durchaus zivilisierte Antwort auf die „asymmetrische Bedrohung“ durch den modernen Terrorismus. Denn im Gegensatz zu diesem zielt sie auf die Täter und will nicht komplette Gesellschaften durch Tötung am Kampf Unbeteiligter einschüchtern.

Fragt sich nur, ob jene Gegner, die aktuell in Rede stehen, das auch so sehen. Sind Attentäter, die in ihrem fanatischen Eifer den eigenen Tod billigend in Kauf nehmen, durch die Drohung mit eben diesem Tod abzuschrecken? Werden sie den Distanzschuss nicht ähnlich werten, wie wir es mit ihren Taten tun – als „feige Anschläge“? Die Demonstration der technischen Überlegenheit der „Ungläubigen“ dürfte Zorn und Todesmut der überlebenden Glaubensbrüder eher steigern. Einsatzbefehle für Drohnen von Präsident Barack Obama gegen führende Taliban – haben sie die USA auch nur einen Deut sicherer gemacht?

Papst Innozenz’ Bann gegen die Armbrust ist übrigens wirkungslos verpufft. Die Bundesregierung will international mitmischen, staatstragend formuliert: Verantwortung übernehmen. Schon um im Kreis der Bündnispartner bestehen zu können, wird sie der Bundeswehr keine Drohnen-Abstinenz verordnen wollen. Und wenn im aktuellen Regierungsbündnis wegen der Bedenken aus der SPD nur die Aufklärungsvariante politisch durchsetzbar sein sollte – die Option für die Todesdrohne wird offen bleiben. Dafür wird der größere Koalitionspartner schon sorgen. Die „gesellschaftliche Debatte“, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen angekündigt hat, ist jedenfalls mit dem Hearing im Bundestag nicht beendet. Sie hat gerade erst begonnen.

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