Für Sie gelesen

Der Abschied hat begonnen

  • schließen

Die Debatte über die britische Trennung von der EU.

Am Mittwoch hat die britische Premierministerin Theresa May den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) beantragt. Der 29. März 2017 ist ein historisches Datum in der Geschichte Europas. Nun verhandeln bald die Verantwortlichen diesseits und jenseits des Kanals, unter welchen Bedingungen – und Kosten! – die Trennung organisiert werden kann und muss. Welche Folgen diese Verhandlungen haben werden, für wen sie von größerem Nutzen sein werden und für wen den größeren Schaden, ist derzeit unklar.

„Der Tagesspiegel“ schreibt dazu: „Die Verhandlungen in den kommenden Jahren können dazu führen, dass sich gegenüber dem Status quo gar nicht so viel ändern wird. Weil auf beiden Seiten letztlich die Einsicht Oberhand gewinnt, dass man eigentlich ganz gut zurechtgekommen ist seit dem britischen EU-Beitritt vor gut 40 Jahren.“ Womöglich könne ein Stimmungswechsel bei den Briten in ein paar Jahren sogar dazu führen, „einfach dabei zu bleiben“.

Die „Süddeutsche Zeitung“ meint, dass ein harter Kampf bevorstehe. „So unglaublich komplex die Verhandlungen auch sein werden, so banal ist die Sache im Kern. Während Großbritannien versuchen muss, die Kosten des Brexit – nicht nur die finanziellen – gering zu halten, wird die EU sie in die Höhe treiben. In diesen Verhandlungen kann das Königreich auf vielerlei Weise verlieren. Die Union eigentlich nur auf eine: Wenn sie zulässt, dass ein Austritt sich lohnt. (...) Zwischen den vollmundigen Versprechungen der Brexiteers und der Wirklichkeit liegt ein gewaltiger Graben. In den Verhandlungen könnte sich das für Theresa May als größtes Problem herausstellen. Will sie Schaden von ihrem Land abwenden, wird sie Kompromisse eingehen müssen.“

Die „FAZ“ ist anderer Meinung und argumentiert, dass gerade Deutschland zum „Verlierer des Brexit“ werden könnte: „Für Deutschland steht viel auf dem Spiel. Nicht nur, weil die anderen EU-Länder davon ausgehen, dass Berlin mit frischen Milliarden für Brüssel die Lücke füllen wird, die Britannien als zweitgrößter Nettozahler hinterlassen wird. (...) In internen Berechnungen geht das Bundesfinanzministerium schon von einem Anstieg der deutschen Beiträge um ein Viertel auf dann 25 Prozent des EU-Budgets aus.“

Die „taz“ sieht das ähnlich: „Finanziell ist die EU der Verlierer des Brexit und Großbritannien der Gewinner. Sonst würde die EU ja nicht von der britischen Regierung gigantische Geldsummen als Ausgleich für den Austritt verlangen.“ Auf der Webseite widerspricht Kollegin Ulrike Herrmann allerdings seiner These. Auch in der „Welt“ mag man sich nicht entscheiden, wie der Streit ausgehen wird: „In den Waagschalen des Schicksals liegt beides, Selbstzerstörung oder neue Gründerzeit.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare