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Das Abendland kann das Kopftuch verkraften

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Von: Christian Bommarius

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Bislaang hat das Kopftuch dem Abendland noch nicht geschadet.
Bislaang hat das Kopftuch dem Abendland noch nicht geschadet. © imago

Das Kopftuchverbot kann zulässig sein, urteilt der Europäische Gerichtshof. Das heißt: Im Prinzip ist jeder Fall ein Einzelfall. Ein Kommentar.

Sollte der Europäische Gerichtshof die Auffassung der Generalanwältin bestätigen – was die Regel ist –, dann dürfen Arbeitgeber einer Muslima das Tragen eines Kopftuchs am Arbeitsplatz verbieten. Das ist, auf den ersten Blick, eine gute Nachricht für die Kopftuch-Gegner, aber eben nur auf den ersten Blick. Denn im Prinzip dürfte die Entscheidung nichts anderes sagen als: Im Prinzip ist jeder Fall ein Einzelfall.

Das Kopftuchverbot ist ohnehin nur gestattet, wenn es als Folge eines Verbots aller sichtbaren religiösen, politischen oder philosophischen Zeichen ausgestaltet ist. Ein Arbeitgeber, der das Kopftuch verbietet, aber das Kreuz erlaubt, diskriminiert. Zudem muss das Verbot im Einzelfall begründet werden, müssen alle relevanten Umstände berücksichtigt werden, etwa die Arbeit der Muslima, ihre Umgebung, Kundenkontakte. Es dürfte am Ende auf die vernünftige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom vergangenen Jahr hinauslaufen, das das pauschale Kopftuchverbot an Schulen gekippt und eine Einzelfallprüfung verlangt hatte.

Nicht nur in der Behandlung des Kopftuchs, generell empfiehlt sich ein entspannterer Umgang mit in Deutschland lebenden Muslimen. Auch mit Hilfe des Kopftuchs hat der Islam das Abendland bisher nicht erobert.

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