Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Mit einem riesigen Bodengraffiti wurde im Mai 2021 von der Künstlergruppe „Kollektiv ohne Namen“ in Frankfurt an die lebensgefährliche Flucht tausender Menschen über das Mittelmeer nach Europa erinnert.
+
Mit einem riesigen Bodengraffiti wurde im Mai 2021 von der Künstlergruppe „Kollektiv ohne Namen“ in Frankfurt an die lebensgefährliche Flucht tausender Menschen über das Mittelmeer nach Europa erinnert.

Gastbeitrag

80 Millionen Geflüchtete – eine wertvolle Ressource für die Welt

  • VonPeter Ruhenstroth-Bauer
    schließen

Der Weltflüchtlingstag bietet mehr als Zahlen. Er erinnert an das Potenzial der Vertriebenen und daran, dass sie mehr Solidarität verdienen. Der Gastbeitrag von Peter Ruhenstroh-Bauer.

Wie jedes Jahr zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni verkündet der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) die Zahl aller Menschen, die zur Flucht gezwungen wurden. Mehr als 80 Millionen Menschen sind auf der Flucht, eine nüchterne und unglaublich hohe Ziffer, die jährlich wächst. Hinter ihr stehen Millionen von Geschichten und Schicksalen: starke und enorm widerstandsfähige Menschen, die alles zurückgelassen haben, um ein neues Leben in Sicherheit und Würde zu führen.

Eltern, die ihre gesamte Familie mobilisieren, Kinder und Jugendliche die sich alleine auf den Weg machen, Menschen, die Angehörige, Freundinnen und Freunde verloren haben und die nicht mehr leben können in einer Umgebung, die geprägt ist von Gewalt, Krieg und Menschenrechtsverletzungen. Nie zuvor wagten so viele Menschen die Flucht, um Schutz zu suchen: im eigenen Land, in benachbarten oder anderen aufnahmebereiten Staaten. Über die Hälfte bleiben als Binnenvertriebene in ihrem Herkunftsland.

Gegen die Ohnmacht

Der Weltflüchtlingstag soll uns ihre Schicksale in Erinnerung rufen. Im Mittelpunkt stehen dabei viele Zahlen, aufbereitet in den Nachrichtenformaten der Medien. Aber machen uns diese Zahlen wirklich die konkrete Lage der Menschen bewusst? Sind wir nicht langsam betäubt von all den gewaltsamen Auseinandersetzungen und humanitären Notständen in Krisengebieten? Viele empfinden Ohnmacht: Was soll man gegen so eine horrende Zahl schon ausrichten können? Der Konflikt in Syrien dauert mehr als zehn Jahre, im Jemen befindet er sich im siebten Jahr. Aber was bedeutet das für die Menschen in den Regionen?

Für die UNO-Flüchtlingshilfe als nationalem Partner des UNHCR steht die Antwort auf diese Fragen im Zentrum des Weltflüchtlingstages. Es kommt darauf an, die Geschichten hinter den Zahlen zu erzählen und zu verstehen. Die Erzählungen, die es nicht mehr in die Medien oder in das öffentliche Bewusstsein schaffen. Gerade jetzt, wo die Pandemie der alles beherrschende Faktor ist.

Der Autor

Peter Ruhenstroth-Bauer ist Nationaler Direktor der UNO-Flüchtlingshilfe, dem deutschen Partner des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR).

Das Ziel muss sein, das Narrativ über Flüchtlinge neu zu erzählen – eines, das die Chancen und nicht nur die Herausforderung in den Vordergrund stellt. Es geht auch darum, Menschen auf der Flucht neu zu verstehen, ihre Stärke und Widerstandsfähigkeit zu betonen und diese selbst zur Sprache kommen zu lassen. Die große Mehrheit in Deutschland setzt sich für Mitmenschlichkeit und gegen Fremdenhass ein. Häufig verblassen sie jedoch vor den Negativschlagzeilen, vor der lauten Hetze anderer.

Die positiven Stimmen müssen sichtbarer werden und über die Kraft und Ausdauer sprechen, die Menschen auf der Flucht aufbringen. Gleichzeitig geht es darum, diejenigen zu unterstützen, die sich mit ihrer täglichen Arbeit für Flüchtlinge einsetzen.

Arbeit des UNHCR unterstützen

Wer etwas bewegen möchte und handelt, kann einen Unterschied machen: Wir können als Einzelpersonen beispielsweise die Arbeit des UNHCR unterstützen. Und als Gesellschaft können wir unsere Solidarität mit den Geflüchteten weltweit zeigen und damit den Druck erhöhen, dass etwa die Länder, die die Hauptlast der Fluchtbewegungen schultern, stabilisiert und unterstützt werden.

Auch die Staatengemeinschaft muss aktiv sein. Ihre Verpflichtung ist es, die Anforderungen in ihrer Gesamtheit zu erkennen und zu handeln. Mit der New Yorker Erklärung für Flüchtlinge und Migrant*innen, unterzeichnet von 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, und dem Globalen Pakt für Flüchtlinge, der im Dezember 2018 von der UN-Generalversammlung angenommen wurde, sind die ersten entscheidenden Schritte getan. Denn die großen Herausforderungen schultern bisher einige wenige Aufnahmeländer – 85 Prozent der Flüchtlinge leben in sogenannten Entwicklungsländern.

Arme Länder nehmen am meisten Menschen auf

Der Globale Pakt für Flüchtlinge will den Druck auf die Aufnahmeländer reduzieren, die Eigenständigkeit und Widerstandsfähigkeit von Flüchtlingen fördern, den Zugang zu Resettlement und anderen humanitären Aufnahmeprogrammen in Drittstaaten ausdehnen und die Bedingungen fördern, die eine Rückkehr in das Herkunftsland in Sicherheit und Würde ermöglichen.

Der Pakt ist also ein klares Zeichen der Solidarität, das auch auf die Zivilgesellschaften ausstrahlt. Die weltweiten Konflikte werden sich nicht auflösen, aber jede und jeder Einzelne kann die Solidarität mit Geflüchteten zum Ausdruck bringen. Dabei geht es darum, laut zu sein, damit Schutz und Hilfe für Geflüchtete eine Selbstverständlichkeit werden. Darum geht es auch in der Kampagne #withrefugees der UNO-Flüchtlingshilfe. Aus einem Tag und einer Zahl kann viel mehr werden als die bloße Nachricht, dass es die Zahl und diesen Tag gibt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare