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69-Euro-Ticket ist eine Schnapsidee - Herr Wissing, kommen Sie aus den Puschen!

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Von: Moritz Serif

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Verkehrsminister Volker Wissing muss endlich damit anfangen, den Scherbenhaufen seines Vorgängers aufzukehren.
Verkehrsminister Volker Wissing muss endlich damit anfangen, den Scherbenhaufen seines Vorgängers Scheuer aufzukehren. © Britta Pedersen/dpa/picture alliance

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmer setzt den falschen Fokus. Einkommensschwache Haushalte sollten die „relevante Zielgruppe“ sein. Der Kommentar.

69 Euro im Monat! So viel soll das Anschlussticket an das 9-Euro-Ticket kosten, schlägt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmer (VDV) vor. Damit möchte die Interessengemeinschaft vor allem „zahlungswillige Autofahrerinnen und Autofahrer“ ansprechen. Diese hätten sich in der Marktforschung als „relevante Zielgruppe“ erwiesen.

Doch das ist Blödsinn. Menschen, die ein Auto haben, konnten auch mit dem 9-Euro-Ticket nicht dazu bewegt werden, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Die Politik sollte sich daher vor allem auf Haushalte mit einem geringen Einkommen konzentrieren.

69-Euro sind viel zu teuer - besser wäre ein 365-Euro-Ticket

Sie haben sowieso am stärksten mit Inflation, steigenden Preisen und der Energiekrise zu kämpfen - ein 69-Euro-Ticket ist immer noch viel zu teuer und nicht attraktiv genug. Deshalb darf ein Klimaticket nicht mehr als einen Euro pro Tag kosten - das wären im Jahr 365 Euro. 365-Euro-Tickets gibt es in manchen Bundesländern bereits für Schüler:innen, Azubis und Rentenbeziehende.

Wien bietet es bereits seit Jahren an - mit Erfolg. Damit die Verkehrswende gelingen kann, muss FDP-Minister Volker Wissing allerdings endlich damit anfangen, den verkehrspolitischen Scherbenhaufen seines Vorgängers Andreas Scheuer aufzukehren. Heißt: massiver Ausbau des Nahverkehrs, selbstverständlich auch auf dem Land, mehr Fahrzeuge sowie Verbindungen - und vor allem günstige ICE-Tickets. Dieses Geld muss der Staat investieren - notfalls per Sondervermögen.

Staat subventioniert klimaschädliche Autos massiv

Doch auch das wird nicht ausreichen, um Autofahrer:innen für den ÖPNV zu begeistern. Nach wie vor subventioniert der Staat klimaschädliche, fossil betriebene Autos massiv. Würden die wahren Kosten auf die Verbraucher:innen umgelegt werden, könnte es sich die Bevölkerung gar nicht leisten, Auto zu fahren.

5000 Euro kostet jedes größere Auto die Gesellschaft - pro Jahr, wie eine Studie der Zeitschrift Ecological Economics zeigt. Der Staat subventioniert jeden Liter Treibstoff mit zwei Euro - schon lange bevor es den Tankrabatt gab. Das heißt, Benzin müsste eigentlich zwei Euro teurer sein.

Herr Wissing: Kommen Sie endlich in die Puschen!

Mit diesem Umwelt-Schwachsinn muss Schluss sein. Steckt das Geld stattdessen in den ÖPNV. Also Herr Wissing: Kommen Sie bitte endlich in die Puschen, die Zeit ist knapp! (Moritz Serif)

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