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Der zweite Anlauf

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Karola Wille ist auf dem Weg an die Senderspitze.
Karola Wille ist auf dem Weg an die Senderspitze. © dpa/Hendrik Schmidt

Karola Wille soll Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks und damit Nachfolgerin von Udo Reiter werden

Von Ralf Mielke

Am Sonntag hat der Verwaltungsrat des MDR Karola Wille als Kandidatin für das Amt der Intendantin nominiert. Es ist schon der zweite Versuch des Gremiums, den Chefposten der ARD-Anstalt neu zu besetzen, nachdem Udo Reiter nach zwanzig Jahren seinen Rücktritt erklärt hat und zum Monatsende ausscheidet. Vor zwei Wochen war der erste Vorschlag des Verwaltungsrats, der Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung Bernd Hilder, im Rundfunkrat durchgefallen.

Dieses Schicksal sollte Karola Wille nun erspart bleiben. Denn zwar ist die für den 23. Oktober angesetzte Abstimmung über die Reiter-Nachfolge der zweite Anlauf binnen Monatsfrist. Als zweite Wahl ist Karola Wille aber beileibe nicht zu bezeichnen. Schon vor dem ersten Wahlgang hatte sie im Verwaltungsrat nur knapp hinter dem letztlich gescheiterten Bernd Hilder das Nachsehen. Ihn hätte vor allen Dingen die sächsische CDU gern auf dem Intendantenposten des MDR gesehen. Den inhaltlich stärkeren Eindruck, so berichteten nach der Verwaltungsratssitzung am 5. September Teilnehmer, habe schon damals Karola Wille gemacht. Nun erhält sie Gelegenheit, auch dem Rundfunkrat ihre Konzepte für den MDR zu präsentieren.

Den 43 Mitgliedern ist Karola Wille ohnehin gut bekannt. Seit 2003 ist sie bereits stellvertretende Intendantin des MDR, beim Sender ist sie sogar schon seit 1991, also von Beginn an. 1996 wurde sie Juristische Direktorin. Ihr größter Pluspunkt, ihre in zwanzig Jahren aufgebaute Vertrautheit mit dem Sender, seinen Programmen und seinen Mitarbeitern, könnte aber zugleich ihr größtes Manko sein. Denn fast ebenso lange wie es den MDR gibt, hat der Sender mit Skandalen zu kämpfen. Karola Wille war zwar an keinem selbst beteiligt, aber doch stets in mitentscheidender Position innerhalb der MDR-Struktur tätig, die auch die jüngste Affäre um den inzwischen gefeuerten Unterhaltungschef Udo Foht begünstigt hat.

Karola Wille habe erklärt, dafür sorgen zu wollen, dass der MDR durch einen transparenten, glaubwürdigen und nachhaltigen Aufklärungsprozess wieder zur Ruhe komme, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Gerd Schuchardt nach der Nominierung. Das ist bitter nötig. Denn unabhängig von den kleineren und großen Affären muss die neue Führung die Zukunft des Senders gestalten. Und das heißt: mit wahrscheinlich weniger Geld, mehr digitale Angebote für mehr jüngere Zuschauer-Nutzer entwickeln. Da ist viel zu tun.

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