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Navid Kermai ist Schriftsteller und Publizist.
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Navid Kermai ist Schriftsteller und Publizist.

Hessischer Kulturpreis

Zwei Stunden geredet

Nach einer Aussprache mit Lehmann und Steinacker soll Navid Kermani nun doch geehrt werden. Doch was gab es eigentlich zu klären, was sich nicht von selbst hätte verstehen müssen? Von J. v. Sternburg und U. Rüssmann

Von Judith von Sternburg und Ursula Rüssmann

Dass am Ende ein einfaches Gespräch unter insgesamt wohl acht Augen alles geklärt hat, ist auf seine Weise auch wieder schockierend. Worüber mögen sie geredet haben? Will man es wirklich wissen? Und was gab es eigentlich zu klären, was sich nicht von selbst hätte verstehen müssen?

Nach einer zweistündigen Diskussion, hieß es am Freitagabend, seien alle Aspekte der Kontroverse in einer "sachlichen, offenen und respektvollen Atmosphäre" besprochen worden. Und nun sind auf einmal doch alle dafür, dass auch der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani den Hessischen Kulturpreis erhält. Das beendet einerseits eine skandalöse Geschichte im weitesten Sinne glücklich. Andererseits wäre es vielleicht doch besser gewesen, schon vorher einmal miteinander ins Gespräch zu kommen. Man hätte sich viel weniger blamiert. Es hätte ein viel schönerer Abend werden können. Und die immer noch designierten Preisträger, neben Kermani der ehemalige hessen-nassauische Kirchenpräsident Peter Steinacker, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann und der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, wären schon am 5. Juli ausgezeichnet worden.

Die Empörung legte sich nicht

Lehmann und Steinacker hatten aber im Frühjahr wegen eines Zeitungsartikels Kermanis eine gemeinsame Verleihung abgelehnt. In dem Essay hatte der Schriftsteller geschrieben: "Für mich formuliere ich die Ablehnung der Kreuzestheologie drastischer: Gotteslästerung und Idolatrie". Zugleich hatte er sich von der Betrachtung eines Kreuzigungsgemäldes tief berührt gezeigt. Nicht dass das etwas zur Sache täte.

Daraufhin hatte jedenfalls das Kuratorium, in dem die hessische Landesregierung vertreten ist, entschieden, Kermani den Preis abzuerkennen. Weil sich die Empörung darüber aber nicht mehr legen wollte - recht so! -, verschob das Kuratorium die Vergabe schließlich auf den Herbst. Zugleich regte es ein nicht-öffentliches Gespräch unter der Designierten an. Ungeheuerlich, dass Steinacker und Lehmann darauf nicht selbst gekommen waren. Zu einem weit früheren Zeitpunkt.

So bleibt es eine böse Geschichte. Es steht weiter im Raum, dass es den Entrüsteten, Steinacker und Lehmann, gelungen ist, nicht zuletzt die Staatskanzlei in Wiesbaden zur Aberkennung des Preises zu bewegen. Eine Entschuldigung von Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der dem Kuratorium vorsteht, hat die Opposition bereits gefordert.

"Später Sieg der Vernunft"

Axel Ayyub Köhler, Vorsitzender des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland, sprach am Freitagabend von einem "späten Sieg der Vernunft". Besser wäre es allerdings gewesen, sagte Köhler der FR, "wenn die Kirchenvertreter von Anfang an weniger emotional" reagiert hätten. In der muslimischen Community in Deutschland hat der Konflikt um die Preisverleihung nach Köhlers Worten "durchaus Verletzungen ausgelöst". Aber "auch wir Muslime müssen lernen, mit so etwas gelassener und großzügiger umzugehen und nicht immer gleich auszusteigen". Im Koordinationsrat der Muslime arbeiten die vier wichtigsten muslimischen Verbände in Deutschland zusammen: der Zentralrat der Muslime, der Islamrat, Ditib und der Verband Islamischer Kulturzentren.

Der Hessische Kulturpreis 2009 sollte Verdienste um den Dialog zwischen den Religionen würdigen. Ja, am Ende haben die vier mal miteinander gesprochen. Aber haben sie sich so den Preis auch verdient? ( )

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