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„Zentral, aber verwunschen“

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Oliver Reese plant am Berliner Ensemble ein politisch relevantes Gegenwartstheater.

Die Vorstellung Oliver Reeses und die Vertragsunterzeichnung im Roten Rathaus waren eine der letzten Amtshandlungen des scheidenden Regierenden Bürgermeisters (und selbsternannten Kultursenators) Klaus Wowereit. Reese verlor dabei ein paar angemessen abgeschliffene Worte für die Tradition des Berliner Ensembles als Autorenbühne (Brecht, Müller, Tabori, Handke), die aber auch im Unterhaltungs- und „Cross-over“-Bereich (Dreigroschenoper, Robert Wilson) ihre Profilstränge habe und den schauspielerischen Anspruch ja schon im Namen trage. Während man auf der Inszenierungsebene keine Lust habe, sich am Wettbewerb des Ewig-alles-anders-machen-Müssens zu beteiligen.

Erwartbar vernünftig

Reese will also, wir verkürzen etwas, unter anderem mit namhaften Schauspielern Leute in ein politisch relevantes Gegenwartstheater locken und sie dann nicht sofort wieder mit ausdruckswütigen Regisseuren verschrecken. Und wegen der guten Lage „zentral, aber verwunschen“ (zwischen Spree und Touristenstrom), soll das Berliner Ensemble auch etwas internationaler ausgerichtet werden. Sehr erwartbar, sehr vernünftig. Und im Anspruch selbstverständlich leichter zu erfüllen als die hübsche Reißzahn-im-Arsch-der-Politik-Ansage, mit der Claus Peymann 1999 antrat.

Für etwas Farbe soll ein weiteres zukünftiges BE-Leitungsmitglied sorgen: Der Journalist und Schriftsteller Moritz Rinke, der auch einige zeitpolitische, boulevardesk-satirischen Bühnenerfolge geschrieben hat. Rinke übernimmt die Verantwortung über das Autorenprogramm des Theaters. Wie der Posten heißt, das wusste Rinke noch nicht. Wir schlagen vor: Maskottchen. (use)

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