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Ungewöhnlich gekleidete Kriminelle mit einem ungewöhnlichen Plan: "La Casa de Papel".

"Haus des Geldes"

Zeit ist Geld

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Die Fernsehserie "La Casa de Papel" macht gerade in der halben Welt Furore. In Spanien selbst war sie ein mäßiger Erfolg.

Enrique Arce erzählt auf Twitter eine Anekdote aus West Hollywood: Da habe sich ihm ein Polizist wegen Falschparkens genähert und plötzlich ausgerufen: „Holy shit, du bist Arturito aus ,La Casa de Papel‘!“ So stellt man sich den Weltruhm vor. Arce ist ein spanischer Fernsehschauspieler, zu Hause nicht ganz unbekannt, aber weit weg davon, ein Star zu sein.

Und jetzt das. So muss sich Christoph Waltz gefühlt haben, als ihn Quentin Tarantino entdeckte. Mit einem Unterschied: Zuhause in Spanien wissen wahrscheinlich immer noch nicht besonders viele Leute, wer Enrique Arce ist. Es ist ein heimlicher Ruhm. Er beginnt allerdings gerade zu wachsen.

Netflix, wo „La Casa de Papel“ momentan in aller Welt zu sehen ist, hat dieser Tage bekannt gegeben, dass auf der Plattform noch keine nicht englischsprachige Serie solchen Zuspruch gefunden habe wie diese. Ein Phänomen. Und was für eins. Der langjährige Oberbürgermeister von Ankara, Melih Gökçek, hat sich wegen des Erfolgs der Produktion in der Türkei kürzlich öffentlich Sorgen gemacht.

Polizei und Geheimdienst möchten bitte einschreiten, die Serie sei „ein Symbol der Rebellion“. Das fanden auch ein paar Hacker, die Anfang April das Musikvideo des Welterfolgs „Despacito“ kaperten: Für ein paar Stunden war statt des Sängers Luis Fonsi nur ein Standbild bewaffneter Bankräuber in rotem Overall zu sehen – es stammte aus „La Casa de Papel“.

Das ist ziemlich viel Aufregung um einen Fernsehkrimi. Denn darum handelt es sich bei der Serie, die im vergangenen Jahr über mehrere Monate im spanischen Sender Antena 3 lief und dort eher auf verhaltene Neugier stieß. Die erste Folge brachte es auf gute vier Millionen Zuschauer, aber dann verloren die Spanier langsam das Interesse und beim abschließenden 15. Kapitel schauten nur noch 1,8 Millionen zu. „La Casa de Papel“ schien eine dieser vielen Fernsehserien zu sein, an die sich später kaum noch jemand erinnern würde. Dann kam Netflix.

Das Papierhaus ist Madrids Banknotendruckerei

Die US-amerikanische Onlinevideothek sucht überall auf der Welt nach Produktionen, die ihre 125 Millionen Abonnenten am Bildschirm kleben lassen könnten. Und Netflix stellte sich schließlich als das ideale Ökotop heraus, in der „La Casa de Papel“ erst richtig gedeihen sollte. Der Streamingdienst schnitt die 15 je 70 Minuten langen Originalkapitel zu 22 etwa 45 Minuten langen Kapiteln um, was den internationalen Sehgewohnheiten entgegenkam. Als größter Vorteil aber erwies sich die Möglichkeit, die Serie mehr oder weniger am Stück sehen zu können: als Siebzehneinhalbstundendroge. Da entfaltet die Geschichte eine Wirkung, die sie als wöchentliche Abendunterhaltung im spanischen Fernsehen nie erzielte.

„La Casa de Papel“ heißt wörtlich: das Papierhaus. Gemeint ist die Fábrica Nacional de Moneda y Timbre, die spanische Banknotendruckerei in Madrid. Die überfällt eine Gruppe von Kriminellen, um dort den größten Bankraub aller Zeiten zu vollbringen. Sie tun es mit gutem Gewissen, weil sie niemanden bestehlen: Sie drucken sich das Geld selber. Je länger sie mit ihren Geiseln in der Druckerei durchhalten, desto größer ist ihr Lohn. Zeit ist Geld. Der Kopf der Bande, El Profesor, der den Coup von einem Versteck außerhalb der Fábrica Nacional de Moneda y Timbre leitet, hofft auf eine maximale Beute von 2,4 Milliarden Euro, falls die Gruppe elf Tage durchsteht. Das muss sich zeigen.

Die Grundidee ist das Beste an dieser Serie, die sich der erfahrene spanische Serienproduzent Àlex Pina ausgedacht hat. Diese Idee hält die Zuschauer, die mit den Einbrechern fiebern, in Bann – die Sympathien sind hier klar aufseiten der Kriminellen (weswegen sich Ankaras Exbürgermeister wohl solche Sorgen macht). Wie alle ordentlichen Helden brauchen sie ebenbürtige Gegenspieler, eine Gruppe von Polizisten, die durchaus effektiv ihre Arbeit machen, nur auf einen Gedanken nicht kommen: den Banditen den Strom abzudrehen, womit die schöne Gelddruckerei schnell ein Ende hätte. Macht nichts. Ist nur ein Film.

Am wenigsten Interesse hat die Serie leider an den Geiseln, mit einer Ausnahme: dem Direktor der Druckerei, jenem Arturito, der von Enrique Arce gespielt wird. Er ist der anregendste Charakter der Geschichte, weil ein zerrissener und nicht besonders sympathischer. Wonach „La Casa de Papel“ schreit, ist nach einem Remake mit besseren Dialogen, die doch immer wieder sehr einfältig sind, und mit etwas mehr technischer Wissbegier: Wie aus Papier Geldscheine werden, lernt man in dieser Serie nicht.

Mitte der Woche hat Netflix angekündigt, eine weitere Staffel vom „Haus des Geldes“ – so der deutsche Titel – drehen zu wollen. Eine gute Gelegenheit, ein erfolgreiches Produkt noch besser zu machen.

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