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Außerdem eröffnet das Bücherlesen auf dem Handy ganz neue Lesegelegenheiten.
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Außerdem eröffnet das Bücherlesen auf dem Handy ganz neue Lesegelegenheiten. 

Update

Zehn Jahre E-Book

  • Kathrin Passig
    vonKathrin Passig
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Ja, ein Buch aus Papier blättert sich so schön und duftet so fein. Aber das digitale Lesen hat auch enorme Vorzüge.

Vor rund zehn Jahren, am 1. Oktober 2010, kaufte ich mein erstes E-Book. Technisch gesehen hätte ich das schon früher tun können, erste Geräte für das Lesen digitaler Bücher gab es schon in den 1990er Jahren, und auch den Amazon Kindle konnte man seit 2007 kaufen. Aber ich war einmal ein Mensch mit Interesse an schön aussehenden Büchern gewesen und fand die Plastik-Reader mit ihren grauen Displays hässlich. Außerdem wollte ich nicht noch den Ladezustand eines Akkus im Auge behalten. Erst als ich herausfand, dass man gar kein neues Ding kaufen muss, sondern Bücher mit Hilfe von E-Reader-Apps auf den vorhandenen Geräten lesen kann, leuchtete mir die digitale Buchlesezukunft ein.

In den zehn Jahren seit dem Umstieg habe ich 675 E-Books gekauft und 645 Bücher gelesen, davon etwa 600 in papierloser Form. Im Vergleich zu meiner besten Papierlesezeit ist das nicht viel. Mit im Schnitt mehr als 50 Büchern pro Jahr gehöre ich aber nach den Zahlen der Stiftung Lesen immer noch zu den drei Prozent der Viel-Lesenden. Vor allem liegen diese Zahlen wieder höher als in den Jahren vor dem E-Book-Umstieg, in denen mir das Bücherlesen kaum noch gelungen war. 2009, im letzten Jahr des Papiers, kam ich auf nur 32 Bücher. Im Nachhinein vermute ich, das Problem war, dass ich nur zwei Hände habe.

Hier schreibt Kathrin Passig jede Woche über Themen des digitalen Zeitalters. Sie ist Mitbegründerin des Blogs „Techniktagebuch“. www.kathrin.passig.de

In diesen Händen kann ich entweder ein Buch halten oder ein Gerät, auf dem ich nebenher mit anderen Menschen rede und gelegentlich die Antworten auf Fragen suche, die sich aus der Buchlektüre ergeben. Wenn ich dazu jedes Mal das Buch weglegen muss, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass ich es nach der Unterbrechung wieder in die Hand nehme. Am Laptop und am Handy gelingt mir der Wechsel besser. Außerdem eröffnet das Bücherlesen auf dem Handy ganz neue Lesegelegenheiten unterwegs und zwischendrin, ohne dass ich daran denken muss, ein Buch einzustecken. Das Handy ist immer da, wo ich gerade bin, meistens in meiner Hand.

In den ersten E-Book-Jahren bestand eine der Hauptveränderungen darin, dass ich aufhörte, Bücher auf Vorrat zu kaufen. Wo ich früher ein interessant aussehendes Buch sofort gekauft hätte, genügt es jetzt, die Leseprobe herunterzuladen. Die Leseproben erfüllen dieselbe Funktion als Erinnerungsstütze, die früher der Stapel ungelesener Bücher hatte. Insgesamt kaufe ich durch die Leseproben experimentierfreudiger als früher, halte mich also etwas weniger an bewährten Themen, Autorinnen oder Autoren fest. Sie führen aber auch dazu, dass ich vieles, was ich früher unbesehen gekauft hätte, nach Leseprobenlektüre doch nicht besitzen will.

In der zweiten Hälfte der zehn Jahre ließen die Kinderkrankheiten des E-Books allmählich nach. Verlage ignorieren das Format nicht mehr ganz so konsequent und gönnen ihren E-Books manchmal sogar korrekte Silbentrennung oder funktionierende Querverweise. Dass ich ein Buch gern digital kaufen würde, aber nur das Papierbuch angeboten bekomme, ist selten geworden.

In letzter Zeit stelle ich zu meiner Freude fest, dass das, was anfänglich nur ein vages Zukunftsversprechen war, inzwischen Realität geworden ist: Ich habe mein Bücherregal immer dabei. Fast alles, an dessen Lektüre ich mich erinnere, ist auch tatsächlich da, wo ich bin. Falls ich wirklich einmal einen Blick in ein Buch werfen will, das ich vor 2010 angeschafft habe, finde ich es meistens im Netz – nicht immer legal, aber ich sage mir, dass ich ja schon einmal dafür bezahlt habe. Ein paar besonders schöne oder nützliche Bücher habe ich mir ein zweites Mal als E-Book zugelegt. Nur selten muss ich bei Twitter fragen, ob jemand das Papierbuch im Regal stehen hat und mir eine Seite abfotografieren könnte.

Das zehnte E-Book-Jahr fiel etwas aus der Reihe. 2020 habe ich viel weniger gelesen als im Vorjahr. Man könnte annehmen, dass eine Pandemie, in der einige Freizeitbeschäftigungen wegfallen, ein günstiges Buchleseumfeld bietet, aber so war es nicht. Schuld ist der Wegfall des Lesens im Gehen. Ich war weniger allein zu Fuß unterwegs, weil ich kaum Anlass dazu hatte, andere Orte aufzusuchen. Wenn ich einmal draußen war, musste ich meine Aufmerksamkeit dem Abstand zu anderen Menschen widmen statt einem Buch.

Vor allem aber war ich nicht mehr im Fitnessstudio, wo ich im Vorjahr fast jeden Tag auf einem Gerät mit Handyablagesims Bücher gelesen und dabei in die Pedale von Crosstrainern und Liegerädern getreten habe. Allerdings beziehe ich meine E-Books nach wie vor aus dem Kindle-System, obwohl ich in diesem Jahr versucht habe, Amazon beim Bestellen von Gegenständen zu vermeiden. Wenigstens trägt das körperlose Buch nicht zu den schlechten Arbeitsverhältnissen in Amazon-Logistikzentren bei.

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