Ob seine Musik von Youtube kommt?
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Ob seine Musik von Youtube kommt?

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Youtube startet Streaming-Dienst

  • Melanie Reinsch
    vonMelanie Reinsch
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Der neue Musik-Streaming-Dienst von Youtube ist online gegangen und trifft auf einen hart umkämpften Markt.

Es ist wahrlich kein filmisches Meisterwerk, das der Youtube-Mitbegründer Jawd Karim am 23. April 2005 bei Youtube hochlud. „Me at the zoo“ („Ich im Zoo“) heißt der 18-Sekunden-Clip, der trotzdem inzwischen 50 Millionen Mal abgerufen wurde. Denn das Video ist auch deshalb historisch, weil es das erste Video ist, das jemals bei auf dem Videokanal Youtube hochgeladen wurde. Seitdem war Youtube vor allem eins – ein Portal zum Gucken. Doch mehr und mehr ist Youtube auch längst zu einem Musikkanal avanciert, auf dem sich sowohl Konzertlive-Mitschnitte, als auch illegal hochgeladene Songs tummeln. Manche Musiker sind nur durch Youtube überhaupt bekannt geworden.

„Youtube wurde zum Anschauen von Videos gemacht“, sagt T. Jay Fowler daher auch am Montag in London. Fowler verantwortet bei Youtube die verschiedenen Musikprodukte und deren Entwicklung. Nun geht Youtube einen Schritt weiter.

Musikfans mussten bisher zwischen den verschiedenen Musikanwendungen und Youtube hin und her springen. Doch das sei jetzt vorbei, erklärt Fowler. Heute sei nun ein besonderer Tag, auf den er lange gewartet und hingearbeitet habe. Dabei lächelt Fowler immer wieder ein wenig nervös, spricht von einer „Vision“ – einer App, die alles miteinander kombinieren soll: Hören, gucken, entdecken.

Youtube bietet verschiedene Modelle

Denn am Montagnachmittag ging der neue Musik-Streaming-Dienst von Youtube online. Mit Hilfe der neuen App können Nutzer von nun an über Youtube auch Musik streamen. Nicht nur Videos können also abgespielt werden, sondern auch offizielle Alben, Singles, Remixe, Live-Mitschnitte online oder offline gehört werden.

Um den neuen Dienst nutzen zu können, kann aus verschiedenen Modellen gewählt werden. Youtube Music ist die kostenlose Variante, die allerdings durch Werbung gestört wird. Für knapp zehn Euro erhält man eine kostenpflichtige Mitgliedschaft (Youtube Music Premium) ohne Werbung, die auch die Möglichkeit zum Offlinehören bietet. Lieblingsmusik, ähnliche Künstler, individuelle Empfehlungen, beliebte Videos, Offline-Musik, Neuerscheinungen, Zufallsmusik aus den beliebtesten Songs – all das soll die neue App liefern. Ein drittes Modell (Youtube Premium) beinhaltet die Vorteile der kostenpflichtigen Variante und zusätzlich noch die Möglichkeit, so genannte Youtube Originals (Shows, Filme) ansehen zu können (11,99 Euro). Für drei Monate kann man die App zunächst kostenlos testen.

Youtube lockt mit intelligenter Suchfunktion

Mit dem neuen Streaming-Dienst steht YouTube in direkter Konkurrenz zu Spotify und auch Apple Music. Der Platzhirsch Spotify bietet seinen Dienst seit 2006 an und ist inzwischen in rund 60 Ländern verfügbar. 2018 wurden 71 Millionen zahlende und insgesamt rund 157 Millionen aktive Nutzer gemeldet. Auch Spotify bietet eine werbefreie Variante und eine kostenfreie mit Werbung unterlegte Variante an.

Apple Music startete seinen Music-Streaming-Dienst erst 2015, weil Apple-Firmengründer Steve Jobs eine ablehnende Haltung gegenüber Musik-Streaming hatte. Inzwischen hat auch Apple Music rund 40 Millionen Abonnenten (Stand April 2018). Es wird nicht so einfach sein, die Nutzer von einem Wechsel zu überzeugen – auch wenn Youtube auf die Kombination „Videos ansehen plus Musik anhören“ setzt und auf eine beachtliche Fangemeinde zurückgreifen kann: Inzwischen hat das Portal laut eigenen Angaben mehr als Milliarde Nutzer. Einen Vorteil allerdings kann die Suchfunktion bringen. Schreibt man einen Namen oder einen Titel falsch, ergänzt die „intelligente“ Suchmaske die Anfrage, ähnlich wie man es von Google kennt. So soll es auch möglich sein, nach Songtexten zu suchen oder einfach nur „Titelsong von Til Schweiger Film“ einzugeben und ein entsprechendes Ergebnis zu bekommen.

Ob Youtube künftig mit dem Youtube-Premium-Modell auch eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Netflix werden wird, wird man sehen. Zwei neue Shows hat Youtube seit Montag schon im Angebot: Eine zur Fifa-Weltmeisterschaft und eine mit den Youtubern The Sidemen.

Für Musiker sind die Streaming-Dienste Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite bekommen sie eine verschwindend geringe Umsatzbeteiligung, auf der anderen Seite kommt kaum eine Band oder ein Künstler an den Diensten vorbei, wenn sie bekannt werden möchten.

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