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A und O, Leon Häder und Dino Niethammer.

Box

Wummkrach: „Himmel und Hände“ im Schauspiel Frankfurt

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Der A und der O: „Himmel und Hände“ für Kinder in der Schauspiel-Box und demnächst in Kindergärten und Schulen.

Vom Kindergarten in die Schule wie gerade eben wieder, das ist eine meist ersehnte Schwelle. Danach dürfen sich die naseweise Johanna aus Bad Vilbel oder der schüchterne Lazar von Naurod immerhin zu den „Großen“ rechnen. Trotzdem sorgt die Einschulung immer auch für Aufregung, ganz zu schweigen von den Nachfragen nach ein paar Tagen, ob das mit dem langen Stillsitzen jetzt immer, immer so weitergeht? Schlechte Nachrichten: tut es. Die Verfleißigung blutjunger Menschen für die Industriegesellschaft: Unnachgiebig erhebt sie ihr Haupt.

Getimed auf eine kurze Schulstunde in Klassenzimmer oder Kindergarten, verweigert oder verschiebt „Himmel und Hände“ die ernste Seite daran souverän. Carsten Brandaus Text und Andreas Machs Regie kommen Kindern ab 5 Jahren, die ihre nachhaltige Zuckertüte schon haben oder noch von ihr träumen, so positiv wie möglich. Die Studiojahr-Stipendiaten Leon Häder als großer „A“ und Dino Niethammer als kleinerer „O“ bekommen das in Anna Sünkels Kostümen bestens hin, was den Kleinen das Identifizieren erleichtert und die Lust auf Schule erhält.

Wo sich A am liebsten an den Himmel denkt und mit leisem Karlsson-vom-Dach-Effekt ein Propeller seine Pilotenkappe zur Fliegerjacke ziert (obendrein hantiert er mit einer Sonnenkugel-Lampe), stellt O mit Arbeitshandschuhen die Liebe zum Löcher-schaufeln mit den Händen zur Schau. Ein Hauch Klassengesellschaft schwingt hier wohl mit: „Du bist drüber bist du. Über dem Sand. Ich drunter.“ Ein Sandkasten zum Auffalten ist das zweite wichtige Requisit, das bei Bedarf zur Höhle oder Schule wird. „A und O“ ergänzen sich, tatendurstig und leicht akademisch der eine, scheu wie ein Maulwurf der andere, zum Freundesduo, das trotz Os Unlust auf Schule gemeinsam durchs Abenteuer Einschulung geht. Auch wenn A den O dazu aus seiner Ich-Höhle buddeln muss.

Wem auffällt, dass die Namen und das Elementare an Handlung und Figuren vage nach Samuel Beckett klingen, wird sich nicht über Brandaus Sprache wundern. Sie stilisiert den Kindersprech kleiner Jungen („Wummkrach, Knochbruch!“) ebenso, wie das im Bonbonlicht zu Klängen wie James Brown (Musik: Theo Krieger, Dramaturgie: Lukas Schmelmer) Sünkels Kostüme tun. Es ist, als habe das Theater die Taucherbrille zur gelben Wollmütze, die Converse-Sneaker oder scheppen Schnürstiefel, die gestreiften Stoffe und Os Latzhose unmittelbar aus Kinderbüchern für kleine Rabauken geschüttelt. Die Logik: Dreikäsehoch-Naturalismus ist für Häder-Niethammer als A&O so passé wie Stilisierung angesagt, denn ihre eigene Einschulung fand bald nach „9/11“ statt. Ist ein Weilchen her.

Den Kleinen, die zum Mitmachen an Effektinstrumenten (Regen, Donner, Platzregen) nicht überredet werden müssen, fällt das nicht weiter auf. Team und Darsteller haben so viel Erfahrung und Lust zu spielen, dass das Prinzip Welterkundung am Beispiel Einschulung locker-lustig vonstatten geht. Hübsch gemacht!

Schauspiel Frankfurt, Box: 28. September, 6. Oktober, außerdem für Schulen/Kindergärten buchbar. www.schauspielfrankfurt.de

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