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Festival der Eitelkeiten und Jahrmarkt des Gegenweltlichen: Die drei Tage Love & Peace, Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll sind auch heute noch mehr als nur Nostalgie.

50 Jahre Woodstock

Woodstock: Frauenverachtung, Kommerz und schlechte Drogen

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Wonderland oder Waterloo? Das Hippiefestival Woodstock wurde ein wirkmächtiger Mythos. Eine Bestandsaufnahme zum 50. Jahrestag.

Auch G. hatte so einiges vor, angefangen mit seinem Leben, einem nach der Schule. Er hatte verdammt konkrete Pläne in einem Alter, in dem viele von uns einen Traum hatten. Doch bloß bei einem Traum wollte es G. nicht bewenden lassen, er dachte in Zeiträumen, und ohne dass er es einen Vier- oder Fünfjahresplan genannt hätte, wollte G. doch mit 20, 21 dort angekommen sein, wo Michael Shrieve war, als wir ihn mit 16 trommeln hörten, sein Spiel vom 16. August 1969 in Woodstock.

Repeat. Lässig waren wir uns über eine Wiederholung einig.

Gemeint war das Solo. Also zog G., Schörschi, den Tonarmlift des Plattenspielers zu sich hin, die Nadel hob ab.

Santana hatte vor 400 000 Menschen „Soul Sacrifice“ gespielt. In Schörschis Dachzimmer senkte sich die Nadel erneut auf die vierte Seite des Woodstock-Dreier-Albums. Dass es knackte, lag nicht am exquisiten Dual, es lag daran, dass Shrieves enormes Solo immer und immer wieder abgespielt wurde. Einer werden wie Shrieve. Riesig waren die Boxen, am größten das Schlagzeug vor einer Woche um Woche wachsenden Plattensammlung.

Die Stars von Woodstock: Jimi Hendrix, The Who und Richie Havens

Soul Sacrifice, Seelenopfer. Woodstock hat vier, fünf maßgeblich gebliebene Songs hinterlassen. Richie Havens flehte dröhnend „Freedom“, mit einem von ihm variierten Gospel, einem aus der Zeit der Sklaverei, beschwor er eine Gesellschaft ohne Hierarchien, ohne Ansehen der Hautfarbe. Jimi Hendrix rechnete in „The Star Spangled Banner“ mit dem Krieg in Vietnam ab. The Who beschworen mit „My Generation“ den alle Grenzen überschreitenden Konflikt der 60er Jahre – die Summe all dessen aber war „Soul Sacrifrice“, im gewaltig treibenden Rhythmus ein umtreibender Seelenkonflikt. Schörschi, an seinem Schlagzeug, übte schon mal.

War das jetzt nicht Shrieves Solo, jedenfalls fast?

Und wenn dann F. und M. im Türrahmen auftauchten – die beiden älteren Brüder G.s von sechs Geschwistern insgesamt – dann standen sie da, wie aus einer anderen Welt, schief lächelnd. Beseelt? Sie hatten böse Probleme. Wurden sie je wieder clean?

Woodstock als Nekrolog: Jimi Hendrix, Janis Joplin, Keith Moon und Tim Hardin

Soul Sacrifice: Woodstock hat die Massen der Welt entrückt. Woodstock, die Gegenwelt, hat Opfer gefordert, Drogenopfer, G. sei’s getrommelt. Der Abspann der Woodstock-Dokumentation von Michael Waleigh listet prominente Namen auf, Hendrix, Janis Joplin, Keith Moon, Tim Hardin, Paul Butterfield, ein jeweils einzeiliger, flüchtiger Nekrolog. Der Film, den Waleigh 2009 als „Director’s Cut“ zum vierzigsten Jahrestag herausbrachte, lässt nicht nur Musik hören, sondern die Ansage, die vor schlechtem Acid, also LSD, warnte. Oh fuck, aber so war man halt drauf, der Weg in eine andere Welt führte über gute Drogen oder über böse. Carlos Santana ist auf der DVD zu sehen, wie er sein immenses Solo mit verzerrtem Gesicht spielte, als hätte ihm jemand einen Nasenstüber versetzt. Später gestand er, er hätte sich mieses Meskalin andrehen lassen von dem lieben Kollegen Jerry Garcia von den Grateful Dead. Die, wie zu hören, wenn man die Konserven noch einmal aufwärmt, nicht viel gebacken kriegten, die Dead.

Gut ist natürlich der Spruch: Wenn du dich an Woodstock erinnern kannst, dann warst du nicht wirklich da. Nun, was heute, nach 50 Jahren, vielleicht noch einige zehntausend Augenzeugen wissen, wissen Millionen natürlich aus den Medien. Woodstock war von Anfang an ein Medienereignis. Seine Legendenbildung erklärt sich nicht nur dadurch, dass es eine musikalische Avantgarde zusammenbrachte, sondern unterschiedliche Menschen, aber auch sehr unterschiedliche Dinge, eine gigantische Lautsprecheranlage, die das Gelände, ja, beschallte, über das, ohrenbetäubend, Hubschrauber kreisten.

Janis Joplin bedröhnt auf dem Woodstock: Am Ende war alles fuck

Böse Sache. Dagegen begehrte, durch die Szene wankend, eine Janis Joplin auf, bedröhnt. Oh fuck. Aber war nicht alles fuck, am Ende auch Woodstock? Ihr Auftritt wurde musikalisch zu einem Desaster, ihr Ausfall zuvor war ein Offenbarungseid, denn ohne die Hubschrauber hätte auch Joplin nie einen Auftritt gehabt, weil Zehntausende die Straßen und Wege Richtung Bethel, die Zufahrten zum Festivalgelände verstopften.

Tatsächlich wurde Woodstock erst möglich durch einen Pioniergeist, der mit ganz neuen Produktionsmitteln für populäre Musik aufwartete, gigantischen Lautsprecheranlagen, das war o. k., aber auch mit Hubschraubern. Beide sind seitdem zwei fest gebuchte Größen im (globalen) Open-Air-Business. Hubschrauber, die den Zuschauern in Bethel wegen der Bilder aus Vietnam vor Augen standen als der Inbegriff des Kriegsgrauens. Hendrix nutzte die Lautsprecherbatterien von Woodstock, um den Hubschrauberterror in aufjaulenden und niedergehenden Gitarrengewittern zu markieren. Apocalypse now – einige Jahre bereits vor dem Vietnamepos im Kino, das ja auch ein Musikfilm ist.

Woodstock hat berauscht, sicherlich auch, weil seine Musik eine Geschichte aus Heroisierung und Selbstverklärung ist, nicht zuletzt der Verdrängung. Woodstock hat viele Väter und Mütter hervorgebracht, mit dem Altern kam womöglich hier und da der Abstand. Und auch ohne Abstand ganz gewiss das Altern. Veteranen, auch viele von Woodstock, kriegen die Krise, wenn sie sich anders als nur verklärt erinnern sollen. Und viele bekommen richtig Probleme, wenn sich Fremde ihrer Woodstock-Erinnerung bemächtigen, ihres Woodstock-Lebenslaufs. Weißt du noch? Man muss dann auch Woodstock-Veteranen daran erinnern, dass sie die einprägsamsten Erinnerungen der Vätergeneration nicht allein Kriegsveteranen überlassen haben. Um bessere Menschen zu werden, gerechtere, moralischere, hat die Woodstock-Generation einen Generationenkonflikt heraufbeschworen, den musikalischen Aufruhr und moralischen Aufstand, vor allem gegen den Krieg in Vietnam.

Heiser politische Stimmen in Woodstock

Es gab in Woodstock die heiseren politischen Stimmen und die hochtönend poetischen. Es kamen die Massen und vernahmen die Botschaft der Draufgänger und der Scharlatane. Sie machten sich auf auch wegen der Virtuosen, Jimi Hendrix, Carlos Santana, Alvin Lee. Ihre Musik ist deswegen nicht besser gewesen als die Musik der Weltkriegsgeneration, orientiert an Mozart und Beethoven, Glenn Miller und Benny Goodman, Gershwin, Schostakowitsch oder Bach. Die W.-Generation hat aber gewiss für eine Kommerzialisierung des gesamten Musiksektors gesorgt, ob U oder E. Durchgesetzt hat sie ein den gesamten Globus beherrschendes Geschäftsmodell. Es hat jedes Fleckchen Festivalerde überrollt wie ein Tsunami.

Daran gemessen bloß tumultartig verlief im Herbst 1969 ein Prozess gegen mehrere Wortführer der US-Antikriegsbewegung in Chicago. Einer, nach seinem Namen befragt, war „Abbie“, Abbie Hoffman, „ein Waisenkind aus Amerika“. Befragt danach, wo er wohne, sagte er: „In Woodstock Nation.“ In welchem Staat das liege? Hoffman: „Im Bewusstsein.“

Woodstock: Selbstsuche im Zeichen von Anarchie und Egomanie

Woodstock war zweifellos bewusstseinsbildend und bewusstseinserweiternd, was auch ohne Drogen klappte. I feel free! Aber worauf lief’s bei der Selbstsuche hinaus, auf Anarchie, Egomanie? Tatsächlich hat Woodstock, hier der gesellschaftliche Traum, dort der asoziale Alptraum, bei der Beurteilung für Fraktionszwang gesorgt, Ein Event, zwei Meinungen. Wir sind das Salz der Erde! Ihr seid der Abschaum der Nation! Vor allem an runden Jahrestagen wurde Bilanz gezogen. Anstelle der Verklärung gewann die Entlarvung Oberhand.

In Woodstock zeigte sich die friedensbewegte Generationskohorte der Hippies nicht nur friedfertig. Niedergelegt wurden so seelenlose Sachen wie Zäune, um ein kostenloses Konzert zu erzwingen. Zerstört wurden aber auch zu beseelendes Gerät wie eine Gitarre, der Pete Townsend von The Who Gewalt antat. Sinnlose Gewalt? Oder gab es auch selig machende? Sicher, Townsend war alles andere als ein Hippie, als harter Hund hasste er sie sogar.

Woodstock war nie ein Wonderland – zum Waterloo für Love & Peace wurde Altamont, einige Monate später, als bei einem Konzert der Rolling Stones Mitglieder der Hells Angels, eine alles andere als unbekannte Motorradclique, vielmehr eine paramilitärische und halbkriminelle Gang, Zuschauer verprügelten und unmittelbar vor der Bühne einen Schwarzen erstachen. Altamont wurde zum Sündenfall. War es eine Vertreibung aus dem Paradies?

Woodstock als Utopia: Aalen in der Sinnlichkeit

Einem Utopia? Vor all den Hippies trug um seinen Hals Paul Kantner ein (spiegelverkehrtes) Hakenkreuz. Hey, freaks, das war nicht historisch gemeint, sah aber provozierend aus. Woodstock wusste zu polarisieren, darunter mit Bildern von Rutschpartien im Schlamm. Nicht nur ein Wolkenbruch hatte die grüne Wiese in Morast verwandelt. Was aber war das, was auf glitschigem Grund zum Happening wurde – keine falsche Scham: ein Aalen in der Sinnlichkeit, ein Suhlen in der Regression? Gerade darauf hat sich die Woodstock-Generation viel eingebildet, auf einen ausgeprägten Hedonismus, der sich nicht an traditionelle Werte und Regeln hielt.

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Zum Hedonismus zählte aber auch ein ausgeprägter Egoismus und zum Egoismus eine krasse Frauenverachtung – auch in dieser Hinsicht war ein Gedanke, den Abbie Hoffman aussprach, bezeichnend: „Das einzige Bündnis, das ich mit einer Frau eingehen würde, wäre im Bett.“

Das war Musik in den Ohren schamloser Machos. Überhaupt legten mächtig viele Bürger der Woodstock-Nation eine außerordentliche Chuzpe an den Tag – Woodstock, das zeigen Dokumentationen, war bevölkert von Weltverbesserern mit dem großen Durchblick. Arlo Guthrie fragte immer wieder ins Publikum: „Can you dig that, can you dig it?“ Tatsächlich schien er, bedröhnt wie er war, der erste zu sein, der überhaupt nichts mehr schnallte.

Woodstock als Legende kurz vor der Katastrophe

So what, könnte man sagen – oder aber fragen: War Woodstock Avantgarde? Auf jeden Fall entfesselten Ahnungslosigkeit und Unbekümmertheit ebenso große Produktivkräfte wie der Wille zur Provokation. Make love, not war. Dafür war man zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Schieres Glück war es, dass sich niemand an den hochgejazzten Musikproduktionsmitteln, an den offenbar nicht geerdeten Lautsprechern die Finger verbrannte, nicht an den Verstärkern verschmorte, nicht vom Blitz erschlagen wurde, während das Gewitter über das Festival zog.

Da aber die Woodstock-Generation den Verschwörungstheorien aus freien Stücken erlag, glaubte man, dass der große Regen von bösen Mächten (Politik, Militär) geschickt worden sei – die dann tatsächlich Hubschrauber in das Katastrophengebiet von Bethel entsandten, um Zehntausende zu speisen, zu tränken und medizinisch zu versorgen. Woodstock wäre niemals zu einer dermaßen triftigen Legende geworden, wenn es nicht zu der wundersamen Brotvermehrung und Speisung von Zehntausenden gekommen wäre. Und wenn nicht über die sich zuspitzende Lage, die Woodstock vielleicht nicht zu einer Hölle, aber doch zu einer Vorhölle machte, zugleich Bilder vom Garten Eden entstanden wären. Menschen im Wasser, Massen von Nackten. Bukolisch die Freude an einer freimütigen Körperkultur, dazu Bilder von geradezu rituellen Reinigungen. Manche darunter, denen es auch um so etwas wie eine Taufe ging. Soul Sacrifice.

Woodstock: Genug Gründe, "Fuck!" zu sagen

Hinter den Zäunen, die aber von den Massen eingerissen wurden, so dass Woodstock zu einem kostenlosen Konzert erklärt werden musste, schien eine Gegenwelt eingehegt. Der Vietnamkrieg, die Aggression der Spießer und Rassisten, die Ermordung von Martin Luther King und Robert Kennedy sorgten für ein politisch wie kulturell hochgradig aufgeladenes Klima. Es gab genug Gründe, um „Fuck“ zu sagen. „Fuck“ öffentlich auszusprechen, war in den USA der 60 Jahre jedoch ein Grund, um verhaftet zu werden. Country Joe McDonald ließ sich von der Bühne herab „F-U-C-K“ von den Massen brüllend buchstabieren und bestätigen, als Ausdruck einer Rebellion, als Protest gegen die repressive Arroganz der Macht. „Fuck“ schien das Losungswort, um das Establishment zu erschrecken. Aber sagten nicht auch die schlimmsten Spießer und aggressivsten Anti-Hippianer „Fuck“? Auf jeden Fall war für die Woodstock-Massen der Krieg in Vietnam fuck.

Woodstock: Am Ende der Schwenk über das Schlachtfest

Für viele, die dabei waren, wurde der Matsch zur Institution, für nicht wenige nach Woodstock der Marsch durch die Institutionen. Schlichtere Gemüter sahen sich schon an der Spitze einer Revolution – die dann ausblieb. Seelenverkäufer setzten sich an die Spitze der Kommerzialisierung – ja, einer Durchökonomisierung des Musikbusiness. Und die blieb nicht aus. Einige Schriftgelehrte des Woodstock-Mythos haben all die Lesarten und Legenden retrospektiv als eine von Drogen stark manipulierte Selbstermächtigung interpretiert. Als so etwas wie die Verabredung eines Kollektivs mit dem Weltgeist, in dem eine Gegenwelt zu sich selbst kam unter verstörenden hygienischen Bedingungen. Näher lag wahrscheinlich immer schon der Gedanke von der Geburt einer Gegenkultur aus dem Geist astreiner Musik – wie auch wir glaubten, vor fast 50 Jahren.

Anderthalb, zwei Jahre verbrachten wir, Schörschi und ich, jeden Mittag nach der Schule ein, zwei, vier Plattenseiten lang gemeinsam. Im Nebenzimmer lag quer auf dem Kleiderschrank eine Panzerfaust, die W., der älteste Bruder, vom Bund hatte mitgehen lassen. Im Türrahmen stand F. mit seinem enormen Afrolook oder M. in seiner echten Levis. Beide waren in ihrem bereits vorangeschrittenen Drogenstadium ein Grund, dass wir es übrigens gar nicht erst mit einem Joint versuchten.

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Die Schulfreundschaft mit Schörschi wurde welk noch vor dem Abitur. Ein Wiedersehen danach vielleicht noch zwei, drei Mal, einmal auf einem Flohmarkt, zwischen Kartons mit Platten, deren Cover süßlich rochen. Schörschi, auch wenn er äußerlich stark auf Michael Shrieve rauskam, wurde nie ein berühmter Drummer. G. starb, ohne 50 geworden zu sein.

Waleigh entwirft in Woodstock-Dokumentation eine Legende

Waleighs oscarprämierter, fast vier Stunden langer Woodstock-Film hat die Legende rund um die Welt versendet, das Gerücht von einer Gegenwelt, für drei Tage errichtet auf einem grünen Hügel, mit der Ouvertüre von Canned Heat: „Going up the Country“. Dieses Bild ist Waleigh immer wieder vorgeworfen worden, eine Imagebildung der Verklärung. Dabei ist es nicht geblieben, wie gern übersehen wurde. Denn tatsächlich endet seine Dokumentation, die eine Montage ist und sich nicht an die Chronologie hält, mit Bildern der Verwüstung, und die stammen dann vom Finale auf dem Festivalgelände – und dem Nachspiel, am Montagmorgen. Über eine Schlammwüste trug ein einsamer Mensch einen Regenbogenschirm. Jimi Hendrix, in seine Soli vertieft, zerschredderte die amerikanische Nationalhymne.

Schau dir das an.

Woodstock, der Epilog. Kids kratzen aus einer Melone Fruchtfleischfetzen. Ein Junge hat neben sich zwei Krücken im Schlamm liegen. Im Dreck Hippielumpen.

Man muss nicht dringesteckt haben, um diese Bilder zu verstehen. Ein Kid humpelt durch das Bild, ein Kid probiert zurückgelassene Latschen an. Kids als verantwortungsbewusste Säuberungstrupps. Fetzen landen im Feuer. Das letzte Bild ist eine Kamerafahrt, ein Schwenk aus einem Helikopter, ein Zeitlupenschwenk, wie über ein Schlachtfeld.

Apokalypse, schau!

Anyway, lassen wir die Sache mit einem Gedanken des amerikanischen Pop- und Rock-Historikers Greil Marcus ausklingen. Marcus sprach davon, dass die Umstände, unter denen auch Woodstock über die Bühne ging – und auf diese Bühne passten immerhin eine halbe Million Menschen, weiterhin plagten wie ein Phantomschmerz.

Was ist auf den grünen Wiesen von Woodstock amputiert worden, was auf dem Feld der Hippieehre zurückgelassen worden?

Leute, sagt nicht, dass diese Frage nicht weiterhin juckte.

Hippie-Festivals

Das Festival Woodstock stand unter dem Motto „Three Days of Peace & Music“, lief aber tatsächlich vom 15. bis in die Morgenstunden des 18. August 1969, als Jimi Hendrix spielte. Sein Auftritt geriet zum aufwühlenden Finale, weil er – wohl als Kritik am Krieg in Vietnam – die Nationalhymne der USA in einem erbarmungslosen Gitarrensolo zerlegte und neu zusammensetzte. Woodstock war der Höhepunkt der Open-Air-Konzerte der Hippies.

Ein Revival von Woodstock gab es zum 40-Jährigen 2009. Ob dieses globale Medienspektakel besser war als die spontane Zusammenkunft von 20 000 Fans zum 20-Jährigen 1989? Jedenfalls ist das Bemühen, ein weiteres Festival zum 50. Jahrestag in diesen Tagen wiederaufleben zu lassen, kurzfristig gescheitert.

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