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Was im Kino ein Erfolg war, hat auch im  Fernsehen eine Chance auf hohe Quoten.
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Was im Kino ein Erfolg war, hat auch im Fernsehen eine Chance auf hohe Quoten.

Fernsehprogramm

"Wir lieben Kino"

Die TV-Sender bekennen sich eindeutig zum Spielfilm - trotz drastisch gesunkener Zahlen.

Von TILMANN P. GANGLOFF

Die Tendenz ist offenkundig: Anders als noch vor zehn, fünfzehn Jahren hat die Bedeutung von Kinospielfilmen für die Vollprogramme abgenommen. Vielleicht nicht qualitativ, weil die Fernsehpremieren gerade namhafter Hollywood-Produktionen nach wie vor prominent präsentiert und entsprechend vermarktet werden; aber in jedem Fall quantitativ. Seit Mitte der neunziger haben die Sender ihre Spielfilmsendeplätze zur Hauptsendezeit drastisch reduziert; RTL um rund ein Drittel, ZDF und ProSieben um fast die Hälfte, das Erste und Vox um weit über die Hälfte, Sat.1 gar um fast zwei Drittel.

Ein entscheidender Faktor für diese Entwicklung dürfte die Erweiterung der Auswertungskette sein. Die DVD spielt heute eine ganz andere Rolle als der Videoverleih in den Neunzigern. Norbert Himmler, Leiter des ZDF-Programmbereichs Spielfilm, hat dennoch seine Zweifel daran, dass die Ausstrahlung von Kinofilmen darunter leidet: "Beim Discounter gab es die DVD zu ,Herr der Ringe' zum Schnäppchenpreis, aber bei der Ausstrahlung hatten wir trotzdem bis zu 25 Prozent Marktanteile bei den 14- bis 49-Jährigen."

Auch die Möglichkeit, Filme etwa bei Premiere oder bei Maxdome abzurufen, hat die TV-Auswertung Himmler zufolge bislang nicht spürbar beeinträchtigt. Tele-5-Geschäftsführer Kai Blasberg hält die Bedeutung des VoD ohnehin für überschätzt: "Fernsehen ist ein unmittelbares Medium. Sie schalten ein und sehen zu. Bei den Alternativmöglichkeiten brauchen Sie erst einen Plan - Was will ich sehen? - und dann irre viel Geduld, um sich einen Film runterzuladen. Wir sind felsenfest von der Strahlkraft linearen Fernsehens überzeugt. Darum machen wir es auch."

Auch RTL-Chefeinkäufer Dirk Schweitzer widerspricht der These, Spielfilme hätten ihre Bedeutung für TV-Sender verloren: "Sie gehören nach wie vor zu den wichtigsten Programmformaten und sind nicht nur beim Zuschauer, sondern auch bei Werbekunden gefragt. Free-TV-Premieren können immer noch ein Ereignis sein. Das gilt vor allem für die großen Feiertagspremieren."

Frank Schnelle, Leiter Lizenzprogramme bei Sat.1, schränkt immerhin ein, dass "einzelne Mega-Blockbuster nach großem Kino- und DVD-Erfolg bei einem Publikum zwischen 14 und 49 Jahren nicht garantiert Spitzenquoten oberhalb der 40 Prozent erzielen". Dafür schnitten Filme wie "Das Schwiegermonster" oder "Wedding Date", die im Kino und auf DVD nur mittelmäßige Zuschauerzahlen hatten oder bloß als DVD-Premieren erschienen sind, heute besser ab: "Sie profitieren als gefühlte Neuheiten von der TV-Ausstrahlung."

Allein Jürgen Knoop, Sprecher der für den Lizenzeinkauf der ARD zuständigen Tochterfirma Degeto, räumt ein, dass der Stellenwert der Spielfilme im Fernsehen abgenommen habe: eben wegen ihrer "geradezu flächendeckenden Verfügbarkeit, nicht nur im Kino, sondern auch auf DVD-Wühltischen und unzähligen Kanälen der schönen neuen digitalen Fernsehwelt. Die Zahl der Kinofilme, die in der Lage sind, bei ihrer Free-TV-Premiere wirklich Aufsehen zu erregen, ist sehr überschaubar." Das Potenzial dafür habe allein die Oberliga mit James Bond, Harry Potter und "Der Herr der Ringe" oder aus deutscher Produktion Filme wie "Die Buddenbrooks" oder "Der Baader-Meinhof-Komplex". Für Spitzenfilme dieser Art verlangen Rechtehändler allerdings auch Spitzenpreise.

Filme aus Europa wären deutlich preiswerter, kommen aber nicht in Frage: Weil sie laut Dirk Schweizer "bei einem jüngeren Publikum bis auf sehr wenige Ausnahmen nur geringe Quoten liefern. Es gibt kaum Schauspieler im europäischen Ausland, die die Aura von Hollywood-Stars besitzen, die Erzählweise und Bildsprache ist eine völlig andere und die Budgets liegen in der Regel weit unter denen amerikanischer Filme." Frank Schnelle argumentiert für Sat.1 ganz ähnlich: "Die meisten Filme aus dem europäischen Ausland stoßen auf dem deutschen TV-Markt auf das gleiche geringe Publikumsinteresse wie im Kino. Von seltenen Ausnahmen wie etwa den britischen ,Kalender Girls' oder den Asterix-Komödien abgesehen sind damit in der Primetime nur selten Quotenerfolge zu erzielen."

Während das Erste selbst Festival-Erfolge oft erst in der Nacht versendet, will Himmler für das ZDF im Herbst um 22.15 Uhr einen "Filmfestival"-Termin für renommierte Produktionen auch aus Europa etablieren; selbst wenn er weiß, dass diese Filme gemessen an Hollywood-Blockbustern nicht konkurrenzfähig sein können. Mit dem "Montagskino" ist er allerdings zufrieden; hier laufen auch europäische Produktionen (etwa von der britischen BBC oder französisches Action-Kino), die man qualitativ durchaus an Hollywood-Filmen messen könne, die aber deutlich preiswerter seien. Die erotische Reihe "Sommernachtsfantasien" enthält zudem immer wieder skandinavische Filme.

Bei ProSieben sorgte ein deutscher Kinofilm sogar für die besten Zuschauerzahlen in der Sendergeschichte: Michael "Bully" Herbigs Wildwest-Komödie und Karl-May-Parodie "Der Schuh des Manitu" hatte 2003 12 Millionen Zuschauer.

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