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Am Morgen des 2. Januar (einem Donnerstag) Margaret Mitchells Roman „Vom Wind verweht“ kaufen und sodann vier, fünf Tage auf dem Sofa liegen und ihn durchlesen.

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Wind

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„Vom Winde verweht“ wird neu übersetzt und heißt künftig „Vom Wind verweht“. Das wirft Fragen auf.

Abteilungsleiter sollten sich darauf einstellen, dass Anfang Januar 2020 auch Angestellte werden freinehmen wollen, die sich nicht für Wintersportaktivitäten interessieren. Abteilungsleiterinnen haben sich bereits freigenommen, da haben die Angestellten halt Pech gehabt. Statt Ski zu laufen oder ins Büro zu gehen, werden sich alle jene, die kurzum vorausgeschaut haben, am Morgen des 2. Januar (einem Donnerstag) Margaret Mitchells Roman „Vom Wind verweht“ kaufen und sodann vier, fünf Tage auf dem Sofa liegen und ihn durchlesen.

Hier tun sich nun einige Fragen auf. Die FR versucht im Folgenden die wichtigsten zu beantworten.

Wo um alles in der Welt ist das E geblieben?

Hierbei handelt es sich um eine Entscheidung des Kunstmann Verlags, der Mitchells Bestseller von 1936 in einer aufwendigen Neuübersetzung präsentiert, die nach Verlagsangaben erstens vollständiger ist als alle bisherigen, nämlich erstmals völlig vollständig („ca. 1400 Seiten“) und zweitens von Andreas Nohl und Liat Himmelheber übersetzt wurde.

Ja, und?

Nun, eine Übersetzung von Andreas Nohl wäre aufs Geratewohl selbst dann zu empfehlen, wenn der Titel „Vom Wnd verweht“ lautete. Seine genialen (gescheiten, gewandten, unverblümten) Übersetzungen von „Tom Sawyer & Huckleberry Finn“ oder von der „Schatzinsel“ berechtigen zu so kühnen Aussagen. Auf Andreas Nohls Übersetzungen kann man sich zu hundert Prozent verlassen. Als Koübersetzerin für „Vom Wind verweht“ ist Liat Himmelheber genannt, seine Frau. Ist das nicht romantisch?

Aber was hat das mit dem E zu tun?

Nichts, aber je häufiger man „Vom Wind verweht“ schreibt, desto selbstverständlicher und schnittiger kommt es einem vor.

Ist die FR etwa für die restlose Tilgung des Dativ-Es?

Nein, verdammt, natürlich nicht.

Warum sollten sich Abteilungsleiter nicht selbst für, hm, „Vom Wind verweht“ interessieren und freinehmen?

Diese Frage ist allzu berechtigt. Es ist ein Stereotyp, dass „Vom Wind verweht“ ein Frauenbuch ist, auch Männer lesen bestimmt mit großer Begeisterung „Vom Wind verweht“. Vermutlich heulen sie bloß nicht so laut.

Wird die neue Übersetzung die Chancen für Rhett Butler und Scarlett O’Hara verbessern?

Morgen auf Tara werde ich darüber nachdenken.

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