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Im RBB-Programm gibt es keinen Kahlschlag, aber einen kräftigen Schnitt.

Programmreform beim RBB

Wieder mehr Ulli Zelle

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg baut sein Fernsehprogramm um und will mit aller Macht näher an die Zuschauer herankommen. Betroffen ist insbesondere der Abend ab 20.15 Uhr. Aber hat der Sender für Neues, Eigenproduziertes überhaupt das nötige Geld?

Von Ulrike Simon

Der RBB reformiert sein Fernsehprogramm. Neue Formate sollen entstehen, bestehende gekürzt oder, wie der politische Talk „Klipp & Klar“, ganz gestrichen werden. Ziel sei es, eine Struktur zu schaffen, die klar und verlässlich ist, sagt Programmchefin Claudia Nothelle im Gespräch mit dieser Zeitung. Betroffen ist insbesondere das Hauptprogramm am Abend ab 20.15 Uhr: „Der Zuschauer soll wissen, an welchem Tag er was zu sehen bekommt.“

Es ist die Reaktion auf die seit mehr als einem Jahr andauernde Quotenschwäche. 2011 war das RBB-Fernsehen mit durchschnittlich 6,1 Prozent Marktanteil das von allen ARD-Dritten in ihren jeweiligen Sendegebieten am wenigsten gesehene. Woran es lag, vermochte Nothelle noch im Dezember nicht zu sagen. Mittlerweile ist der Marktanteil weiter gesunken auf nunmehr 6 Prozent.

Der Handlungsbedarf ist dem RBB bewusst. Das Programm braucht mehr Esprit, eine andere Tonalität. „Wir haben uns detailliert mit der Frage beschäftigt, was sich die Zuschauer bei uns wünschen, welche Interessen sie haben und welche Erwartungen sie an uns stellen“, sagt Nothelle.

Das neue Programmschema wird mit dem Ende der Sommerferien, am 13. August, in Kraft treten. Jeder Abend wird einen anderen Schwerpunkt setzen: Am Montag ist es wie bisher das Wissensmagazin „Ozon“ mit anschließendem Krimi, am Dienstag die aktuelle Dokumentation. Mittwochs klafft noch eine Lücke, die es zu füllen gilt. An diesem Tag widmet sich der RBB der Gesundheit sowie Verbraucher- und Servicethemen, wobei das von der Politik geprägte „Klartext“ und das wirtschaftsorientierte „WAS“ im Wechsel und jeweils von 45 auf 30 Minuten gekürzt senden.

Die größte Hoffnung verbindet Nothelle mit dem Donnerstag, an dem nach der Kultursendung „Stilbruch“ Platz geschaffen wird für neue, innovative Formate. Der Freitag bietet regionale Unterhaltung mit Sendungen wie Michael Kesslers „Expeditionen“, „Der Sonne entgegen“, Dieter Moors „Bauer sucht Kultur“ sowie dem neuen, ebenfalls von Moor präsentierten Format „Bauer sucht Koch“.

Am frühen Sonnabend will der RBB einer regionalen Reportage einen festen Sendeplatz zuweisen und nach „rbb aktuell“ wie gewohnt im Wechsel die Talkshow „Dickes B.“ mit Jörg Thadeusz und „Im Palais“ mit Dieter Moor ausstrahlen. Am frühen Sonntagabend schließlich werden sich „Theodor“ aus Cottbus und Frankfurt sowie das deutsch-polnische „Kowalski & Schmidt“ abwechseln, danach folgt nun wöchentlich die Kriminalreihe „Täter, Opfer, Polizei“.

Nothelles Herausforderung besteht darin, ein Programm zu schaffen, das nicht nur dann geschaut wird, wenn es regionale Informationssendungen sendet, also zwischen 18 und 20 Uhr („zibb“, „Abendschau“, „Brandenburg aktuell“), und sich trotzdem nicht dem Massengeschmack anbiedert. „Wir wollen noch mehr von dem zeigen, was Berlin und Brandenburg in Sachen Unterhaltung, Kultur, Szene und Dokumentation bewegt – und damit nach 20 Uhr für unser Publikum attraktiver werden“.

Der Hauptabend ist das Problem: „Hier brauchen wir ein Programm, das nicht nur schwere Kost, sondern auch Entspannung bietet. Das kann eine gut erzählte Dokumentation genau wie ein ,Tatort‘ sein.“

Aber hat der RBB für Neues, Eigenproduziertes überhaupt das nötige Geld? Nothelle sagt, „es geht nicht immer nur ums Geld. Es geht vor allem um Ideen und auch darum, einen Sendeplatz zu haben, auf dem wir diese Ideen umsetzen und ausprobieren.“ Dieser „Innovationsplatz“ wird der Donnerstagabend sein. Dort könnte etwas aus der Musikszene geboten werden, auch eine von Radio Fritz ausprobierte Videoshow ist denkbar.

Zu den großen Verlierern der Reform gehören neben der Verbrauchersendung „Die Jury hilft“ vor allem „Klipp & Klar“. Doch der Politik-Talk blieb auch mit dem erst kürzlich eingewechselten Radioeins- Moderator Marco Seiffert unter den Erwartungen. Am Dienstag erzielte die Sendung gerade mal 4,7 Prozent. Nothelle glaubt, der Grund sei, dass die Zuschauer bereits von der ARD mit Talkshows „ausreichend bedient“ würden. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir mit unseren Themen und Gästen das Publikum nur schwer erreichen. Deshalb setzen wir am Dienstag verstärkt auf Dokumentationen aus der Region.“ Trotzdem werde es politischen Talk weiterhin geben, aber nur, „wenn die Aktualität das erforderlich macht“.

Das klingt nach mehr Ulli Zelle als Marco Seiffert. „Wir sind beides“, antwortet Nothelle. „Diesen Spagat müssen wir bewältigen, auch wenn wir nie alle gleichermaßen erreichen werden“. Doch sei Seiffert eine Entdeckung fürs Fernsehen. „Deshalb werden wir mit ihm Gespräche führen, wie und wo wir ihn künftig im Programm einsetzen.“

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