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Der perfekt vermessene Mensch? Eher mittelmäßig bezahlter Student als Android-Männchen.
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Der perfekt vermessene Mensch? Eher mittelmäßig bezahlter Student als Android-Männchen.

Selbstvermessung

Vom Wert eines Herzschlags

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Vernetzte Geräte liefern begehrte Daten. Armbänder warnen, wann der Träger zu viel Sonne abbekommen hat, Kopfhörer messen die Sauerstoffaufnahme, Scanner geben Auskunft über Allergene, Chemikalien, Nährstoffe und Kalorien in Nahrungsmitteln.

Am Sony-Stand werden sie wie Schmuckstücke in einer Vitrine präsentiert. Es gibt sie in buntem Kunststoff, aber auch in Leder und mit funkelnden Steinchen. Sony nennt sie „Smartband“. Der chinesische Mobilfunkhersteller Huawei hat sie „Talkband“ und Samsung „Gear Fit“ getauft. In diesem Jahr sind digitale Armbänder überall auf der Mobilfunkmesse in Barcelona zu sehen. Es handelt sich um Fitnesstracker – Geräte, die den Nutzer auf Schritt und Tritt und auch im Schlaf begleiten. Sie messen die zurückgelegten Schritte, errechnen daraus den Kalorienverbrauch und können angeblich feststellen, ob der Nutzer gut oder schlecht schläft. Fitnesstracker sind in den USA und in Großbritannien das, was Analysten einen Megatrend nennen.

Die US-Firma Jawbone zählte zu den Pionieren. Nike hat inzwischen die zweite Version seines „Fuelband“ auf den Markt gebracht. Die Tracker industrialisieren die Ideen der Quantified-Self-Bewegung. Das sind Menschen, die permanent Daten über sich sammeln. Ihr Ziel: gesünder leben, fitter werden.

Tracker werden zu Mode-Accessories

Jetzt kommen die Mobilfunkhersteller als Trendverstärker hinzu, die die Tracker zugleich zu Mode-Accessoires machen. Das war erwartbar. Denn erstens ist der Verkauf der Hardware ein lukratives Geschäft. Die Preise ab knapp 100 Euro pro Armband sind stolz. Zweitens wollen die Mobilfunker die Kunden stärker an eine Marke binden. Die neuen Fitnesstracker übermitteln die Daten mit konzerneigenen Technikstandards nur an die Smartphones desselben Herstellers. Das soll Kundenbindung erzeugen. Und drittens erzeugen die Kunden mit ihrer Selbstüberwachung detaillierte Datensätze über ihre Gewohnheiten, die auch auf den Servern der Firmen landen. Diese Informationen sind wertvoll für die Entwicklung weiterer Produkte und Dienstleistungen.

Samsungs Gear Fit mit seinem gebogenen Display zum Beispiel ist ein Pulsmesser. Es lässt sich als Laufuhr einsetzen. Auch der Musikplayer kann damit gesteuert werden. Das Gerät ist zudem dafür gemacht, die gesammelten Daten an Samsungs Fitness- und Gesundheits-App S-Health zu senden, die auf den Galaxy-Smartphones läuft. Hier kann der Nutzer unter anderem auch dokumentieren, was er an Nahrung zu sich nimmt.

Die Koreaner legen es darauf an, ein sogenanntes Öko-System zu bauen. Denn sie bieten zudem eine Personenwaage an, die das Gewicht des Nutzers drahtlos an das Smartphone überträgt. Während die reinen Fitnesstracker von Experten oft noch als Spielerei verspottet werden, beginnt es hier seriös zu werden.

Kassen wollen die Daten

Die Marktforschungsgesellschaft GfK sieht große Potenziale für vernetzte Waagen. Zwar sei ihr Marktanteil noch gering, aber der Absatz sei 2013 in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und in den Niederlanden um 88 Prozent gewachsen. „Verbraucher sind bereit, gegenüber herkömmlichen Modellen rund 100 Euro mehr für eine vernetzungsfähige Personenwaage auszugeben“, sagt GfK-Manager Udo Jansen. App und die Waage könnten bei ärztlich verordneten Abnehm-Kuren helfen. Die GfK jedenfalls rechnet mit einem Boom: „Das Jahr 2014 ist das Jahr der mobilen Gesundheit und der tragbaren Geräte“, so Jansen.

Insider gehen davon aus, dass auch Apple in den nächsten Monaten ein Gesundheitspaket auf den Markt bringen will. Zu Apps und Diensten könnte ein Gerät fürs Armband kommen – die schon vielfach beschworene I-Watch.

Die GfK rechnet damit, dass bald auch Blutdruckmessgeräte ins Repertoire der Mobile-Health-Anwendungen integriert werden. Zumal der Hightech-Verband Bitkom herausgefunden hat, dass „Vitalwerte messen“ zu den Diensten gehört, die mehr als ein Viertel der Internetnutzer künftig gerne mit dem Mobilfunkgerät erledigen will.

Dahinter stecken Entwicklungen, die tief in die Strukturen des Gesundheitswesens hineinreichen können: Wenn Verbraucher ihre Werte auf dem Smartphone dokumentieren, dann können sie sie auch dem Arzt schicken. So könnten sich Arztbesuche vermeiden lassen und Kosten sinken. Natürlich haben Krankenkassen großes Interesse an den individuellen Gesundheitsdaten der Menschen. So haben Kassen in den USA schon angekündigt, Informationen über Kunden künftig in großem Stil weiterzuverkaufen. Hierzulande ist das bisher undenkbar.

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