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Werner Schneyder (r.) mit dem Kollegen Dieter Hildebrandt, 1993.

Nachruf

Werner Schneyder: Bloß nicht festlegen lassen

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Der österreichische Kabarettist, Box-Schiedsrichter und Regisseur Werner Schneyder ist 82-jährig gestorben.

Im Ring war er eine stattliche Erscheinung. Den neben ihm im Tunnelblick agierenden Kampfsportlern flößte er wohl schon durch seine beachtliche Größe und seine unbedingte Leidenschaft für den Boxsport Respekt ein. Zur körperlichen Wendigkeit kam eine rhetorische Schlagfertigkeit hinzu, die ihn auch jenseits seines Hobbys als Ringrichter für den Amateurboxsport zu einem Mann der Arena machte.

Er sei zwischen Fußballplatz und Theater aufgewachsen, hat der 1937 in Graz geborene Werner Schneyer einmal gesagt, und den beiden Tätigkeitsfeldern blieb er später in der einen oder anderen Form immer verbunden. Während er an einer zeitungswissenschaftlichen Promotion arbeitete, schrieb er zum Broterwerb Texte für die Werbung, widmete sich aber auch Theaterstücken und zahlreichen Liedtexten. Bereits als Schüler war er als Barsänger in Erscheinung getreten. Werner Schneyder schrieb Songs für die zwischenzeitlich sehr populäre österreichische Chansonsängerin Marianne Mendt, und für die Schauspielerin Erika Pluhar dramatisierte er deren Roman „Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?“.

Seine Popularität in Deutschland verlief aber vor allem über die Zusammenarbeit mit dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt, der nach der legendären Auflösung der Münchner Lach- und Schießgesellschaft im Jahr 1972 nach neuen Wegen jenseits des Ensemblekabaretts suchte. Hierzulande wurde Schneyder zunächst als Sidekick zu Hildebrandt wahrgenommen, aber schon bald reüssierte er in eigenständigen Formaten.

Ab Mitte der siebziger Jahre moderierte Schneyder für einige Zeit das Aktuelle Sportstudio im ZDF, und später wurde er auch wiederholt als Boxkommentator bei Übertragungen von den Olympischen Spielen eingesetzt. Bloß nicht festlegen lassen, schien seine berufliche Devise zu sein. Das habe oft auch zu Irritationen geführt, verriet Schneyder 2009 in einem Gespräch der „Berliner Zeitung“. „Das hängt mit dem deutschsprachigen Raum zusammen. Da wird schnell resigniert, wenn einer mehrere Dinge macht. Wenn einer Boxen kommentiert, Operetten inszeniert, Kabarett spielt und jetzt auch noch Erzähler sein will, werden die Leute zornig.“

Der Zorn hielt sich allerdings in Grenzen, denn für fast alle seiner kreativen Energien fand Schneyder im Verlauf der Jahrzehnte neugierige Abnehmer, ein Publikum, das seine unermüdliche Lust am Fabulieren goutierte, in welcher Darstellungsart auch immer. Dass das nicht nur mit der Gegenwärtigkeit auf der Bühne zu tun hat, verriet er im genannten Interview ebenfalls. Zum guten Kabarett gehöre die unbedingte Bereitschaft, zu lesen. Wenn man sich auf die Bühne begebe, müsse man zuvor auch schon einmal eine ökonomische Analyse gelesen haben. Es sei nun einmal zu wenig, das Wort Managerversagen zu rufen, um die Leute damit zum Lachen zu bringen.

Als Schriftsteller widmete sich Werner Schneyder auch ernsten Themen. Nach dem Tod seiner ersten Frau Ilse schrieb er 2008 das Buch „Krebs. Eine Nacherzählung“. Mehrfach setzte er sich mit seiner Rolle als Meinungsmacher auf der Bühne auseinander, darunter „Ich, Werner Schneyder: Meine zwölf Leben“. Am Wochenende ist er im Alter von 82 Jahren in seiner Wohnung in Wien gestorben.

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