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Thomas Gottschalk und sein Wett-Sofa als Tortenfiguren.
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Thomas Gottschalk und sein Wett-Sofa als Tortenfiguren.

TV-Shows

Wenn der Zeitgeist auf dem Sofa Platz nimmt

Die Formel für die große Samstagabendshow ist schon alt, muss aber immer neu ausgetestet werden.

Von Klaudia Wick

Streng genommen war die Fernsehshow schon ein alter Hut, als sie vor mehr als einem halben Jahrhundert den Bildschirm als Neuheit eroberte. Die ersten TV-Shows waren zuvor entweder als Radioquiz erfolgreich gewesen – wie Hans Joachim Kulenkampffs „Wer gegen wen?“. Oder die klassischen Dramaturgien der Varietérevue wurden als „Bunter Abend“ adaptiert und vor Saalpublikum aufgeführt wie „Ein Kessel Buntes“ drüben oder „Musik ist Trumpf“ hüben. Am besten funktionierte freilich schon immer eine Mischung aus beidem: Prominente Gäste zum Staunen und lustige Spiele zum Mitmachen.

Diese einfache Kombination dürfte auch „Wetten, dass...?“-Erfinder Frank Elstner vor mehr als dreißig Jahren im Kopf gehabt haben, und genau genommen hat sich daran bis heute nicht sonderlich viel verändert.

Die Tücke steckt auch bei der großen Samstagabendunterhaltung wie so oft im Detail: Wer für den Zuschauer ein interessanter Prominenter ist und an welchen Spielen das Publikum Vergnügen findet, ist dem Zeitgeist geschuldet. So konnte RTL Anfang der 90er-Jahre gegen die etablierten öffentlich-rechtlichen Spielshowformate auftrumpfen, indem Shows wie „Die 100?000 Mark Show“ (mit Ulla Kock am Brink) einfach einen für damalige Zeiten sensationell hohen Spielgewinn ins Zentrum der Gameshow stellten. Oder die Spiele waren nur noch ein Vorwand für die Inszenierung eines pompösen Finales wie in der „RTL Traumhochzeit“ (mit Linda de Mol).

Show statt Wettkampf

Als diese postmodernen Show-Varianten das Publikum anzogen wie das Licht die Motten, hatte „Wetten, dass...?“ gerade einen einschneidenden Skandal hinter sich: Der „Titanic“-Autor Bernd Fritz hatte sich unter falschem Namen in die Show eingeschleust und war mit seiner Behauptung, Buntstifte an ihrem Geschmack zu erkennen, in die Livesendung vorgedrungen. Dass er die Wette nur gewinnen konnte, weil die Redaktion seine Augenbinde – eine Skibrille – nicht auf Blickdichtheit geprüft hatte, verwies aufs Unangenehmste darauf, dass auch die bei „Wetten, dass ..?“ längst nicht mehr der faire Wettkampf, sondern (nur noch?) die perfekte Show im Vordergrund stand. Cher oder Sarah Connor kamen mit einem Hauch von Nichts bekleidet auf die Bühne – und solche Hingucker-Auftritte waren dann den Sonntagszeitungen noch so manche Schlagzeile wert.

Interessanterweise besann sich der Langläufer „Wetten, dass ..?“ ausgerechnet in einer Zeit wieder mehr auf den Schauwert seiner Wettspiele, als in den Nullerjahren eine andere Showidee sich anschickte, den „Bunten Abend“ von einst für eine junge Zielgruppe neu zu erfinden. Im Formatkern ist „Deutschland sucht den Superstar“ (seit 2002) eine klassische Musikshow mit Nummerndramaturgie. Schon weiland die „ZDF-Hitparade“ hatte ihr Publikum per Post-Stimmkarte (später per Televoting) über die Rangfolge der Interpreten abstimmen lassen. Die Dramaturgie der Castingshow kombinierte nun aber die Idee der Talentshow mit der wachsenden Lust des jungen, mit dem Fernsehen aufgewachsenen Publikums, einmal selbst im Fernsehen aufzutreten.

Ruhm für eine Nacht

Diesen Ruhm für eine Nacht hatte es in der ersten Phase von „Wetten, dass ..?“ übrigens auch schon gegeben: der sogenannte Saalkandidat, dessen Wette Moderator Frank Elstner angenommen hatte, durfte auf dem Sofa neben den großen Stars Platz nehmen. In der Showdramaturgie aber hatte der No-Name-Teilnehmer keine weitere Funktion, weswegen das ZDF den Besuch auf dem Star-Sofa relativ schnell wieder abschaffte.

Neue große Samstagabendshows sind meist modische Kombinationen aus alten Ideen. Es ist nur seit dem Start von „Wetten, dass ..?“ so viel schwieriger geworden, eine Show für alle anzubieten. Das Zielgruppenfernsehen macht in anderen Genres wie zum Beispiel der Serie seit langem sehr spezifische Angebote: Für die Jungen die Daily Soaps, für die Alten die Telenovelas. Für alle dazwischen die Krimis. „Wetten, dass ..?“ teilt insofern mit dem „Tatort“ das Glück, sehr früh in der Fernsehgeschichte eine so große und generationsumfassende Publikumsgemeinde an sich gebunden zu haben, so dass nun zur Attraktivität des Angebots die Gewohnheit kommt, diese Sendung zu sehen.

Wer sich einmal als Fritzchen an Heidi Klum oder Dieter Bohlen, an Thomas Gottschalk oder an Günther Jauch gewöhnt hat, wird ihnen auch als Fritz gerne in den Unterhaltungs-Feierabend folgen. Das zumindest ist die Theorie. In der Praxis bleibt die spezifische Melange aus Ritual und Sensation eine Erfolgsformel, an der Unterhaltungsmacher bis heute herumknobeln.

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