Wenn Krähen krähen

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Arte bietet "Europas Erbe: Die großen Dramatiker" als Jahrmarkt der Plattheiten

Muss das sein? Da will der unter dem Etikett "Kultursender" firmierende Kanal Arte "Die großen Dramatiker" vorstellen - und macht eine Hitparade daraus. Geht es nicht mehr ohne Superlativ, Rekord und Bestenliste? Offenbar glaubt man, nur so das Publikum für Historisches erwärmen zu können.

Schon zum Auftakt am vergangenen Samstag stellten Dieter Moor und Emmanuelle Galabru in einem anderhalbstündigen Trailer marktschreierisch die zwölfteilige Reihe vor - wobei bereits ohne erkennbaren Grund Dramatiker mit einer Platzierung versehen worden waren, die zwar eine Nummer, aber weder Sinn noch Verstand hatte.

"Erfolgreichster Drehbuchautor"

Mit den 45-minütigen Einzelporträts geht es nun geradeso weiter. Heute ist Shakespeare dran, und das Prinzip, die Dichter auf einem Jahrmarkt der Plattheiten zu präsentieren, nach dem Motto: Schaut her, das ist das wunderbare Theatertier! wird beibehalten.

Selbstredend muss der Engländer mit einer Spitzenleistung eingeführt werden: "der erfolgreichste Drehbuchautor der Welt!" Ohnehin wird hier immer wieder die Bühne ans Kino verraten. Und obwohl es doch auch um Theatergeschichte geht, werden Werke von Shakespeares Zeitgenossen Christopher Marlowe ("Doctor Faustus", Edward II") und Ben Jonson ("Volpone") nicht mal genannt.

In eine Dreiviertelstunde passt nun mal kein Dramatikerleben, auch wenn man kaum etwas über den Mann aus Stratford-upon-Avon weiß - was zwar erwähnt, aber dann fröhlich ignoriert wird. So darf Marianne Faithfull, die als Promi durch die Szenen-Schnipsel führt, einen Unsinn nach dem anderen von sich geben: Sätze wie "Er wollte Spaß haben" hätte eine seriöse Redaktion nie durchgehen lassen dürfen.

Wo bleibt das Positive? Es findet sich in einigen wenigen Szenen von Bühnenaufführungen oder in dem Satz, den Gert Voss von Peter Brook gehört hat, nachdem bei Shakespeare immer "ein Schatten auf den Spielenden" falle. Und ein Zitat aus dem Sommernachtstraum liefert das Motto für diesen Beitrag: "Wer will die Taube für die Krähe geben?". Was gäben wir, in diesem Sinne, für eine gute Shakespeare-Inszenierung statt dieses Zirkus'.

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