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Johanna Schall als Konigunde von Thureck in "Das Kätchen von Heilbronn" bei den Bad Hersfelder Festspielen.
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Johanna Schall als Konigunde von Thureck in "Das Kätchen von Heilbronn" bei den Bad Hersfelder Festspielen.

Käthchen in Bad Hersfeld

Wenn der Cherubim sich ärgert

Nicht bloß witzig, sondern pointiert: Johanna Schalls Inszenierung von Kleists Käthchen für die Bad Hersfelder Festspiele. Und Cherubim hat einen sehr menschlichen Zug. Von Judith von Sternburg

Das Ausgeflippte ist Kleists "Käthchen von Heilbronn" mindestens so sehr eingeschrieben wie das Vertraue!- und das Ich-bin-mir-sicher!-Mantra. Und Johanna Schalls Inszenierung für die Bad Hersfelder Festspiele ist nicht banal, bloß weil sie Witz hat, ein vor Glück tanzendes Käthchen, Schießbudenfiguren als Soldaten und einen Cherubim, der vor Wut gegen eine Mauer der Stiftsruine tritt. Ein menschlich sympathischer Zug.

Johanna Schalls Inszenierung ist also nicht banal, sondern lediglich anders. So wie ihre (von ihr selbst gespielte) Kunigunde von Turneck anders ist. Nach der Grotten-Szene - hier eine Swimmingpool-Pantomime - erweist sie sich unterm "Ha" und "Huch" des Publikums als Hermaphrodit oder Mann mit Weibskopf oder etwas in der Art. Das ist ja ein Ding. Den Abend überlebt sie nicht, anders als bei Kleist, der sie fluchend ihrer Wege ziehen lässt. Diesmal werden die Männer sie erschlagen. So eine Frau, nicht nur künstlich zusammengesetzt, sondern nicht mal eine Frau, das halten sie nicht aus.

Denn Schalls Griff nach dem Käthchen ist nicht bloß witzig, sondern auch pointiert. Schall und Sonja Hilberger als ihre Rosalie sind Luder, die den Damen aus "Dallas" das Wasser abgraben würden. Unter den Kriegsleuten wirken sie wie Menschen aus der Zukunft oder einer anderen Welt, in der man sich schick kleidet und sein Schicksal in die Hand nimmt. Claudia Graue ist das bodenständigste aller denkbaren Käthchen. Auch im somnambulen Zustand platzt sie vor Lebhaftigkeit. Ob das Raubein von Strahl, Robert Gallinowski, so etwas verdient hat, weiß man nicht. Am Ende weiß sie es auch nicht mehr.

Der Abend ist textlastig genug, um Kleists Vergnügen an Grammatik und der Balance zwischen Geschwätz und Poesie Geltung zu verschaffen, aber zugleich immer in Bewegung. Das liegt nicht zuletzt an der schräggestellten Drehscheibe (Bühne: Horst Vogelgesang). Sie schraubt sich auf und ab nach Kräften der in ihr schuftenden Männer (wie sich beim langen Schlussbeifall zeigt).

Auch Pyrotechnik kommt zum Einsatz. Und von der Seite spielt ein durchtriebener Cellist einen Teil der Musik ein. Einen Teil der Nebenfiguren wiederum spielt ein Pärchen, das wirkt, als hätte sich Regisseurin Schall Vladimir und Estragon aus Becketts "Warten auf Godot" engagiert. Nun tanzen sie und sind heiter. Ihr Leben wäre in der Tat viel angenehmer verlaufen, wenn es sie in ein Stück mit mehr Handlung verschlagen hätte.

Bad Hersfelder Festspiele: Vorstellungen bis 30. Juli. www.bad-hersfelder-festspiele.de

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