Burgfestspiele Bad Vilbel

Na so was, drei blitzsaubere Overalls

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Die Burgfestspiele in Bad Vilbel starten etwas halbgar, aber reinlich mit der musikalischen Komödie "Die Drei von der Tankstelle".

Man kann kaum glauben, dass „Die Drei von der Tankstelle“, der berühmte Film von 1930 mit Heinz Rühmann, Lilian Harvey, Willy Fritsch, das Missfallen der Nationalsozialisten dermaßen erregte, dass die Oberprüfstelle ihn 1937 noch verbot. Neben der Mitwirkung jüdischer Künstler soll der Hauptgrund dafür gewesen sein, dass die drei Freunde aus einem dreimonatigen Urlaub kommen, bankrott sind, und die Notwendigkeit einer Arbeitsaufnahme folgendermaßen besingen: „Wir haben die Arbeit nur von weitem geseh’n / und auch von weitem war sie nicht schön“.

Heute darf die Faulheit umso mehr besungen werden, da doch eher wenig Gefahr besteht, Arbeitnehmer könnten sich ein Beispiel nehmen. Eine erkleckliche Zahl von ihnen (plus Menschen, die altersmäßig näher an der Filmpremiere dran sind) sitzt am verregneten Mittwochabend in der Bad Vilbeler Burg, um sich die erste Abendpremiere der Freiluftsaison anzusehen: „Die Drei von der Tankstelle“.

Diese niedliche kleine Tankstelle

Nachdem allerlei gepfändeter Krams von der Bühne entfernt ist – „Lieber, guter Herr Gerichtsvollzieher“ –, kommt eine niedliche kleine Tankstelle zum Vorschein (Ausstattung: Doris Engel), hinter der, wie praktisch, drei blitzsaubere Overalls hängen. Aber ja, die Geschichte vom Aufstieg der drei Nichtstuer in die Chefetage ist eigentlich ein Märchen. Freilich wird unter der Regie Adelheid Müthers auf den Jux noch manche Albernheit draufgesetzt, sollen kleine Erich-Kästner-Texte andererseits ein wenig Ernsthaftigkeit schaffen. Ein rätselhafter „Zylindermann“ (Andreas Krämer) schlendert dafür durchs Stück.

Das Bad Vilbeler Sommer-Ensemble muss aus Alleskönnern bestehen, auch Kindertheater ist mittlerweile dabei. So ist vielleicht nicht verwunderlich, dass das Tankstellen-Trio (Tilmar Kuhn als Willi, Stefan Schuster als Kurt, Till Frühwald als Hans) besser spielt und tanzt als singt. Elinor Eidt hat als angebetete Lilian stimmlich die Nase vorn. Anna Schönberg ist als Edith dadurch gehandikapt, dass sie ungefähr alle drei Sekunden den Kopf weit zurückwerfen und lauthals und grundlos lachen muss.

Nach der Pause nimmt die Sache immerhin Fahrt auf, gefallen die drei Direktoren-Dilettanten (Lilians Papa muss alle engagieren) durch fabelhafte Frechheit und den Einsatz einer wunderbaren alten Schreibmaschine.

Burgfestspiele Bad Vilbel: bis 30. August. www.kultur-bad-vilbel.de         

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