Schulzzug

Vollgas mit dem "Schulzzug"

  • Serena Bilanceri
    vonSerena Bilanceri
    schließen

Mit Vollgas gegen politische Gegner: So zieht der Zug des Kanzlerkandidat Martin Schulz beim Onlinespiel "Schulzzug" in das Bundeskanzleramt. Nach Kritik soll das Spiel entschärft werden.

Die Grafik erinnert an die Videospiele der 90er Jahre. Die Idee dahinter ist einfach: Wenn der „Schulzzug“ einmal in Fahrt ist, kann der Spieler nicht mehr bremsen. So müssen etwaige Hindernisse umgegangen oder überfahren werden. Eine Mauer, eine Schranke - oder eben die Rechtspopulistin Frauke Petry und den US-Präsidenten Donald Trump. Sogar ein halbnackter Wladimir Putin auf russischem Bär stellt sich dem Zug entgegen.

Mit einem Europastern gewinnt der Lokführer an Kraft und kann damit seine Gegner aus dem Weg räumen. „Bremsenloser Spielspaß!“ verspricht die Anleitung des Videogames. Fürs Überfahren der Gegner erhält der Spieler „Schulzcoins“. Damit könne er „einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten.“ In der Tat wird der Spieler immer wieder gefragt, was er mit seiner virtuellen Währung machen möchte. Investieren kann man in die Europäische Union, Bildung, Kranken- oder Rentenversicherung. Geizig darf man nicht sein: Wer diese Option wählt, wird immer wieder dazu aufgefordert, sein Geld auszugeben.

Goal. #SPDHack pic.twitter.com/brbj0taS1D

— Schulzzug Durchsage (@schulzzug)

5. März 2017

Doch Vorsicht sei geboten: „Fiese Populisten versuchen dir mit ihren rückwärtsgewandten, beschränkten und mauerorientierten Ideologien den Weg zu versperren“, setzt die Anleitung fort. Es gelte, umfahren oder überfahren. Ab und zu tritt Frauke Petry plötzlich neben einem Baum an den Seiten der Gleise hervor. Das Spiel ist während eines „Hackathon“ entstanden. Sechs Entwickler haben an der Idee gearbeitet.

Blut ist in dem Spiel nicht zu sehen, allerdings erinnert die Idee an das oftmals in die Kritik geratene Videospiel „Grand Theft Auto“, in dem die Spieler Hindernisse umgehen oder einfach überfahren können. Doch zu ernst sei das Spiel nicht zu nehmen, meint Henning Tillmann vom SPD-nahen Verein D64, der den Hackathon organisiert hatte. „Ich denke, dass das alles mit gewisser Ironie zu sehen ist“, erklärt er gegenüber dem Berliner Morgenpost. Ein SPD-Sprecher teilt telefonisch mit, dass das Spiel von privaten Programmierern entwickelt wurde und die SPD damit nichts zu tun habe. Man habe die entsprechenden Urheber heute gebeten, das Spiel zu „entschärfen“. Jetzt darf man keine Menschen mehr überrollen.

40 Programmierer wurden zum #SPDHack eingeladen, entstanden sind eine Reihe von digitalen Produkten, die Schulz bei der Wahlkampagne in der digitalen Welt helfen sollen. Damit sollten auch digitalaffine Wähler begeistert werden. Power Stickers fürs iPhone, die man in Online-Chats einbinden kann, oder eine SPD-Online-Plattform sind auf der Webseite SchulzTools.org zu finden. Die Webseite wird von Tillmann betreut und unterstützt den Wahlkampf des Kandidaten auf der digitalen Front.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare