Die Online-Nutzung ihrer Kinder bereitet vielen Eltern in Deutschland Sorge.
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Die Online-Nutzung ihrer Kinder bereitet vielen Eltern in Deutschland Sorge.

Jugendmedienschutzindex

Viele Eltern machen sich Sorgen um ihre surfenden Kinder

  • Melanie Reinsch
    vonMelanie Reinsch
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Die Gefahren des Internets lösen bei vielen Eltern Ängste aus. Zu den Augstauslösern zählen unter anderem Kontakte zu Fremden, verstörende Gewalt- oder Pornografie-Inhalte und Cybermobbing.

Das Nacktbild bei Whatsapp, der Versuch, über ein Onlinespiel Kontakt zu einer Minderjährigen aufzubauen, der Trojaner, der auf Rechnern heimlich Passwörter ausspäht, der Porno, der frei zugänglich ohne Altersbegrenzung sichtbar ist, die Abofalle, die mit wenigen Klicks Kosten verursacht, der illegale Download, die fiese Nachricht bei Instagram – es gibt zahlreiche Gefahren im Netz, die Eltern Sorgen bereiten.

73 Prozent der Eltern in Deutschland sorgen sich um die Sicherheit ihrer Kinder beim Surfen im Netz. Fragt man jedoch die Kinder und Jugendlichen selbst, geben 42 Prozent an, keine Sorgen diesbezüglich zu haben.

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue repräsentative Studie der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), die am Dienstag in Berlin vorgestellt und vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung und vom JFF-Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis durchgeführt wurde.

Der FSM ist ein Verein, der sich vor 20 Jahren gegründet hat und sich mit Jugendmedienschutz in Onlinemedien befasst. Insgesamt wurden für die Studie 805 Kinder und Jugendliche zwischen neun und 16 Jahren und jeweils ein Elternteil befragt.

Eltern sehen sich selbst in der Pflicht

Die Sorgen sind nicht unbegründet: Rund die Hälfte der 14- bis 20-Jährigen gaben jüngst in einer Studie der Universitäten Hohenheim und Münster an, früh und ungewollt „Hardcore-Pornografie“ im Internet gesehen zu haben. In der Gruppe der 14- und 15-Jährigen hatte dies ein Drittel erklärt.

„Wir beobachten, dass sich das Sorgenspektrum der Eltern und Heranwachsenden verlagert. Mit zunehmendem Alter schwindet die Angst vor Kontakt mit verstörenden Inhalten, und die Sorgen in Bezug auf die Interaktion mit anderen Jugendlichen nehmen zu“, sagte Martin Drechsler, Geschäftsführer des FSM.

94 Prozent der Eltern sehen sich selbst in der Pflicht, ihre Kinder vor den negativen Erfahrungen im Netz zu schützen. Aber: Ab 13 Jahren kennen sich die meisten Teenager im Netz besser aus als ihre Eltern. Daher wünschen sich auch 82 Prozent der Mütter und Väter Hilfen von Behörden.

Die Autoren raten daher, die Anlaufstellen bekannter zu machen. Dazu gehören unter anderen die Beschwerdestelle von FSM oder die Hotline von jugendschutz.net. Aber auch die Anbieter stünden in der Pflicht, Kinder und Jugendliche vor entsprechenden Inhalten zu schützen, sagt die große Mehrheit der Befragten.

Zwar besteht grundsätzliches Wissen über Jugendmedienschutz, aber nur ein Drittel der Eltern kennt entsprechende Anlaufstellen. „Unwissenheit oder Überforderung stellen ein Problem dar. Durch Aufklärungsmaßnahmen muss Eltern geholfen werden, ihre Kinder besser zu schützen. Dabei geht es um das Füllen von Wissenslücken, die Vorstellung von Schutzmaßnahmen und Instrumenten und auch um das Hinweisen auf die zentrale Rolle, die Eltern in der Medienerziehung spielen“, so Martin Drechsler.

90 Prozent der Eltern und sogar 72 Prozent der Heranwachsenden sind daher auch der Meinung, dass der Schutz der Kinder und Jugendlichen wichtiger sei als ein leichter Zugang zu allen Online-inhalten. „Wichtig ist es für Eltern auch, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und darauf zu achten, was das Kind im Netz macht“, erklärte Drechsler. Das sei besser als jedes Regelwerk. Eine einfache Lösung gebe es ohnehin nicht, aber es müsse mehr Transparenz geschaffen werden, und Staat, Wirtschaft und Pädagogen müssten hier besser zusammenarbeiten, forderte er.

Instrumente, die Heranwachsende schützen können, sind zum Beispiel Onlineangebote, die erst nach einer bestimmten Uhrzeit zur Verfügung stehen, Inhalte, die erst nach einer Altersüberprüfung nutzbar sind, Angebote, die eine Alterskennzeichnung vorweisen, Filtersoftware, die bestimmte Seiten blockiert, Suchmaschinen nur für Kinder oder Jugendschutzeinstellungen bei Geräten.

So bietet die Kindersuchmaschine „FragFinn.de“ zum Beispiel einen sicheren Surfraum für Kinder bis zwölf Jahre an. Auf der Seite finden sich nur unbedenkliche Seiten, die von Pädagogen freigegeben wurden. Die Seite wird ständig aktualisiert.

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