Völlig erschöpft liegt Familie Seibt auf heissem Wüstenboden. Nomaden entdecken die junge Familie.
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Völlig erschöpft liegt Familie Seibt auf heissem Wüstenboden. Nomaden entdecken die junge Familie.

ZDF-Spielfilm

Vertrau' auf Allah, aber binde dein Kamel an

Wüste Sache: Ein leidlich spannender ZDF-Film über eine Entführung in der Sahara. "30 Tage Angst" erzählt von einer Gruppe deutscher Touristen, die in der Sahara von Nomaden entführt werden.

Von TILMANN P. GANGLOFF

Für die einen wird es vermutlich bloß ein Film sein, der in der Wüste spielt; für die anderen aber war es vielleicht das Abenteuer ihres Lebens. Daheim auf der Couch kann man nur annähernd nachvollziehen, welche Strapazen die Dreharbeiten dieses Entführungs-Thrillers zumindest für die beteiligten Deutschen bedeutet haben: 23 von 26 Drehtagen fanden unter Verzicht auf all die liebgewonnenen Vorzüge des Schauspielerdaseins (Wohnwagen, Luxushotel etc.) in der Wüste statt. Doch auch die Einheimischen werden ihr Engagement für diesen Film nie vergessen.

Thorsten Näter, der zwar ungeheuer viel, in der Regel aber auf mindestens respektablem Niveau dreht, erzählt in "30 Tage Angst" von einer Gruppe deutscher Touristen, die bei einem Tagesausflug in die Sahara von Nomaden entführt werden - dergleichen war ja schon wiederholt Thema in den Nachrichten. Weil Näter für die Rollen der Kidnapper keine überzeugenden Bewerber fand, gab's ein so genanntes Street Casting; die in der Tat sehr echt wirkenden Beduinen werden ebenso wie ihre Gegenspieler vom Militär fast ausnahmslos von Laien verkörpert.

Aber auch die deutschen Darsteller machen ihre Sache ordentlich, selbst wenn ihre Rollen nicht sonderlich originell sein mögen. Dass viele Figuren zudem ihr kleines Geheimnis haben, erhöht die Klischeehaftigkeit noch: Das angebliche Model (Stephanie Stumph) ist Verkäuferin , der Sahara-Kenner (Bernhard Schütz) Volkshochschullehrer ohne jede Wüstenerfahrung, und der feige Ex-Soldat (Oliver Stokowski) enthüllt nach allerlei Eheszenen (als Gattin: Ann-Kathrin Kramer) noch andere Fähigkeiten.

Wohlklingende Weisheiten

Die Geschichte ist gleichfalls vergleichsweise arm an Überraschungen, aber trotzdem durchaus kurzweilig, weil die Deutschen zwischen die Fronten geraten: Das herrschende Militär des fiktiven afrikanischen Landes erweist sich nicht gerade als verhandlungswillig; beim Luftangriff auf das Lager machen die Soldaten zwischen Freund und Feind keinen Unterschied. Es kommt zu Streitereien innerhalb der entführten Gruppe, zu vereitelten Fluchtversuchen und zum Austausch wohlklingender Wüstenweisheiten ("Vertrau' auf Allah, aber binde dein Kamel an"). Kameramann Achim Hasse sorgt für einige prachtvolle Sandbilder (gedreht wurde in der Namib), und Komponist Axel Donner macht seinem Namen wirklich alle Ehre…

"30 Tage Angst", ZDF, 20.15 Uhr.

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