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Wer Opfer von Cyberkriminalität geworden ist, kann auch auf Versicherungsschutz zurückgreifen.

Cyberkriminalität

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Spezielle Policen versprechen Schutz vor Cyberkriminalität im Netz. Doch einheitliche Standards fehlen. Verbraucher sind mit anderen Lösungen meist besser beraten.

Spätestens seit dem illegalen Datendiebstahl, von dem fast 1000 Politiker, Prominente und Journalisten betroffen sind und für den ein 20-jähriger Schüler aus Homberg verantwortlich sein soll, werden vermehrt die Möglichkeiten zum Schutz im Internet diskutiert. Während alle Experten sich einig sind, dass zum grundlegenden Schutz gehört, neben regelmäßigen Softwareupdates auch komplexe Passwörter zu verwenden, die nicht leicht zu erraten sind, forderte Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) vergangene Woche eine bundesweite zentrale Anlaufstelle für Ratsuchende und Betroffene – ein Angebot also, das erst wirken soll, wenn es schon zu spät ist. Es geht um verlorene Daten, Identitätsklau oder die missbräuchliche Nutzung von Kreditkarten.

Wer Opfer von Cyberkriminalität geworden ist, kann auch auf Versicherungsschutz zurückgreifen. Einige Schäden sind unter Umständen bereits in bestehenden Verträgen wie der Hausrat-, der Haftpflicht- oder der Rechtsschutzpolice versichert. Aber auch spezielle Cyberpolicen oder Internetversicherungen stellen einen wachsenden Markt in der Versicherungsbranche dar. Doch während es vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) für den gewerblichen Bereich Musterbedingungen für eine Cyberpolice gibt, sucht man etwas Derartiges für den privaten Bereich vergeblich.

„Es gibt zwar immer mehr Anbieter, die ein Produkt oder einen Zusatzbaustein zu bestehenden Versicherungen anbieten, eine standardisierte Cybersicherung für Privatkunden gibt es aber nicht“, sagt ein Sprecher des GDV. Das liege auch daran, dass ein Schaden zumeist schwer zu bemessen sei. Während sich in einem Betrieb die Umsatzverluste infolge eines Hackerangriffs beziffern lassen, weil beispielsweise die Produktion zwei Tage stillstand, ist ein solcher Schadensfall schwierig auf den Privatkundenbereich zu übertragen.

„Der Markt für Cyberversicherungen für Private ist sehr unübersichtlich“, bestätigt auch Michael Wortberg, Referent für Versicherungsfragen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Ein Marktüberblick fehle gänzlich.

Aber es gibt Versicherungen. Sie nennen sich Internetrechtsschutz, Internetversicherung oder eben Cyberversicherung und kosten zwischen 50 und 150 Euro im Jahr. Solche Policen bieten unter anderem die Bavaria Direkt, die Arag oder die Axa an. Mal gilt der Versicherungsschutz nur für einen Einzelnen, mal für die Familie oder den Haushalt. Der Umfang der Leistungen reicht von Entschädigungszahlungen bei Identitätsmissbrauch über anwaltliche Erstberatung bei rechtswidriger Veröffentlichung von persönlichen Daten im Internet oder psychologischer Erstberatung bei Cybermobbing bis hin zu einer stets aktuellen Sicherheitssoftware.

Eine generelle Empfehlung kann Wortberg aufgrund des fehlenden Marktüberblicks nicht geben. Er macht aber insbesondere auf zwei Punkte aufmerksam. „Die Deckungssummen sind bei vielen Policen in der Sparte ‚Internetversicherung’ so gering, dass Verbraucher Schäden auch aus eigenen Rücklagen absichern können.“ So beinhalten verschiedene Policen beispielsweise anwaltliche oder psychologische Unterstützung, allerdings in der Regel lediglich eine Erstberatung.

Auch decken die Versicherungen kaum alle Fälle ab. So seien die Klauseln zum Online-Betrug bei Kaufverträgen beispielsweise auf Fake-Shops oder Identitätsmissbrauchsfälle zugeschnitten. „Die Fälle sonstiger betrügerischer oder irreführender Online-Verträge sind nicht erfasst“, so der Verbraucherschützer. Interessant wäre nach Ansicht Wortbergs ein Cyberversicherungsmodell, welches aus diversen Bausteinen besteht, die der Kunde auf seine Situation zugeschnitten auswählen könnte. „Nach diesem Modell funktioniert es ja auch in anderen Bereichen. So hat man etwa in der Wohngebäudeversicherung die Möglichkeit, seinen Schutz aus verschiedenen Bausteinen, wie zum Beispiel Feuer, Leitungswasser, Sturm oder Elementarschäden zusammenzustellen.“

Der heute ergänzende Schutz für den Onlinebereich findet sich hingegen in unterschiedlichsten Versicherungssparten. Und darauf haben Verbraucher vielfach schon Zugriff. Schließlich sind Hausrat- und Rechtsschutzversicherungen viel verbreiteter als Cybersicherheitspolicen.

Wer einem Betrug beim Online-Einkauf aufgesessen ist, kann dagegen mit einem Anwalt vorgehen – die Kosten dafür trägt die Rechtsschutzversicherung. Einige Rechtsschutzversicherer bieten außerdem Zusatzbausteine, die bei Identitätsklau und Cybermobbing greifen, darauf weist der Branchenverband GDV hin. Sind Daten einer Festplatte durch einen Hackerangriff zu Schaden gekommen, übernimmt womöglich ein Zusatzbaustein der Hausratversicherung die Kosten zur Datenrettung. Wer unabsichtlich eine virenbehaftete Mail weiterleitet und damit einem anderen einen Schaden zufügt, kann unter Umständen auf seine Haftpflichtversicherung zurückgreifen.

„Da haben viele Versicherer in den letzten Jahren nachgerüstet“, sagt der GDV-Sprecher. Es kann also nicht schaden, alte Versicherungsverträge zu aktualisieren. Eine Absicherung über eine Erweiterung einer bestehenden Rechtsschutz- oder Hausratpolice ist außerdem häufig günstiger als eine reine Cyberabdeckung, so Verbraucherschützer Wortberg. „Interessant kann eine Cyberdeckung unter anderem für Verbraucher mit minderjährigen Kindern sein, die besonders gefährdet sind, Opfer von Mobbing, Datenmissbrauch und Online-Betrug zu werden.“

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