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Times Mager

Vermasselt

  • VonChristian Schlüter
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Klar, die Banker, diese überbezahlten Totengräber von Anstand und Sitte, haben's voll vermasselt. Doch von Panik keine Spur. Wir haben unsere Routine wieder. Von Christian Schlüter

Nachdem die Systemfrage allerorten zwar gestellt, aber als unbeantwortbar und unverantwortlich zurückgewiesen wurde, können wir nunmehr und in unverhohlener Erleichterung verkünden: Die allgemeine Finanz-, Banken-, Wirtschafts-und-so-weiter-und-so-fort-Krise ist überstanden, wir sind endlich wieder in Sicherheit.

Faul und feige haben wir alles gemieden, was uns echte Arbeit - oder Buße - bedeutet hätte, und von Schuld war eigentlich auch nur am Rande die Rede. Klar, die Banker, diese überbezahlten Totengräber von Anstand und Sitte, haben's voll vermasselt. Dieses ganze, in seiner Geiz-ist-geil-Gier bisweilen ekelerregende Volk der Kleinsparer und -aktionäre hingegen durfte in seiner wahlweise dreist-dämlichen oder aggressiv-einfältigen Flucht vor jedweder Verantwortung einfach so weiter machen. Und weil die Politik seit jeher alles tut, dem Kapital die Geschicke unseres Landes zu überlassen, zugleich aber, damit die demokratische Fassung gewahrt bleibt, der Mehrheitsbeschaffung bedarf, wurden die Manager, die es ohnehin und locker verschmerzen können, öffentlich und also zur Freude aller abgewatscht.

Im Prinzip ekelhaft, dieses Geschäft. Dennoch: unterm Strich geht es uns allen wieder gut. Die Krise ist vorbei, wir sind voll in der Krise. Mächtig rollt die Rezession auf uns zu. Doch von Panik keine Spur. Wir haben unsere Routine wieder. In gewohnter Verlässlichkeit versorgt uns die Bundesagentur für Arbeit mit ihren Prognosen. Und wer seine Arbeit verliert, dem gibt die Agentur auch gleich noch etwas Geld. Und wer dann Geld hat, der gibt es wieder aus…

Kurzum, alles ist wie immer. Für einige Momente, es war irgendwann im letzten Jahr, durfte man sich der Hoffnung hingeben, dass etwas Entscheidendes kaputt gegangen ist, ein systemrelevantes Bauteil gewissermaßen. Von Vertrauenskrise war da viel die Rede.

Und tatsächlich wäre mit dem Vertrauen etwas verschwunden, zu dem keiner der Gesundbeter und Weißwäscher des Kapitals mal so eben ein funktionales Äquivalent hätte beschaffen können. Vertrauen färbt die Zukunft sorglos. Vollwaschgang, und das jeden Tag. Was geschähe wohl, ließe man die Menschen mal für einen Tag mit sich allein: keine Zeitung, kein Fernsehen, kein Tralala? Ob man darauf vertrauen sollte?

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