Verlust für die Buchmesse

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Orhan Pamuk sagt Schirn-Ausstellung ab

Es sollte die phantasievollste Inszenierung werden in diesem Jahr in Frankfurts Kunsthalle Schirn. Gleichsam ein Museum im Museum, erschaffen aus mehreren Hundert Gegenständen des Alltags, aus Erinnerungsstücken, vom geliebten Spielzeugauto bis zur vergilbten Tageszeitung. "Das Museum der Unschuld" wollte der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk die große Ausstellung nennen, die er Schirn-Direktor Max Hollein versprochen hatte.

Der Literaturnobelpreisträger hatte sich mit Hollein in seiner Heimatstadt Istanbul getroffen, zeigte ihm das Haus, das er gekauft hatte, um später dort "das Museum der Unschuld" dauerhaft unterzubringen. Doch nun kommt alles ein wenig durcheinander: Pamuk sagte die Ausstellung, die am 14. Oktober in der Schirn eröffnet werden sollte, ab.

Denn sein jüngster Roman, eben "Das Museum der Unschuld", der wie ein Katalog zur Ausstellung gewirkt hätte, nimmt den Schriftsteller wesentlich länger in Anspruch als vorhergesehen. Eine Liebesgeschichte entwickelt sich hier, mit der Pamuk sich schon lange in Gedanken auseinandergesetzt hatte. Eine unglückliche Liebe vor der Kulisse Istanbuls in den 70er und 80er Jahren, einer Stadt im dramatischen Umbruch zur Moderne.Vom Münchner Hanser Verlag ist zu erfahren, dass der Roman immerhin Anfang September in deutscher Übersetzung erscheinen soll, also rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse, die am 14. Oktober eröffnet wird. Und der Autor wird in Frankfurt sein Werk präsentieren.

Nur eben die Ausstellung, die bis zum 18. Januar 2009 in der Schirn gezeigt werden sollte, kommt nicht mehr zeitgerecht zustande. Das ist ohne Zweifel ein Verlust: Sie wäre sicherlich ein wesentlicher Beitrag gewesen zum Auftritt des diesjährigen Gastlands Türkei bei der Buchmesse. Man durfte gespannt sein, ob der Schriftsteller subtile politische Botschaften und Kommentare in sein "Museum" eingeschmuggelt hätte, etwa zum Völkermord an den Armeniern, den zu benennen bis heute in der Türkei tabuisiert ist. Oder zur Rolle des Islam in seiner Heimat.

Pamuk hatte die Ausstellung selbst kuratieren wollen, gemeinsam mit Vasig Kortum aus New York. Doch die Produktion Hunderter von Ausstellungstücken hat sich verzögert.

Max Hollein und sein Team hoffen nun, dass die Absage nicht das letzte Wort war. Sie wollen das "Museum der Unschuld" gerne später "in Frankfurt nachholen". Sein Gebäude der Erinnerung in Istanbul, das hat der Nobelpreisträger schon angekündigt, wird er in jedem Fall einrichten.

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