Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ein verhuschter Geist

Das Beste ist der frühe Schluss: Ein Familiendrama von Rainer Kaufmann

Von TILMANN P. GANGLOFF

Wenn man sich seine Mutter aussuchen könnte: Ottilia hätte schlechte Karten. Für ihre Mitmenschen findet sie in der Regel nur dann freundliche Worte, wenn es sich um Kunden handelt. Nicht mal ihre Töchter sind vor ihrer Kälte sicher. Dagmar Manzel verkörpert diese Frau, die gerade von ihrem Mann verlassen wird und ihre Gefühle in einen weit entfernten Winkel ihres Herzen verbannt hat, so überzeugend kaltherzig, dass sie allein es lohnt, sich diesen Film anzuschauen; aber auch nur sie allein. Und leider spielt sie nicht die Hauptfigur.

Rainer Kaufmann ("Stadtgespräch", "Die Apothekerin", "Ein fliehendes Pferd") hat in seiner Karriere schon einige gute Filme gemacht, zuletzt mit Bruno Ganz als krebskrankem Schriftsteller ("Ein starker Abgang"). Selbst seine weniger gelungene Werke waren noch eindrucksvoll.

"Vier Töchter" aber ist ein Film, dessen sympathischstes Merkmal die Kürze ist: Nach 75 Minuten ist er überstanden. Dass einem die Zeit trotzdem lang wird, liegt an Hillevi, einer jungen Frau, die selbst geduldigste Zeitgenossen mit ihrer verhuschten Passivität in den Wahnsinn treiben würde. Wenn genau dies Tanja Schleifs Aufgabe war, hat sie sie vorbildlich gelöst; Mitgefühl aber weckt ihr Spiel nicht.

Konsequenterweise wird Hillevi von Ottilia ziemlich barsch abgefertigt, zumal letztere es einfach nicht schafft, mit der Wahrheit rauszurücken: Hillevi ist ihre älteste Tochter, gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Eine ganze Weile schleicht sie wie ein Geist durch Ottilias Leben und nistet sich dann in Mutters Wohnung ein, während die in Urlaub ist.

Die anderen, ungleich interessanteren Töchter (Stefanie Stappenbeck, Lisa Maria Potthoff, Amelie Kiefer) kommen viel zu kurz. An Hillevi aber klebt die Kamera förmlich. Klaus Eichhammer (Bildgestaltung) muss ihr ausdrucksloses Gesicht immer wieder in fast schon aufdringlich naher Großaufnahme zeigen. Und zudem starrt Hillevi ständig Löcher in die Luft.

Und so bleibt als letzte Rettung des Films allein Ottilia, die überzeugt ist, sie habe ihr Leben im Griff, aber keine Ahnung von dem ihrer Töchter hat. Immerhin gönnt ihr die Geschichte (Drehbuch: Gabi Bauert, nach einem Roman von Inger Alvfen) einen versöhnlichen Schluss. Was aus Hillevi wird, bleibt offen - es ist einem auch völlig egal.

"Vier Töchter", Arte, 21 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare