Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der Vorstandsvorsitzende der Constantin Medien AG, Fred Kogel (l), und der Aufsichtsratschef und Großaktionär der Constantin Medien AG, Dieter Hahn, sitzen am 09.11.2016 in München (Bayern), während der Außerordentlichen Hauptversammlung an ihrem Platz auf dem Podium.
+
Der Vorstandsvorsitzende der Constantin Medien AG, Fred Kogel (l), und der Aufsichtsratschef und Großaktionär der Constantin Medien AG, Dieter Hahn, sitzen am 09.11.2016 in München (Bayern), während der Außerordentlichen Hauptversammlung an ihrem Platz auf dem Podium.

Constantin Medien

Unversöhnlich bei Constantin

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    VonThomas Magenheim-Hörmann
    schließen

Auf der Hauptversammlung ist eine Lösung des Konflikts zwischen den Aktionären nicht in Sicht.

Wenn zwei auf Krawall gebürstete Männer aufeinanderprallen, endet das bisweilen damit, dass einer den anderen vor die Tür bittet, um die Sache dort zu beenden. Verfeindete Manager zitieren sich zum Notar. „Da machen wir uns gegenseitig ein Angebot und wer mehr bezahlt, kauft den anderen raus“, schlägt Dieter Hahn vor. Dieser ist nicht nur die ehemalige rechte Hand des verstorbenen Medienmoguls Leo Kirch und Aufsichtsratschef von Constantin Medien. Er führt auch eine von zwei rivalisierenden Aktionärsgruppen an, deren Streit den Münchner Medienkonzern zu zerreißen droht. Die andere Gruppe repräsentiert der Schweizer Kaufmann Bernhard Burgener, der bis Ende 2015 Constantin-Chef war. Mit ihm will Hahn sich beim Notar treffen, um klar zu machen, wer bei Constantin das Sagen hat.

Ergangen ist das Angebot nicht im vertraulichen Kreis, wie bei solchen Offerten üblich. Ausgesprochen hat Hahn es auf offener Bühne einer aggressionsgeladenen Constantin-Hauptversammlung im Münchner Starkbiertempel am Nockherberg. Zuvor hatten sich beide Kontrahenten persönlich von Rechtsverstößen über Raffgier und Lügen wechselseitig einiges auch unterhalb der Gürtellinie vorgeworfen. Mit dem Notar wird es aber wohl nichts. „Herr Burgener will nicht verkaufen, aber Herr Hahn kann ja raus, wenn er will“, erklärte ein Vertrauter des Schweizers. Burgener selbst wollte auf den Vorschlag Hahns nicht selbst antworten.

Zuvor hatten beim Eignertreffen auch unabhängige Aktionäre die Streithähne angefleht, ihren Disput zu beenden. „Wir müssen ein positives Signal an den Markt senden“, forderte der Vertreter einer Aktionärsschutzvereinigung auf. Seit einer schon mal im Chaos versunkenen Constantin-Hauptversammlung im Sommer sei die Aktie auf Talfahrt. So wie jetzt könne es nicht mehr weitergehen.

Vordergründig geht es um die Strategie. Die Hahn-Seite will die Tochter Constantin Film verkaufen, die Erfolgsfilme wie „Fack ju Göhte“ produziert hat und sich ganz auf das Geschäft mit Sportübertragungen und dem Sportrechtehandel konzentrieren. Burgener findet das zu riskant und will eine solche Zerschlagung verhindern.

Constantin ist ein verschachtelter Konzern, der sich mit der Münchner Holding und der 60-prozentigen Beteiligung Highlight in der Schweiz den Luxus zweier börsennotierter Gesellschaften leistet. Unbestritten ist, dass diese Doppelstruktur viel Geld verschwendet. Hahn aber hält Highlight für überflüssig, wo Burgener das Sagen hat.

Für den Schweizer ist die Münchner Holding verzichtbar, der Fred Kogel vorsitzt. „Constantin muss wieder zur Ruhe kommen“, weiß auch der Ex-Produzent und Medienmanager, der dem Hahn-Lager angehört. Nachgeben will keiner.

Der Stil, in dem sich beide Seiten beharken, steht einem US-Wahlkampf kaum nach. Mal werden Stimmrechte unter fragwürdigen Umständen entzogen. Mitaktionäre wissen nicht, wem sie noch trauen können. „Ich bin der Hüter der Werte“, beansprucht Burgener für sich. „Es geht nur um Geld“, sagt Hahn einmal. Zumindest Letzteres steht außer Zweifel. Constantin Film könnte 200 Millionen Euro Verkaufserlös bringen. Beachtlich, bei einem Börsenwert der Münchner Holding von 180 Millionen Euro.

„Hört endlich auf“, stöhnt eine Aktionärin nach mehreren Stunden Kleinkrieg im Hauptversammlungssaal. Der Appell verhallt ungehört. Immer wieder gehen beide Aktionärsgruppen bei der vorsorglich auf zwei Tage angesetzten Hauptversammlung aufeinander los. Am zweiten Tag wirft dann Versammlungsleiter Werner Klatten, der Ex-Chef des Constantin-Vorgängerkonzerns Emtv, überraschend das Handtuch. An seiner Stelle übernimmt Rechtsanwalt Franz Enderle von der Hahn-Hauskanzlei Bub, Gauweiler und Partner die Regie.

Der Burgener-Seite gilt er als rotes Tuch. Eine Abstimmung zu mutmaßlich wegweisenden Beschlüssen war auch am Donnerstagnachmittag nach insgesamt 15 Stunden Versammlungsdauer nicht in Sicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare