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Die lebendige Fresko-Figur
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Die lebendige Fresko-Figur

Tanz

Unter haarigen Wolken

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Angelin Preljocaj enttäuscht zum Start des Wolfsburger Movimentos-Festivals.

Seit 2003 veranstaltet die VW-Autostadt die Movimentos in Wolfsburg. Damals stand die gezielte Förderung einer oft mal zu kurz kommenden Kunst der Bewegung einem boomenden Autokonzern gut zu Gesicht – es dürften auch letztlich Peanuts gewesen sein in der Firmenbilanz. Im Vorfeld der jetzt eröffneten Festwochen wird man sich dann gefragt haben, ob man VW eher vorwerfen wird, in der Krise nicht entschlossen genug zu sparen, oder die Kulturförderung noch vor den Managergehältern einzudampfen. In dezent bescheidenerem Rahmen führt man die Movimentos jedenfalls vorerst fort.

Große Namen des zeitgenössischen Tanzes haben schon in Wolfsburg im Alten Heizkraftwerk – neudeutsch KraftWerk – ihre Werke als Europa- oder wenigstens Deutschlandpremieren präsentiert. An diesem Wochenende war das der Franzose Angelin Preljocaj mit seinem in Aix-en-Provence beheimateten Ballet Preljocaj (vor Jahren, als in Frankfurt noch in nennenswertem Umfang Tanz zu sehen war, war er einige Male hier zu Gast). „La Fresque“, das Fresko heißt sein jüngstes, 80 Minuten langes Stück. Nach einer chinesischen Sage erblicken zwei Männer ein Wandgemälde, das schöne Frauen zeigt; der eine junge Mann schlüpft ins Gemälde.

„La Fresque“ ist allerdings kein Handlungsballett. Es reiht Szenen, die auf Flächigkeit und optische Effekte angelegt sind. Zusammengehalten wird das Stück am ehesten noch von den außergewöhnlichen Videos aus dem Studio Constance Guisset: Im Wasser treibende, wogende lange Haare wurden gefilmt, die Aufnahmen verfremdet. Sie werden nun immer wieder wie Nebelschwaden, Wolken, zaubrische Kalligraphien, Wirbel, Strudel auf einen hauchdünnen Gazevorhang projiziert.

Preljocaj, Sohn albanischer Einwanderer, wurde vor Jahrzehnten durch einen kraftvoll-bodenständigen, dabei nicht groben Tanz bekannt; etwa durch eine „Les Noces“-Version zur Musik Strawinskys. Er lässt gern barfuß tanzen, manchmal mischt er Volkstanz-Bewegungen hinein – inzwischen scheint er aber manche Ecke und Kante abgeschliffen zu haben. Vor allem seine Ensembles sind jedoch immer noch schwungvoll, strahlen eine die Emotion direkt ansprechende Energie aus.

Weitere Fäden gibt es nicht

Doch ist sein neues, in Wolfsburg als deutsche Erstaufführung gastierendes Stück ein seltsamer stilistischer und atmosphärischer Flickenteppich. Szenen werden hart gegeneinander geschnitten, und gäbe es nicht die schwebenden Haar-Fäden, es gäbe gar keinen Faden darin.

Im einen Augenblick umtanzt der junge, ins Wandgemälde gestiegene Mann seine Geliebte mit Sträußen roter Rosen in der Hand, im nächsten marschieren drei Krieger mit Helm und gescheckten Bodies aus einem Raumschiff. Sie heben ihn auf und tragen ihn behutsam. Sie stoßen ihn die Rampe runter. Und jedes Mal wechselt auch abrupt die Musik von Nicolas Godin, die ohnehin wirkt wie Fertigsoße, von einem Roboter zusammengerührt.

Dieser Movimentos-Eröffnungsabend aber ist eine Enttäuschung vor allem deswegen, weil Angelin Preljocaj in der Vergangenheit ja Choreografien gelungen sind wie aus einem Guss und gleichsam einer tänzerischen Notwendigkeit folgend. In „La Fresque“ aber glaubt man manchmal, im Zirkus Roncalli zu sitzen – Zöpfe setzen sich als Kletterseil in den Bühnenhimmel fort – oder eine süßliche Seifenwerbung zu sehen, in Form eines Liebesduos vor Sternenhimmel. Die Kostüme des Modeschöpfers Azzedine Alaïa haben natürlich Schick, besonders die sich bei Drehungen wie Schirme breitenden Röcke der Frauen. Aber die ganze Sache, der ebenso aufwendige wie ziemlich makellos getanzte Abend präsentiert nicht viel mehr als eine hübsche Oberfläche.

Da ist man dann doch froh, dass „La Fresque“ unvermittelt und immer wieder ganz anders weitergeht. Und dass es beim Movimentos-Festival sowieso ganz anders weitergehen kann, denn das hat ja gerade erst angefangen.

Movimentos in Wolfsburg: bis 21. Mai. www.movimentos.de

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