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Robin Wright wehrte sich.

Gender Pay Gap

Ungleiches Einkommen in allen Sparten

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Frauen verdienen häufig deutlich weniger als Männer für die gleiche Arbeit. Das gilt auch für Branchen, die als liberal gelten.

Am Ende musste Robin Wright rabiat werden. Die US-Schauspielerin ist der Star an der Seite von Kevin Spacey in der US-Serie „House of Cards“. Wie Spacey trat sie in allen Episoden auf, wie Spacey firmierte sie in der fünften Staffel als Executive Producer, wie Spacey wurde sie mit Golden Globes geehrt. Doch einen Unterschied gab es: Ihre Gage war niedriger als die von Spacey. Das ließ sie nicht ruhen. Am Ende setzt sie den Studiobossen die Pistole auf die Brust: „Ich will so viel wie Kevin – oder ich gehe an die Öffentlichkeit.“ Die Bosse gaben nach und zahlten mehr.

Was Robin Wright kann, können die meisten ihrer Kolleginnen nicht. Die Einkommenskluft zwischen Männern und Frauen – der Gender Pay Gap – ist ein ebenso gehütetes wie offenes Geheimnis Hollywoods. Als Computerhacker E-Mails des Sony-Studios öffentlich machten, zeigte sich: Jennifer Lawrence – bekannt als Hauptdarstellerin der „Hunger Games“ – erhielt für ihre Rolle in „American Hustle“ deutlich weniger als ihre Co-Stars Christian Bale und Bradley Cooper. „Ich denke, ich bin nicht die einzige Frau mit diesem Problem“, schrieb sie in einem Artikel vergangenen Oktober.

Angesichts von Jahreseinnahmen von 52 Millionen kann man die Beschwerde von Lawrence als Luxusproblem abtun. Wesentlich härter trifft der Einkommensnachteil jedoch andere Frauen im Kulturbetrieb, wo ohnehin notorisch schlecht verdient wird. Auch in Deutschland ist die Kunst zwar nicht brotlos, aber brotarm: Das Einkommen vom Musikern, Tänzern und Schauspielern fließ spärlich und stockend, kostenlose Leistungen sind selbstverständlich. 40 Prozent von ihnen beziehen weniger als 10 000 Euro netto im Jahr, so eine Studie der Initiative Art but Fair, bei 80 Prozent liegt das Einkommen unter 20 000 Euro.

Zwar gilt der Kulturbereich als aufgeklärt und liberal. Doch die Benachteiligung von Frauen ist die gleiche wie im Rest Deutschlands. Zumindest was das Einkommen angeht. So verdienen freiberufliche Männer im Durchschnitt 17 450 Euro im Jahr und damit über 4000 Euro mehr als Frauen. Mit 24 Prozent ist der Gender Pay Gap im deutschen Kulturbetrieb so groß wie im Durchschnitt aller Branchen.

„Von Gleichberechtigung von Frauen und Männern kann keine Rede sein“, sagte kürzlich Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) bei der Präsentation der Studie „Frauen in Kultur und Medien“. Dass in Museen überwiegend Werke von Männern hingen, liege „sicher nicht daran, dass Frauen nicht malen können“. Dennoch wird ihre Arbeit geringer bewertet: Im Jahr 2011 erhielten Frauen aus dem Verkauf von Kunstwerken durchschnittlich 3325 Euro, ihre männlichen Kollegen dagegen 7440 Euro.

Der Kulturbetrieb hier zu Lande bezahlt Frauen schlechter sowohl in Niedriglohn-Bereichen wie auch in den besseren Jobs, ganz egal, ob es sich um Schauspiel, Malerei, Musik, Tanz oder die schreibende Zunft handelt. Am höchsten ist die Geschlechterkluft in den Darstellenden Künsten, wo Frauen ein Drittel weniger bekommen – und in diesem Bereich ist der Frauenanteil auch am höchsten.

Jenseits des Atlantiks das gleiche Bild: „Die Einkommensdifferenzen zwischen Männern und Frauen sind in der Kunst vergleichbar mit denen in anderen Branchen“, so Danielle Lindemann. Die Soziologin an der Lehigh University in Pennsylvania hat gerade den Kulturarbeitsmarkt in den USA untersucht. Ein Grund für die Unterschiede ist, dass Frauen überdurchschnittlich in jenen Jobs arbeiten, die ohnehin schlechter bezahlt werden. So überwiegen Frauen im Bereich Darstellende Kunst, bei den besser verdienenden Designern gibt es mehr Männer. Zudem arbeiten Frauen eher als Männer in Non-Profit-Institutionen – und dort sind die Gehälter oft gering.

Dazu kommt, dass Frauen selten in Führungspositionen zu finden sind. Gutbezahlte Top-Jobs sind noch immer vielfach eine Männer-Domäne. Zum Beispiel beim Film: Eine Untersuchung des deutschen Bundesverbandes Regie zeigte für die Jahre 2010 bis 2013: Bei jeder fünften Low-Budget-Produktion führte eine Frau Regie, bei Filmen mit hohem Etat war es nur jeder zehnte.

Väter verdienen noch mehr

Außerdem, so die US-Soziologin Lindemann, profitierten Männer auch im Kulturbetrieb von Heirat und Kindern – beides steigere ihre Einkommen um zehn bis 40 Prozent. Verheiratete Männer verdienten durchschnittlich 7200 Dollar pro Jahr mehr, jedes Kind bringe bis zu 8080 Dollar zusätzlich. Bei Frauen hingegen sei dieser Effekt nicht festzustellen. Allerdings, betont Danielle Lindemann, gebe es im Kunstbereich im Gegensatz zu anderen Branchen keine „Mütter-Strafe“, sprich: Geburt und Erziehung von Kindern führten nicht zu Einkommensverlusten bei Frauen – was in anderen Bereichen die Regel sei, da Mütter ihre Karriere unterbrechen müssten oder Teilzeit arbeiteten.

Dass Künstler von Heirat und Kindern profitierten, Künstlerinnen hingegen nicht, zeige, dass „auch in der Kunst die kulturellen Erwartungen recht starr sind“, so Lindemann. Noch immer scheine das Bild des Mannes als Versorger der Familie vorzuherrschen. „Auch die schönen Künste sind kein Utopia für Frauen.“

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