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Lebt seit sieben Jahren in der Psychiatrie: Gustl Mollath

TV-Tipp Fall Molath

Unglaublicher Verdacht

Gustl Mollath zeigte seine Ex-Frau und die HypoVereins-Bank wegen Geldwäsche an. Sie ließ ihn für nicht zurechnungsfähig erklären, 2006 wurde er von einem Gericht in die Psychiatrie eingewiesen, wo Mollath bis heute lebt. Ein interner Bericht der Bank bestätigte jedoch seine Vorwürfe.

Von Torsten Wahl

Gustl Mollath zeigte seine Ex-Frau und die HypoVereins-Bank wegen Geldwäsche an. Sie ließ ihn für nicht zurechnungsfähig erklären, 2006 wurde er von einem Gericht in die Psychiatrie eingewiesen, wo Mollath bis heute lebt. Ein interner Bericht der Bank bestätigte jedoch seine Vorwürfe.

Der Vorspann stellt noch die Frage, ob Gustl Mollath tatsächlich so gefährlich ist, wie Bayerns Justizministerin Beate Merk lange Zeit beteuerte, oder ob er das Opfer eines Justizskandals ist. Die Antwort liefert schon der Untertitel. Denn wer „In den Fängen von Justiz, Politik und Psychiatrie“ landet, der muss unschuldig sein. Das Fazit von Monika Anthes und Eric Beres ist schließlich eindeutig: Die Autoren sehen durch ihre Recherchen den „unglaublichen Verdacht“ bestätigt, dass Gustl Mollath tatsächlich seit sieben Jahren zu Unrecht in der Psychiatrie sitzt.

Über den Fall haben viele Medien seit letzten Herbst berichtet, auch „Report Mainz“. In der „Story im Ersten“ erzählen Anthes und Beres die filmreife Story vor allem aus der Perspektive jenes Mannes, der sie vor drei Jahren mit einem verzweifelten Brief um Hilfe gebeten hatte. Ausführlich und konzentriert kommt Gustl Mollath zu Wort und bestreitet alle Vorwürfe. Frühere Freunde sowie eine Reihe von Experten stützen seine Sicht der Dinge. Anfangs war es einfach ein Rosenkrieg: Mollath hatte sich an den seltsamen Geschäften seiner Frau gestoßen, einer Vermögensberaterin der HypoVereins-Bank, die große Summen Geld in die Schweiz gebracht hatte. Als sie nicht davon abließ und die Ehe zerbrach, zeigte er sie und die Bank wegen Geldwäsche und anderer Vorwürfe an.

Sie wiederum wehrte sich mit einer Anzeige wegen Körperverletzung und veranlasste seine Einstufung zum psychisch Kranken. Ein Gericht schickte ihn 2006 in die geschlossene Anstalt. Dort steckt er bis heute. Die Ex hingegen arbeitet inzwischen als „Geistheilerin“ und verweigert jedes Interview. Rückenwind bekam der Weggeschlossene erst, als ein interner Revisionsbericht der Bank öffentlich wurde, der viele seiner Vorwürfe bestätigte. So wurde Mollath zum Kronzeugen beim Dauerthema Schwarzgeld.

Auch die Medien streiten

Um den Fall Mollath streiten sich aber nicht nur Rechtsanwälte, Politiker, Richter und Gutachter, sondern auch die Medien. Dass das SWR-Team für sich an Anspruch nimmt, als erste über den Fall berichtet zu haben, ist etwas übertrieben: Journalisten der Nürnberger Nachrichten und der Süddeutschen Zeitung treiben die Recherche seit Jahren Stück für Stück voran – zwei SZ-Autoren bekamen dafür kürzlich den Wächterpreis. Dagegen versuchten die Wochenzeitung Die Zeit und das Nachrichtenmagazin der Spiegel, gegen den Strom zu schwimmen: Autorinnen der Hamburger Blätter schlugen sich Ende 2012 auf die Seite von Mollaths Ex-Frau.

Die Zeit unterstellte Mollath unter der Überschrift „Ein Kranker wird Held“, er hätte sich in der Rolle des Märtyrers eingerichtet. Auf Spiegel Online versuchte eine Kollegin zu erklären, dass der Justizskandal gar keiner sei, sondern der Fall von den Medien nur skandalisiert werde. Auf die Proteste Hunderter Leser und die Kritik einiger renommierter Jura-Blogs antwortete die Autorin flapsig: „Mag sein, dass in Mollaths Verfahren nicht alles nach Goldstandard verlaufen ist.“ Inzwischen ruderte der Spiegel zurück: In einem Text über die größten Justiz-Irrtümer wurde kürzlich auch der „Justiz-Gau“ Mollath aufgelistet.

Der ARD-Bericht macht noch einmal deutlich, wie viel hier zum „Goldstandard“ fehlte: Ob Atteste, Urteile oder Gutachten gegen Mollath – alles wird entweder zerpflückt oder zumindest in Zweifel gezogen. Obwohl man sich fragt, wie solch eine Kette von offensichtlichen Fehlern zustande kommen kann, versagen sich die Autoren den Verschwörungstheorien, die nicht nur im Netz kursieren. Die härtesten Vorwürfe treffen jenen Nürnberger Richter, der Mollath 2006 wegen seines „paranoiden Gedankensystems“ in die Anstalt schickte. Lange vor der Verhandlung hatte der Richter die zuständige Staatsanwaltschaft darauf hingewiesen, dass die Geldwäsche-Anschuldigungen dieses „Spinners“ haltlos seien. Die Verteidigungsschrift Mollaths las er sich nicht mal durch.

Der Fall Mollath, Montag (3.6.), 22.45 Uhr, ARD

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