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Bill Ramsey (Archivbild).
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Bill Ramsey (Archivbild).

Nachruf

Tod von Bill Ramsey: Und immer wieder zum Jazz zurück

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Er hatte kein Problem damit, den singenden Onkel aus Amerika zu geben: Bill Ramsey ist mit 90 Jahren in Hamburg gestorben.

Hamburg - Wer in den 60er Jahren sozialisiert wurde, der bekommt diese kratzige, mit kokettem Unernst intonierte Stimme sein Leben lang nicht mehr aus dem Kopf.

Warum auch? Mit Liedern wie „Pigalle“ („das ist die große Mausefalle, mitten in Paris“) und „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ hatte Bill Ramsey den Schlager über Liebesleid und Capri-Sonne hinausgewiesen und diesem so eine ganz eigene Komik verliehen. Der 1931 in Cincinnati in Ohio geborene Musiker liebte auch als Performer die Rolle des Spaßmachers und hatte – sehr zum Gefallen der sich gerade erst entwickelnden Branche – kein Problem damit, den singenden Onkel aus Amerika zu geben. Manchmal spielte er auch den Conférencier, zum Jubiläum seiner Plattenfirma spendierte er „Eine Runde Polydor“, einen bunten Schlagermix, für den Bill Ramsey den Ansager und Mitsänger spielte.

Bill Ramsey: Anfänge im Frankfurter Jazzkeller

Seine musikalischen Wurzeln aber hatten sich tief in den Boden eingegraben, auf dem die weißen Variationen aus Swing, Jazz und Blues gediehen, denen er bereits Ende der 40er Jahre als Student in Yale begegnet war. Mit Elvis Presley teilte Bill Ramsey die staatliche verordnete Pflicht, als amerikanischer Soldat in Deutschland stationiert zu sein. Und nach Feierabend, so will es die Legende, ging der Soldat in den Jazzkeller, um den gerade erst aus dem Zivilisationsbruch hervorgegangenen Deutschen musikalisch auf die Sprünge zu helfen. Im Fall von Bill Ramsey verlief das über den Frankfurter Jazzkeller in der Kleinen Bockenheimer Straße, wo Stan Getz und Dizzie Gillespie auftraten und auch spätere deutsche Jazzgrößen wie Albert Mangelsdorff ihre ersten Kontakte mit der neuen Musik hatten.

Über den amerikanischen Soldatensender AFN lernte Bill Ramsey die Garde der deutschen Swing- und Jazzmusiker wie Kurt Edelhagen, Paul Kuhn und James Last kennen, die, jeder auf seine Weise, ihr Segment in der Unterhaltungsmusik fanden, ohne ihre Prägung im Jazz zu verleugnen. Zur ganzen Wahrheit der Musikgeschichte gehört es, dass der oft missgünstig betrachtete Schlager aus den Jazzclubs der amerikanischen Besatzungszone stammte.

Bill Ramsey: Mehr als dreißig Jahre lang präsentierte er für hr2 seine „Swingtime“

Mit der wachsenden Bedeutung des Fernsehens wurden rasch auch Bill Ramseys darstellerische Fähigkeiten entdeckt, die er stets lustvoll und mit intelligentem Unernst zur Geltung brachte. Er liebte es, sich auszuprobieren, und trat als Schauspieler und Hörfunkmoderator auf – mehr als dreißig Jahre lang, bis 2019, präsentierte er für hr2 seine „Swingtime“ – und kehrte immer wieder auch zum Jazz zurück.

Zusammen mit dem Folk-Musiker Don Paulin brachte er 1975 unter dem Titel „Hard Travelling“ ein Album mit Blues- und Folk-Klassikern wie „Midnight Special“, „Wade In The Water“ und „Hootchie Cootchie Man“ heraus.

Ein Album, das beinahe pädagogischen Charakter hatte und viele Jüngere erstmals mit dem klassischem Liedgut des schwarzen Amerika in Berührung brachte.

Nun ist Bill Ramsey, wir verneigen uns, im Alter von 90 Jahren in seiner langjährigen Wahlheimat Hamburg gestorben. (Harry Nutt)

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