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Wo kommt die Frauenleiche her? Von links nach rechts: Rudi (Simon Schwarz), die Oma (Enzi Fuchs), Leopold (Gerhard Wittmann), Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) und Papa Eberhofer (Eisi Gulp)

„Sauerkrautkoma“, ARD

„Sauerkrautkoma“: Hommage an Niederbayern

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Auch in der fünften Episode der Provinzkrimis mit Sebastian Bezzel als schluffigem Dorfpolizisten ist die Handlung bloß ein Vorwand für viele witzige Szenen.

Die Provinzkrimis mit Sebastian Bezzel als schluffigem niederbayerischen Dorfpolizisten Eberhofer sind ein Erfolgsphänomen: Aufwand, Anmutung und Inhalt unterscheiden sich kaum von vergleichbaren TV-Komödien. Trotzdem hatte „Sauerkrautkoma“, der fünfte Film der Reihe, über eine Million Kinobesucher; und das, obwohl sich bei der Adaption der Romane von Rita Falk längst eine gewisse Routine eingeschlichen hat. Die Verfilmungen funktionieren nicht zuletzt dank ihrer Kontinuität vor und hinter der Kamera nach dem „Alle Jahre wieder“-Prinzip: Regie führt stets Ed Herzog, Stefan Betz hat zum dritten Mal in Folge das Drehbuch geschrieben, und anders als bei Fernsehreihen, in denen Darsteller auch schon mal stillschweigend wechseln, sind alle Mitwirkenden der Reihe treu geblieben.

Natürlich gilt das auch für die Figuren, weshalb Oma Eberhofer (Enzi Fuchs) ihren Enkel ein ums andere Mal überreden will, endlich seine Susi (Lisa Maria Potthoff) zu heiraten. Franz findet die Vorstellung jedoch eher abschreckend, zumal er eine zwar platonische, ansonsten aber eheähnliche Beziehung mit seinem früheren Kollegen und heutigem Privatdetektiv Rudi Birkenberger (Simon Schwarz) führt. 

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Auch sonst ist in „Sauerkrautkoma“ alles wie gehabt: Vater Eberhofer (Eisi Gulp) kifft fröhlich vor sich hin, schimpft auf die Staatsmacht und findet auch sonst allerlei Anlässe für herzhafte Flüche; Franz’ Freunde Simmerl und Flötzinger (Stephan Zinner, Daniel Christensen) lassen sich betrunken zu haarsträubendem Unfug hinreißen; und irgendwann kommt auch der einzige Niederkaltenkirchener Kreisverkehr zur Geltung. Den einzigen Unterschied zwischen den Geschichten, die Martin Probst mit launiger Blasmusik inklusive moderater Italo-Western-Elemente unterlegt, bilden im Grunde der jeweilige Kriminalfall sowie das Auf und Ab zwischen Eberhofer und Susi. Ein durchgehendes Qualitätsmerkmal ist auch die sorgfältige Bildgestaltung (Sebastian Edschmid).

Sauerkrautkoma: Die kriminalistische Ebene ist eher dünn

„Sauerkrautkoma“ beginnt mit einem erfolgreichen Komplott. Eberhofers Vorgesetzter (Sigi Zimmerschied) und der Bürgermeister (Thomas Kügel) sorgen dafür, dass der Dorfpolizist nach München versetzt wird; dort landet er ausgerechnet in der Abteilung von Elisabeth „Thin Lizzy“ Mayerhofer (Nora Waldstätten), die zuletzt in „Grießnockerlaffäre“ noch wegen Mordverdachts gegen ihn ermittelt hat. Allerdings findet er umgehend einen Grund, doch wieder in seiner Heimat im Kreis Landshut ermitteln zu dürfen: Während des Umzugs ist Vaters Opel Admiral geklaut worden. Das Auto taucht zwar in einem Wald nahe Niederkaltenkirchen wieder auf, aber im Kofferraum liegt eine Leiche. Es handelt sich um das serbische Au-pair-Mädchen aus dem Haushalt des Bürgermeisters, und als sich rausstellt, dass die junge Frau schwanger war, ist der Fall für Eberhofer klar.

Im Vergleich zu den raffinierten Drehbüchern selbst mancher Serien ist die kriminalistische Ebene des Films fast schon dramatisch dünn, aber die Bezeichnung „Krimikomödie“ wäre ohnehin irreführend; letztlich ist jeder Fall bloß ein Vorwand, um mit Hilfe der liebenswert skurrilen Figuren möglichst viele witzige Szenen erzählen zu können. Mindestens ebensoviel Gewicht wie die Mördersuche hat diesmal Eberhofers Furcht, seine Susi zu verlieren. 

Gedeon Burkhard als „Fleischi“ aus dem Silicon Valley

Die Freundin hat ihm mit ihrem Kinderwunsch zwar einen gehörigen Schrecken versetzt, aber dass sie sich beim Schuljubiläum dem einstmals wegen seiner Korpulenz „Fleischi“ genannten früheren Mitschüler Fleischmann (Gedeon Burkhard), heute rank und schlank und im Silicon Valley zu Geld gekommen, an den Hals wirft, gefällt ihm natürlich auch nicht. Obwohl er seinen Heiratsantrag im Rathaus wie einen Verwaltungsakt vorgetragen hat, wird schließlich doch noch die Hochzeit vorbereitet; aber natürlich kommt am Ende alles völlig anders.

Viel schöner als diese nur theoretisch romantische Ebene sind die Szenen mit Bezzel und Schwarz. Rudi lässt den Freund nach der Versetzung großzügig bei sich in München wohnen, wo sie fortan gemeinsam „mit Liebe gekochte“ Ravioli futtern, bis Eberhofer den Dosenfraß satt hat und einen großen Topf Sauerkraut kocht. Den anschließenden lautstarken Verdauungsvorgängen verdankt der Film nicht nur seinen Titel, sondern auch einige reichlich deftige Momente. Dass sich Rudi am Schluss in den Fuß schießt, ist ebenfalls nicht untypisch für den Humor der Reihe. Eine besondere Würdigung wert ist allerdings die Arbeit von Szenenbildnerin Anette Ingerl: Rudis Bleibe entspricht perfekt den bürgerlichen Behaglichkeitsvorstellungen der Siebzigerjahre, und die protzige Villa des Bürgermeisters ist eine Ansammlung von geschmacklosem Neureichkitsch.

Zur Sendung

Sauerkrautkoma, 19.8., 20.15 Uhr, ARD

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