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„Schachnovelle“
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Albrecht Schuch (l) als Franz Josef Böhm und Oliver Masucci als Josef Bartok in einer Szene des Films „Schachnovelle“.

Literaturverfilmung

Zweigs Klassiker „Schachnovelle“: gelungene Adaption

Buchverfilmungen sind eine durchaus heikle Angelegenheit, gehen gern mal in die Hose. Die von Philipp Stölzl gedrehte Neuadaption der Schachnovelle aber überzeugt auf ganzer Linie.

Berlin - Erich Kästner, Thomas Mann und nun auch Stefan Zweig: Das deutschsprachige Kino schaut in diesem Spätsommer besonders gern auf große deutschsprachige Autoren.

Mit der Anfang August angelaufenen Kästner-Adaption „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ von Regisseur Dominik Graf ging's los, Anfang September folgte die von Detlev Buck gedrehte Neuverfilmung des Mann-Romans „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Nun kommt das beeindruckende, das erschütternde Psychogramm eines Unbeugsamen in die Kinos: die Neuverfilmung der „Schachnovelle“.

Es ist der Text, der zu einer Art Abschiedsbrief von Stefan Zweig werden sollte: Nur Monate nach Fertigstellung des kaum 90 Seiten langen Werks über einen ehemaligen Gefangenen der Gestapo wählte der Humanist und Pazifist im brasilianischen Exil 1942 den Freitod. Die Regie zur Adaption kommt von Philipp Stölzl; die nicht eben einfache Hauptrolle hat Oliver Masucci inne. Mit dabei sind auch Birgit Minichmayr und Albrecht Schuch.

Im Jahr 1934 hatte der, einer jüdischen Familie entstammende, in Wien geborene Stefan Zweig das von den Nationalsozialisten terrorisierte Österreich zunächst in Richtung England verlassen. Ähnlich seinem literarischen Vorbild beginnt nun auch die durch Stölzl („Nordwand“, „Ich war noch niemals in New York“) besorgte Adaption damit, dass sich der Protagonist Josef Bartok (Masucci) zur Nazizeit ins südamerikanische Exil begibt. Der bald einsetzende Rückblick offenbart all die Torturen, die er zuvor hat erleiden müssen. Darunter vor allem die monatelange „Sonderbehandlung“ im Hotel Métropole durch die Nazis, im Film vor allem repräsentiert durch einen, ebenso fies höflichen wie zutiefst diabolischen Albrecht Schuch („Berlin Alexanderplatz“).

Wie Bartok (in der Text-Vorlage: „Dr. B.“) mittels nachgespielter Schachpartien der geistigen Isolation in der Haft zu trotzen sucht: Dafür findet der 112-Minüter zutiefst bewegende Bilder. Die allerdings bekommen durch Oliver Masucci eine besondere Wirkkraft - es ist ein Schauspieler, der im umstrittenen „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck eine ziemlich faszinierende, an Joseph Beuys angelehnte Figur verkörperte und sich erst in den letzten Jahren, fast etwas überraschend, zu einem der spannendsten hiesigen Kinodarsteller mausern konnte. Und das, obwohl Masucci schon 52 Jahre alt ist.

Gutes Schauspiel bedarf indes auch einer guten, einer kongenialen Führung: Regisseur Stölzl, der schon Opern und Musikvideos inszenierte, zeigt sich von seiner besten Seite. Hinzu kommt ein bewegendes, ein faszinierendes, die im Film gezeigten Gräuelmethoden der Nazizeit unterstreichendes Sounddesign.

Viel mehr als etwa an Ingmar Bergmans Klassiker des Schach-Kinos, „Das Siebente Siegel“, muss man bei dieser neuen Adaption (im Jahr 1960 kam eine Verfilmung der „Schachnovelle“ mit Curd Jürgens in die Kinos) an Terrence Malicks famosen, wenn auch viel zu wenig beachteten Film „A Hidden Life“ von 2019 denken. Dort gibt August Diehl einen Geistesverwandten Bartoks - einen, dem Nazi-Terror gegenüber ähnlich Standhaften.

Verglichen mit der, ja auch gerade erst angelaufenen Thomas-Mann-Adaption „Felix Krull“, entwickelt diese Stefan-Zweig-Verfilmung einen deutlich stärkeren Sog, sie ist ungleich packender und zwingender als Detlev Bucks leider etwas zu klamaukig geratene Mann-Verfilmung. „Alles, was ich zu geben fähig war“, so heißt es in einem Brief Stefan Zweigs, „verdanke ich einer gewissen Begeisterung; ich verstand es, andere mitzureißen...“. Wie wahr.

- Schachnovelle, Deutschland/Österreich 2021, 112 Min., FSK ab 12, von Philipp Stölzl, mit Oliver Masucci, Birgit Minichmayr, Albrecht Schuch. dpa

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