Gleich zu Beginn des Films erleidet Maria eine Fehlgeburt. Es ist bereits die neunte, wie man kurz darauf erfährt. Ihr Uterus ist vernarbt, ein weitere Schwangerschaft wäre viel zu gefährlich, sagt der Frauenarzt. Maria will das nicht einsehen.
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Gleich zu Beginn des Films erleidet Maria eine Fehlgeburt. Es ist bereits die neunte, wie man kurz darauf erfährt. Ihr Uterus ist vernarbt, ein weitere Schwangerschaft wäre viel zu gefährlich, sagt der Frauenarzt. Maria will das nicht einsehen.

„Um jeden Preis“

Der Zweck heiligt die Mittel

Wieder geht es um eine Frau, die unbedingt ein Kind will – in „Um jeden Preis“ mit Kim Basinger. Es ist das Drehbuch, das diesen Film bald in eine haarsträubende Schieflage bringt.

Von Susanne Lenz

Herrje, möchte man rufen. Dieser Film hätte doch ein Erfolg werden können! Allein seiner tollen Schauspieler wegen: Kim Basinger (super geliftet) als Maria, eine Frau mit Torschlusspanik; Jordan Prentice als herumstreunender, drogensüchtiger Zwerg; und Sebastian Schipper (ja, der Regisseur von ?Victoria? ist auch Schauspieler) als Ehemann, der eine Pause braucht. Versagt hat jedoch das Drehbuch, für das der aus Dänemark stammende Anders Morgenthaler verantwortlich ist, der auch die Regie führt. Es lässt seinen Film „Um jeden Preis“ nach dem ersten Drittel in eine haarsträubende Schieflage geraten.

Zunächst zur Ausgangslage: Maria und ihr Mann sind erfolgreich und reich. Sie wohnen in einer Riesenwohnung mit bodentiefen Fenstern, hoch über Hamburg. Sie lieben einander wahrscheinlich sogar. Doch sie haben kein Kind. Gleich zu Beginn des Films erleidet Maria eine Fehlgeburt. Es ist bereits die neunte, wie man kurz darauf erfährt. Ihr Uterus ist vernarbt, ein weitere Schwangerschaft wäre viel zu gefährlich, sagt der Frauenarzt. Maria will das nicht einsehen.

Um ihre Besessenheit darzustellen, lässt Morgenthaler sie immer wieder eine Kinderstimme hören, die zu ihr spricht. „Ich bin hier“, sagt das kleine Mädchen. Manchmal ist es sogar schemenhaft und von Rauchschwaden umgeben zu sehen. Marias Mann zieht sich aus der gemeinsamen Wohnung bald überfordert in ein Hotelzimmer zurück. Und Maria macht sich in ihrem schwarzen SUV auf zur deutsch-tschechischen Grenze. Dort werden Babys verkauft, hat sie gehört.

Von dieser Grenzregion hat man schon mehrfach in der Zeitung gelesen. Die Themen: Prostitution unter schlimmsten Bedingungen, auch von Minderjährigen, und das gefährliche Crack.

Dies sind auch Ingredenzien, derer sich Anders Morgenthaler in seinem Film bedient. Es ist Nacht, ab und zu streifen die Scheinwerfer eine auf Kundschaft wartende Prostituierte am Straßenrand, und der Zwerg Christian, den Maria aufgegabelt hat, braucht dringend Drogen. Es ist eine schöne Allianz, die sich hier gegründet hat – die kühle Geschäftsfrau und der Crackhead, und sie sorgt für die beste Szene in dem Film: Maria fragt den Abhängigen auf dem Beifahrersitz, der an seiner Pfeife zieht, ob das besser sei als das wahre Leben. Christian fängt an zu lachen: „Ist das das wahre Leben, mitten in der Nacht nach Babys zu suchen?“ Das ist eine schöne Lektion.

Christian landet auf der Suche nach dem nächsten Hit in einem Puff, dessen in ein gelbes Licht getauchte osteuropäisch-schäbige Inneneinrichtung einem ziemlich realistisch vorkommt. Doch dann sagt die Puffmutter in tschechisch gefärbtem Deutsch: „Ärrst Sex, dann Drroggen.“ Was soll das denn? Selbst als Christian anbietet, den Sex zu bezahlen, aber nicht in Anspruch zu nehmen, beharrt sie weiter darauf. So landet Christian mit einer minderjährigen Nutte auf dem Zimmer, die das Geld nicht ohne Gegenleistung annehmen will. Wahrscheinlich hat man noch nie einen Mann beim Oralsex so gequält gucken sehen wie ihn.

Man könnte hier noch weiter über die Ungereimtheiten des Morgenthaler-Drehbuchs berichten, die einem den Film verderben und einen an Stellen lachen lassen, die eigentlich dramatisch sein sollen. Aber dann würde man schon den gesamten Inhalt verraten. Die Bildgestaltung stammt immerhin von Sturla Brandth Grøvlen, dem Kameramann des Filmpreis-gekrönten Dramas „Victoria“.

Um jeden Preis. Dänemark/Deutschland 2014. Regie, Drehbuch: Anders Morgenthaler, 93 Min.

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