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Ach, könnte man solche Heiterkeit festhalten.
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Ach, könnte man solche Heiterkeit festhalten.

"Alles eine Frage der Zeit"

Zurück in den perfekten Tag

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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In Richard Curtis' romantischer Zeitreise geht es schlichtweg darum, die glücklichen Momente des Lebens immer wieder zu genießen – und das eine oder andere Detail dabei ein wenig zu verbessern. Und dennoch wird der Film an Ende wirklich berührend.

Zeitreisefilme – selten kommen sie ohne Gebrauchsanweisung daher. Auch diesmal warten wir geduldig auf den Beipackzettel, wenn ein Vater seinen erwachsenen Sohn zur Seite nimmt, um ihn ins nützliche Familiengeheimnis einzuweihen. Gottseitdank ist der von Bill Nighy verkörperte emeritierte Professor viel zu distinguiert, um mit erhobenem Zeigefinger alberne Worte wie „Raum-Zeit-Kontinuum“ auszusprechen. Die ganz großen Sprünge sind bei dieser vererbbaren Zeitreisevariante ohnehin nicht möglich, denn nur im eigenen Leben, so erklärt er, lässt sich reisen. Und auch nicht vorwärts, sondern lediglich zurück.

Kein Wunder, dass Tim Lake (Domhnall Gleeson) erst als angehender Anwalt vom Vater diesen Trick erfährt. Denn weder unendlich wiederholbare Examen noch weitsichtig ausgefüllte Lottoscheine machen diesen Trick in seinen Augen wertvoll (im schicken London, in das Regisseur Richard Curtis in dieser Hollywoodkomödie führt, sind Geldsorgen weithin unbekannt).

So geht es bei dem Kunststück also weder um Wohlstand noch um Weltverbesserung, sondern schlichtweg darum, die glücklichen Momente des Lebens immer wieder zu genießen – und das eine oder andere Detail dabei ein wenig zu verbessern. Zum Beispiel immer wieder in das selbe Tischtennismatch mit dem geliebten Vater einzutauchen. Oder schlichtweg Peinlichkeiten zu dezimieren und Liebesnächte bis zur Perfektion zu wiederholen.

Das ist zur Abwechslung einmal eine deutlich entschleunigte Variante in der langen Filmgeschichte manipulierter Zeit, der wir so atemlose Abenteuer verdanken wie „Zurück in die Zukunft“. Aber auch romantische Komödien wie Alain Resnais’ vergessenes Juwel von 1968, „Je t’aime, je t’aime“: Da unterzieht sich ein Mann einem wissenschaftlichen Experiment. Es läuft schief, und er wird gezwungen, Momente seines Lebens nochmal zu durchleben – allerdings in verkehrter Reihenfolge.

Hier geht es schon etwas gemächlicher zu, aber nicht weniger romantisch. Im Dunkel-Restaurant „Dans le Noir“ (hier ist blindes Vertrauen in die Küche gefragt) verliebt sich der junge Mann in die bezaubernd-verhuschte Mary (Rachel McAdams spielte schon einmal „Die Frau des Zeitreisenden“; hier erinnert sie mit ihrem Eichhörnchen-Charme eher an das ewig wiederkehrende Murmeltier).

Es scheint Liebe auf den ersten Blick. Doch als Tim seine Fähigkeiten nutzt, um einem befreundeten Theatermacher zu einer besseren Premiere zu verhelfen, kennt sie ihn nicht mehr: Durch die Zeitreise hat er das Kennenlernen wieder ausgelöscht und muss sie nun erst einmal einem eitlen Schnösel abspenstig machen, dem sie statt seiner begegnet ist.

Es ist schon etwas brav, wie mit dem dankbaren Kinomotiv umgegangen wird. Bei Woody Allen (an dessen europäische Exkursionen der Postkarten-Look des Films erinnert) hätte Tim wohl nicht so nobel das eindeutige Angebot einer attraktiven Freundin ausgeschlagen – schließlich lassen sich auch Seitensprünge per Zeitreise spurlos verwischen. Dennoch lacht man kaum weniger – etwa wenn seiner schrulligen Mutter Ähnlichkeit mit Andy Warhol nachgesagt wird.

Wirklich berührend wird der Film erst, wenn Tim mit dem nahenden Tod seines Vaters konfrontiert wird – und der Frage, wie lange sich das Abschiednehmen für einen Zeitreisenden hinauszögern lässt. „About Time“ heißt der Film im Original, was auch „Nun wird es Zeit“ bedeuten kann. Und tatsächlich: Erst mit dem Anschlagen ernsterer Töne findet diese Komödie zu sich selbst. Und das ohne den verspielten Charme der Liebesgeschichte dabei zu verlieren.

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