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Zum Tod von Jean-Jacques Beineix: Er und Betty Blue

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Von: Harry Nutt

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Jean-Jacques Beineix bei einer Pressekonferenz 2008. Der französische Regisseur ist im Alter von 75 Jahren gestorben.
Jean-Jacques Beineix bei einer Pressekonferenz 2008. Der französische Regisseur ist im Alter von 75 Jahren gestorben. © AFP

Der französische Regisseur Jean-Jacques Beineix hinterlässt ein schmales, aber sehr markantes Werk.

War das Wort Postmoderne zunächst vor allem als polemische Bezeichnung für einen architektonischen Stilmix gebräuchlich, so diffundierte es zu Beginn der 80er Jahre als Sammelbegriff mit Farbenpracht und Schönheit in alle Künste. Im Kino jedenfalls wurde die Postmoderne 1981 durch den Film „Diva“ eröffnet. Das Attribut Kultfilm erhielt er vor allem wegen seiner überschüssigen Energie, die sich aus Farbintensität, dramaturgischem Tempo sowie einer ungewöhnlichen Alltagsgeschichte zusammensetzte. Klassik in der Metro gewissermaßen. Ein Pariser Postbote nimmt heimlich ein Konzert einer von ihm verehrten Operndiva auf und gerät dadurch in Konflikt mit zwei taiwanesischen Gangstern.

Zwischen Gosse und Glamour

Witz, Soundtrack und ein Paris zwischen Gosse und Glamour halten in diesem Film zusammen, was nicht zusammengehört und tragen den Traum von einem aufregend anderen Leben mit einer bis dahin ungeahnten Leichtigkeit vor, ohne es sogleich als pure Illusion erscheinen zu lassen. Das Schicksal und die Abgründe der Metropole waren zu gegenwärtig, als dass genervte Kritiker sie kurzerhand als Traumwelt hätten enttarnen können.

Natürlich war der Film „Diva“ nicht die Neuerfindung des Kinos, aber abstruse Verfolgungsjagden ließen sich nunmehr auch als visuelles Spektakel wahrnehmen, ohne gleich die Spielverderber-Frage aufwerfen zu müssen: Ist das alles echt?

Jean-Jacques Beineix, 1946 in Paris geboren, hatte zunächst Medizin studiert, ehe es ihn zum Film zog, zunächst als Assistent des Regisseurs Jean Becker, der einige Filme mit Jean-Paul Belmondo gedreht hatte. Zwischen 1964 und 1971 produzierte Becker mit Beineix als Regieassistent insgesamt 32 Folgen für die TV-Serie „Eine französische Ehe“, an der Seite des Regisseurs Gérard Brach absolvierte Beineix Anfang der 70er Jahre seine erste Kinoarbeit: „Le bateau sur l’herbe“.

Die lange Lehrzeit neben anderen Regisseuren erklärt wohl auch die professionelle Sicherheit in der Mischung der Genres, die „Diva“ zum internationalen Kassenschlager machte. Wie eine leichte Liebesgeschichte am Strand in ein existenzielles Drama umschlagen kann, führte Beineix mit „Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen“ vor. Hinter der fiebrigen Lebenslust lauert eine unheilbare Krankheit.

Es war 1986 das Debüt der wunderbaren Béatrice Dalles. Die geheimnisvolle Schönheit mit der Zahnlücke war Beineix durch ein zufällig entstandenes Pressefoto aufgefallen, Dalles hatte sich bis dahin in der Pariser Punkszene herumgetrieben. Die Vorlage stammte von Philippe Djian, dessen abgeklärt-romantischen Romane perfekt zur Bilderwelt Beineix’ passten.

Aus dem eher schmalen Werk von Jean-Jacques Beineix sticht noch „Der Mond in der Gosse“ mit Nastassia Kinski und Gérard Depardieu heraus. Am Freitag ist Beineix im Alter von 75 Jahren in Paris gestorben.

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