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Der Filmemacher Helmut Herbst zeichnet an einem Tricktisch, aufgenommen Anfang der 80er Jahre. Herbst starb jetzt im Alter von 86 Jahren.
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Der Filmemacher Helmut Herbst zeichnet an einem Tricktisch, aufgenommen Anfang der 80er Jahre. Herbst starb jetzt im Alter von 86 Jahren.

Nachruf

Zum Tod von Helmut Herbst: Magische Wahrheit

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Der Filmkünstler Helmut Herbst ist 86-jährig gestorben.

Als das Kino erfunden wurde, wollten sich Magie und Wirklichkeit nicht trennen lassen. Für den Filmemacher und Filmprofessor Helmut Herbst behielt es zeitlebens diese wunderbare Omnipotenz. Kindliche Neugier und wissenschaftlicher Ehrgeiz ließen ihn nacheinander den Trick-, Dokumentar- und Spielfilm erobern und schließlich Generationen von Film-Studierenden inspirieren – erst an der Berliner DFFB, später in Kingston und von 1985-2000 an der HfG Offenbach. Kamera und Tricktisch blieben für Helmut Herbst Zauberkästen, die Wahrheit produzierten.

Es war eine Kurbelkamera aus der Stummfilmzeit, mit der er 1961 begann, Trickelemente für das „Panorama“-Magazin des NDR zu drehen, Klaus Wildenhahn hatte sein Talent entdeckt. Schon ein Jahr später produzierte er mit seiner Firma Cinegrafik neben Auftragsarbeiten einige der wenigen echten Meisterwerke des bundesdeutschen Nachkriegs-Animationsfilms: Mit dem Lyriker Peter Rühmkorf entstanden 1962/63 „Kleine Unterweisung zum glücklichen Leben“ und 1963/64 „Schwarz-Weiß-Rot“: Gleich dreimal marschieren Legetrick-Armeen in diesem satirischen Kunstwerk unter dem unseligen Farb-Dreiklang: Erst für Kaiser und Führer, schließlich für die „Bild“-Zeitung.

Seine Liebe zum Kino hatte er in den späten 50er Jahren als Malerei-Student in Paris entdeckt. Später übertrug er den Geist der Nouvelle Vague in seinen heute klassischen Kurzspielfilm „Na und?“, den er 1966/67 gemeinsam mit Hauptdarsteller Markwart Bohm inszenierte. Herbst gehört in den 60er und 70er Jahren zu den prägenden Persönlichkeiten des Anderen Kinos. Aber auch als 1967 das deutsche Fernsehen farbig wird, kommt das erste Bild von ihm: Freundlich wie ein Kuchendeckchen und doch rauschhaft-farbtrunken war auch diese Animation, Kino in seiner reinsten Form als lockende Versuchung.

Helmut Herbst, ein Selbstporträt, das um 1995 entstand.

So erfolgreich Herbst mit seinem Animationsfilmstudio in jener Zeit war, stets nutzte er seine Mittel für Produktionen von kompromissloser Unabhängigkeit. Zwischen enzyklopädischen Dokumentarfilmen über „Deutschland DADA“, den Collagen-Künstler John Heartfield (dessen Stil er in den Trickfilm fortschreibt) oder „Happening. Kunst und Protest 1968“ entstanden weiterhin Zeichentrickfilme von fast anarchischer Poesie. 1992 verwandelt er seine Liebe zum frühen Kino in einen Spielfilm von schwärmerischer Pracht, „Die Serpentintänzerin“, prominent besetzt mit Karina Fallenstein, Ben Becker, Eva Mattes und Otto Sander.

Nicht nur in seinen Dokumentarfilmen war Herbst ein begnadeter Vermittler. Seinen Studierenden gab er weiter, was er sich beigebracht hatte: die rechte Mischung aus Handwerkszeug und Freiheitsgeist. In der Öffentlichkeit meldete er sich meist in einer wichtigen filmpolitischen Frage zu Wort, der dringenden Sicherung des Filmerbes.

In seinem Heimstudio im Odenwald, wo er mit seiner Frau, der Editorin Renate Merck wirkte, kam aber auch seine künstlerische Arbeit nicht zum Stillstand. Erst 2019 erlebte er als Produzent und Editor des Dokumentarfilms „Es geht ein dunkle Wolk herein“ einen Publikumserfolg beim Festival Ludwigshafen. Am Samstag ist Helmut Herbst 86-jährig in Brombachtal gestorben.

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