feu_peel_120920
+
Diana Rigg im Januar 1970.

Nachruf

Zum Tod von Diana Rigg: Mit Stil, Charme und eine Ikone

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
    schließen

Emma Peel war nicht von ungefähr schlagfertig in einer Zeit des Aufbruchs: Zum Tod der Schauspielerin Diana Rigg.

In ihren eng anliegenden Hosenanzügen und Leder-Outfits, zu denen sie den energisch gezogenen Colt wie ein modisches Accessoire trug, wurde Diana Rigg in den 60er-Jahren schnell zu einer Sehnsuchtsfigur pubertierender Jugendlicher. Die hatten ihre sexuelle Neugier bis dahin bevorzugt in den Versandkatalogen der Modehäuser Otto und Neckermann zu beruhigen vermocht, ab Mitte der 60er-Jahre aber geriet deren erotische Fantasie in den Bann von Diana Rigg alias Emma Peel. Allein der Name jener Frauenrolle, die sie in der Krimi-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ verkörperte, verlieh ihr etwas Forsch-Schnittiges, das es in der deutschen Unterhaltungskultur bis dahin kaum gab. Sie passte gut zu den schnellen Autos, die zu dieser Zeit ebenfalls aus Großbritannien kamen.

Skurrile Ironie

Zum Erfolg der Serie trug nicht zuletzt auch das mit skurriler Ironie entworfene Pendant bei, das ihr Schauspielpartner Patrick MacKnee als britischer Gentleman abgab. Schirm, Melone und eine trockene Steifheit waren sein Part, Diana Rigg aber brachte neben der zu dieser Zeit recht provokativen Sexyness eine große Portion Witz und Schlagfertigkeit ein, die über die kriminalistische Handlung des Seriengeschehens dominierten. Emma Peel war vor allem ein ikonografisches Ereignis, und die Macher der späteren Video- und Computerspielfigur Lara Croft (im Film dargestellt durch Angelina Jolie) dürften sich an ihr zum Entwurf einer die Bildgeschichte der 60er-Jahre prägenden Figur der amazonenhaft-mythischen Kämpferin ein Beispiel genommen haben.

Die Ausstrahlung einer modernen und emanzipierten Frau war im Fall von Diana Rigg keineswegs nur das Attribut einer Rolle. Die 1938 in Doncaster als Tochter eines Eisenbahningenieurs geborene Rigg war äußerst selbstbewusst und setzte sich, wenn die Kameras abgeschaltet waren, für die bessere Bezahlung weiblicher Darsteller ein. Es sei äußerst deprimierend, sagte Rigg 2019 in einem Interview, dass man in der Filmbranche noch immer über einen Gender-Pay-Gap diskutiere. Im Kontext einer deutschen Emanzipationsgeschichte ist zumindest bemerkenswert, dass das Rollenklischee der Emma Peel nicht unbedingt den feministischen Vorstellungen einer Alice Schwarzer entsprach, aber zumindest unbewusst dürfte Emma Peel auch Namenspatronin der von Schwarzer gegründeten Frauenzeitschrift Emma gewesen sein.

Diana Rigg, die bis zu ihrem achten Lebensjahr in Indien aufgewachsen war, hatte zwischen 1955 und 1957 an der Royal Academy of Dramatic Art Schauspielkunst studiert und ihr Bühnendebüt in Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“ gegeben. Zu ihrer Karriere gehört zweifellos auch eine Rolle in der James-Bond-Reihe, wo sie an der Seite des Geheimagenten 007 (George Lazenby) die einzige Darstellerin war, die als Ehefrau des am Ende doch meist einsam bleibenden Frauenhelden James Bond fungierte.

Einmal Ikone – immer Ikone. Zwei Altersrollen werden auf immer mit Diana Rigg verbunden bleiben. Sie trat ebenso in der Serie „Doctor Who“ auf wie in der Fantasy-Saga „Game of Thrones“. Am Donnerstag ist Diana Rigg im Alter von 82 Jahren in London gestorben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare