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Zum Tod von Angela Lansbury: Mord war ihr Hobby

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Von: Daniel Kothenschulte

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Angela Lansbury.
Angela Lansbury. © dpa

Zum Tod der großen Hollywood-Charakterdarstellerin Angela Lansbury.

Schauspieler werden nicht gemacht, sondern geboren“, war Angela Lansbury überzeugt. Darunter verstand sie aber wohl etwas anderes als die oft äußerlichen Kriterien, aufgrund derer im Hollywood der 1940er Jahre nach weiblichem Nachwuchs gefahndet wurde. Sie war ein Naturtalent als Charakterdarstellerin – und im Gegensatz zu den meisten Stars eine eher herbe Schönheit.

Bereits ihre erste Rolle als Hausmädchen im Klassiker „Das Haus der Lady Alquist“ brachte ihr eine Oscar-Nominierung ein. Heute ist der Originaltitel des Films von 1944, „Gaslight“, wieder in aller Munde. Unter „Gaslighting“ versteht man das manipulative Einreden falscher Dinge – wobei ihre Filmfigur dem von Ingrid Bergman gespielten Opfer eher durch ihre hinreißende Schnippischkeit als durch böse Absichten zusetzt. Dafür ist Charles Boyer als deren böswilliger Ehemann zuständig, mit dem Lansburys Nancy schamlos flirtet.

Diese anspruchsvolle Rolle gelang ihr als Teenager, ebenso wie ihre zweite Oscar-Nominierung für „Das Bildnis des Dorian Gray“. Zuletzt gehörte die 96-Jährige zu den letzten Überlebenden dieser großen Zeit des US-amerikanischen Studiokinos.

Mit etwas derben Unterschichtsfiguren begann Angela Lansbury eine Karriere, die die Britin in Hollywood schließlich zur idealen Verkörperung damenhafter Noblesse werden ließ. Von Miss Marple, die sie 1980 im star-besetzten Krimi „Mord im Spiegel“ verkörperte, bis zur Teekanne Mrs. Potts, der sie in Disneys Zeichentrickfilm „Die Schöne und das Biest“ ihre Stimme lieh. Dort sang sie auch das berühmte Titellied. Schon eine frühere Disneyproduktion nutzte ihr gesangliches Talent: In „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“ – in Deutschland vor allem für sein gezeichnetes Fußballspiel geschätzt – spielt sie die Hauptrolle, eine schrullige Hobby-Hexe, die sich während des Kriegs widerwillig um Waisenkinder kümmern muss. Lansbury ist die perfekte Besetzung auch dieser ruppigen Mrs. Price.

Wie Bette Davis

Lansbury, die auch auf dem Broadway in Musicals wie „Mame“ und „Sweeney Todd“ Erfolge feierte, war eine ungemein vielseitige Schauspielerin – und ist doch vor allem für eine darstellerisch wenig anspruchsvolle Krimiserie in Erinnerung geblieben. 264 Mal spielte sie in den 80er und 90er Jahren die ermittelnde Krimi-Autorin Jessica Fletcher in der Serie „Mord war ihr Hobby“. Die Serie – zuerst in Deutschland bekannt als „Immer wenn sie Krimis schrieb“ – war auch ein Befreiungsschlag von früheren Rollenmustern: „Ich war es einfach leid, Schlampen auf Rädern und die Mütter von Leuten zu spielen“, resümierte die später mit dem britischen Adelstitel Dame geehrte Schauspielerin. Das Ähnlichste, was das klassische Hollywood zu Lansbury und ihren auf oft herbe Art dominierenden Frauenfiguren zu bieten hatte, war ein Star, den sie zutiefst bewunderte: Bette Davis („weder vor noch nach ihr konnte ihr jemand das Wasser reichen“).

Tatsächlich galt das auch für Angela Lansbury: Sie war bis ins hohe Alter aktiv, zuletzt eine der letzten Brücken ins alte Hollywood. Wenn man sie nur aus ihren populären Fernsehserien kennt, ist man vielleicht überrascht, wie präsent sie zuvor auf der Leinwand war: In „Die drei Musketiere“ spielte sie 1948 Queen Mary, im Monumentalfilm „Die zehn Gebote“ ist sie als Semadar zu sehen. Fünf Tage vor ihrem 97. Geburtstag ist Angela Lansbury am 11. Oktober in Los Angeles gestorben.

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