„Hart aber Fair“ (ARD) mit Frank Plasberg ist aus der Sommerpause zurück.
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„Hart aber Fair“ (ARD) mit Frank Plasberg ist aus der Sommerpause zurück.

TV-Kritik

„Hart aber Fair“: Erste Sendung nach Sommerpause, gleich bei Themensetzung versagt

  • vonJosephine von der Haar
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„Hart aber Fair" mit Frank Plasberg in der ARD ist aus der Sommerpause zurück. Der Moderator gibt in der ersten Sendung keine gute Figur ab.

  • „Hart aber Fair" mit Frank Plasberg in der ARD zurück aus der Sommerpause
  • Frank Plasberg gibt in der ersten Sendung keine gute Figur ab
  • Bei der Themensetzung versagt

Mangelnde Ambitionen in puncto Themenauswahl kann man Frank Plasberg wahrlich nicht vorwerfen. So viele Themen unterzubringen, dass am Ende keines wirklich besprochen wird, scheint das Sendungskonzept von „Hart aber Fair“ (ARD) zu sein. Leider führt das dazu, dass Plasberg eher mit dem Unterbrechen seiner Gäste beschäftigt ist, als mit einer Moderation. So geschehen auch in der ersten Sendung nach der Sommerpause mit dem Thema „Der ungeliebte Urlaubs-Rückkehrer: Wer hat Corona wieder reingelassen?“ Neben den Reiserückkehrer*innen wurden in der Sendung die Schulöffnungen thematisiert, die Folgen der Pandemie für die Wirtschaft und der Umgang mit Corona-Leugner*innen.

„Hart aber Fair" mit Frank Plasberg in der ARD: Gäste geben sich deutlich eloquenter als der Moderator

Immerhin geben sich alle anwesenden Gäste deutlich eloquenter als der Moderator selbst. Das führt dazu – und das ist das Besondere an dieser Sendung –, dass die Zuschauer*innen trotz des Blumenstrauß an Themen einige Erkenntnisse gewinnen können.

Rund ein Drittel der aktuellen Coronavirus-Fälle sind auf Auslandsreisende zurückzuführen. Der Umgang mit den Reiserückkehrer*innen – insbesondere denen aus Risikogebieten – beherrscht zu Beginn die Sendung „Hart aber Fair" (ARD). Dass Urlaubsreisen grundsätzlich unproblematisch sind, darin sind sich die Diskutierenden einig. Anders sieht es jedoch bei der Bewertung von Reisen in Risikogebiete aus. Der Wirtschaftswissenschaftler Michael Hüther bemerkt hierzu, weniger die Reise an sich sei entscheidend, als vielmehr das Verhalten im Ausland. Er appelliert dabei an die Verantwortung der Einzelnen, sich auch im Ausland an die bestehenden Corona-Regeln zu halten. Auch Peter Tschentscher (SPD) bezeichnet im Verlauf der Sendung das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes als „Dienst an der Gesellschaft“.

Kabarettist Florian Schroeder bei „Hart aber Fair" in der ARD

Nicht alle sind jedoch dazu bereit, diesen Dienst auszuführen. Immer wieder finden deutschlandweit Demonstrationen gegen die Maßnahmen zum Infektionsschutz (oder wahlweise auch gleich gegen Merkel, die Medien und andere Feindbilder der Rechten) statt. Der Kabarettist Florian Schroeder trat vor Kurzem bei einer solchen Demonstration auf. Dort nutzte er die Gelegenheit, um die Anwesenden auf die Gefahr des Coronavirus hinzuweisen und ihre einseitige Vorstellung von (Meinungs-)Freiheit vorzuführen. „Freiheit heißt nicht Verantwortungslosigkeit“, so Schroeder in einem bei „Hart aber Fair" (ARD) eingespielten Video.

Die Diskussion über den Umgang mit Corona-Leugner*innen nutzt Hüther für eine tiefere Analyse bei „Hart aber Fair" im Ersten. In modernen Gesellschaften seien die Einzelnen geneigt, ihre persönlichen Ansichten, ihren Willen und ihre Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Es entstehe der Eindruck, man könne seine Freiheiten ohne Verantwortungsübernahme ausleben. Hüther spricht hier in Anlehnung an Francis Fukuyama von einem „Identitätsegoismus“.

Frank Plasberg fällt seinen Gästen bei „Hart aber Fair" (ARD) ständig ins Wort

Bezogen auf aktuelle Demonstrationen der Corona-Leugner schlussfolgert Schroeder: „Uns wird immer erzählt, ‚Du allein bist verantwortlich für dein Leben‘. Und dann gibt es Menschen die sich sagen, ich allein bin verantwortlich, ob ich eine Maske trage oder nicht.“ Das sei ein Problem.

Wie also umgehen mit Corona-Leugner*innen? Mit ihnen reden? Jein. Bei „Hart aber Fair“ (ARD) sind sich alle einig, dass es sich durchaus lohnen kann, das Gespräch zu suchen. Zugleich gibt sich niemand der Illusion hin, damit auch tatsächlich alle erreichen zu können. Bei denjenigen, deren verschwörungstheoretisches Weltbild bereits gefestigt ist, kommt man auch mit Fakten nicht weiter, bemerkt die Wissenschaftsredakteurin der Süddeutschen Zeitung Christina Berndt.

Der Runde tut es gut, dass sachlich und differenziert argumentierende Personen eingeladen sind. Leider scheint Frank Plasberg seine einzige Aufgabe bei „Hart aber Fair" (ARD) jedoch darin zu sehen, seinen Gästen ins Wort zu fallen und unterbricht damit auch diese Diskussion. (Josephine von der Haar)

In „Am Puls Deutschlands“ im ZDF ist die Flüchtlingspolitik das Thema - fünf Jahre nach Angela Merkels „wir schaffen das".

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