Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jenseits der Spree - Blutsbande im ZDF
+
Jenseits der Spree - Blutsbande im ZDF

TV-Kritik

„Jenseits der Spree“ (ZDF): Neuer Freitagskrimi mit Jürgen Vogel und Seyneb Saleh

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
    schließen

Das ZDF startet mit vorerst vier noch ausbaubaren Folgen eine neue Freitagskrimireihe mit Jürgen Vogel und Seyneb Saleh in den Hauptrollen.

Berlin – „Jenseits der Spree“ ist eine ZDF-Berlin-Serie, die – bislang – ohne Aufnahmen vom Potsdamer Platz, Kottbusser Tor, Neuköllner Kiez auskommt. In Köpenick vereinen sich Dahme und Spree, das grüne Umland und der Müggelsee sind nah. Schlossinsel, Flusslandschaften, alter Baubestand – für Dreharbeiten stehen pittoreske Schauplätze zur Verfügung. Aber das Team hinter dem neuen Freitagskrimi „Jenseits der Spree“ hat sich nicht verleiten lassen, die Serie als farbenfrohen Fremdenverkehrsprospekt mit Dauersonnenschein anzulegen.

Die Geschichte beginnt sogar sehr düster. Die Hauptkommissare Robert Heffler (Jürgen Vogel) und Katharina Koblinski (Elisabeth Baulitz) beobachten versteckt einen Geiselnehmer, der auf dem Ausflugsschiff „Alexander“ eine Gruppe junger Mädchen gefangenhält. Unter ihnen ist auch Hefflers Tochter Carlotta Heffler (Lea Zoë Voss). Das Spezialkommando wird erwartet. Als aber die Situation sich zuspitzt, greift Heffler ein. Es gelingt ihm, die jungen Frauen heimlich vom Schiff zu lotsen.
Bis auf eine, die vor Angst erstarrt ist. Der Geiselnehmer wird aufmerksam. Und schießt.

„Jenseits der Spree“ (ZDF): Die Familie geht vor

Drei Jahre später. Heffler hat die damalige Attacke überlebt und Konsequenzen gezogen. Er arbeitet jetzt im Innendienst als Disponent. Bis der Personalmangel ihn zwingt, ausnahmsweise noch einmal als Ermittler tätig zu werden. An der Seite der neuen Kollegin Kay Freund (Seyneb Saleh).

Für Heffler eine verzwickte Sache, weil der alleinerziehende Vater seinen drei Töchtern versprochen hatte, sich nicht mehr in Gefahr zu begeben. Zu groß ist deren Angst, eines Tages als Waisen zurückzubleiben.

„Jenseits der Spree“ (ZDF): Familienleben liefert Hintergrund

Hefflers bisweilen konfliktträchtiges, manchmal anstrengendes oder auch amüsantes Familienleben liefert den durchgehenden Hintergrund der vierteiligen Serie. Mal drückt sich Nesthäkchen Emmi (Bella Bading) durch vorgetäuschtes Unwohlsein vor der Mathearbeit, mal braucht Stella (Luna Jordan) ein wenig Rückhalt, um sich der Konkurrenzsituation im Skaterpark zu stellen. Heffler lässt die Kollegin zuweilen abrupt am Arbeitsplatz stehen, wenn von daheim eine Krise gemeldet wird.

An den Rand der Dysfunktion geraten die Vater-Tochter-Beziehungen, als Carlotta herausfindet, dass Robert entgegen seinem Versprechen wieder Aufgaben im Außendienst wahrnimmt. Bei der einmaligen Ausnahme nämlich ist es nicht geblieben. Eine Schwachstelle in den Drehbüchern, denn Hefflers Sinneswandel wird nicht als Ergebnis einer Entwicklung herausgearbeitet, sondern einfach so eingeworfen.

„Jenseits der Spree“ (ZDF): Flirt mit der Rechtsmedizinerin

Vielleicht hat die Kollegin Kay Freund damit zu tun. Sie wurde nach Köpenick zwangsversetzt, der Grund dafür bleibt vorerst offen; sie ist deutlich jünger, taff, energisch und nicht auf den Mund gefallen.

Wenn Heffler frotzelt: „Meine Generation hatte noch Kopfrechnen in der Schule“ bekommt er ein freches „O.k., Opa …“ zur Antwort. Aber ihm gefällt das. Der Ton zwischen ihm und seiner Vorgesetzten Koblinski ist ähnlich. Beim Übungsschießen stichelt sie: „Wenn du triffst, schlafe ich mit dir.“ Und man ist sich nicht sicher, ob sie nur einen Scherz machen wollte. Umgekehrt wär’s ein Fall für die Gleichstellungsstelle.

Bahnt sich etwas an zwischen Kay Freund und dem alten Mann? Kaum. Freund – nomen est omen – ist am eigenen Geschlecht interessiert, und ihr verkappter Flirt mit der Rechtsmedizinerin Veronika Schäfer (Anne Müller) gehört zu den schönsten Szenen der Serie. Getrübt nur dadurch, dass die ansonsten sehr tüchtige Frau Schäfer die eigene Berufsbezeichnung nicht zu kennen scheint: Sie stellt sich als „Pathologin“ vor. Ein ewiges Rätsel, warum deutsche Drehbuchautoren diesen falschen Begriff ähnlich beharrlich verwenden wie den in der Praxis nicht gebräuchlichen „Forensiker“. Beides wohl nicht zufällig wörtlich und damit verfälschend übernommene Anglizismen.

„Jenseits der Spree“ (ZDF): Manchmal ein Hauch von Ironie

Die Kriminalfälle, pro Folge ein Mord, der immer eine Auflösung findet, werden gradlinig erzählt und routiniert ausgeführt. Keine Mätzchen, keine zweite Ebene. Gelegentlich mal ein Hauch von Ironie, wenn beim Gespräch mit dem Vater einer Drogenabhängigen dessen Hausbar mit einer ganzen Batterie alkoholischer Getränke zu sehen ist.

„Jenseits der Spree“, Freitag, 24.9.2021, 20:15 Uhr, ZDF, und Folge 1 bereits in der ZDF-Mediathek.

Aktuelle Themen wie Grauzonen in der Gesetzgebung, afrikanische Raubkunst, Korruption fließen ein. An einigen Stellen übertreiben es die zuständigen Regisseure Marcus Ulbricht und Neelesha Barthel mit den gewollt vielsagenden Musikeinblendungen. Da wird künstlich emotionalisiert, wo die Schauspielkunst ausreichen sollte. Was sie bei dieser Darstellerriege in der Mehrzahl der Sendeminuten auch tut.

„Jenseits der Spree“ (ZDF): Vier Folgen der Serie

Das ZDF beließ es vorerst bei vier Folgen, und es ist schon klar, dass aus den Hauptfiguren mehr herausgeholt werden kann. Kay Freund hat augenscheinlich ein gespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter, sie wird, Vorsicht, Kalauer, gut Freund mit Hefflers Töchtern, und natürlich steht noch aus, ihr ein – lesbisches oder bisexuelles? – Liebesleben zuzuschreiben. (Harald Keller)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare