Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock war im ZDF-Sommerinterview zu Gast.
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Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock war im ZDF-Sommerinterview zu Gast.

ZDF-Sommerinterview

Grünen-Chefin Baerbock erklärt, was die Aufgabe unserer Generation ist

  • Daland Segler
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Die Grünen-Co-Vorsitzende Annalena Baerbock macht im ZDF-Sommerinterview deutlich, warum ihr Regierungsverantwortung wichtig ist.

„Sie müssen jetzt schon sehr ins Detail gehen, um das zu erklären“, hält ZDF-Redakteurin Shakuntala Banerjee der grünen Co-Chefin Annalena Baerbock irgendwann vor. Besser hätte die ZDF-Frau das Dilemma ihrer Veranstaltung allerdings gar nicht erklären können. Selbstverständlich können politische Probleme nicht mit plakativen Slogans dargestellt werden – weil es eben so kompliziert ist in der Welt.

Aber für Differenzierung ist eben in einem knapp 20-minütigen TV-Gespräch kein Raum. Baerbock versuchte es trotzdem, obwohl Banerjee sich eine merkwürdige Strategie für das „Sommerinterview“ ausgedacht hatte: Sie konfrontierte ihr Gegenüber ein ums andere Mal mit der Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit grüner Politik.

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Nun ist diese Differenz kein Alleinstellungsmerkmal der Partei, weshalb die permanenten Fragen danach etwas hilflos wirkten. Aber für ein paar Inhalte reichte es dennoch. So konnte Baerbock die Behauptung der Redakteurin, die Grünen hätten „den Anschluss verloren“ bei der Klimapolitik, weil sich jetzt schon andere Parteien zu diesem Thema gegründet hätten, offensiv beantworten: „Dass eine Umweltbewegung, dass eine Jugendbewegung sagt, Leute, wir sind der Stachel im Fleisch“, das sei „total richtig.“ Sie halte es für essenziell, „dass wir immer von Bewegungen auch getrieben werden“. Denn „Klimaneutralität ist die Aufgabe unserer Generation.“ So hätte sie sich gewünscht, dass ein deutscher Autohersteller in Brandenburg eine Elektromotorenfabrik gebaut hätte.

Und die grüne Spitzenfrau konnte auch erklären, warum sie den neuen Bestimmungen über Schweinehaltung zugestimmt haben, obwohl Tierschützer und Parteifreunde selbst weitergehende Forderungen hatten. Man müsse eben erst einmal Schritte machen, um große Dinge zu erreichen. Die Alternative sei ja oft, mache man den ersten Schritt oder agiere gar nicht. Und es gehöre eben zu Regierungsverantwortung, „dass man vom Wahlprogramm nicht alles komplett umsetzen kann.“

Baerbock im ZDF-Sommerinterview: Ohne Kompromisse geht es nicht

Diese Haltung vertrat Baerbock grundsätzlich, wenn sie von der ZDF-Frau immer wieder auf Kompromisse angesprochen wurde, die die Partei gemacht habe: Es sei für die Wähler*innen „nicht ganz leicht zu erkennen, was man da bekommen kann“, wenn die Grünen mitregierten (wie in elf Bundesländern). Das war nun wirklich billig, denn das gilt erstens für alle Parteien und ignoriert zweitens um des Scheins von Kritik willen das demokratische Grundprinzip des Kompromisses.

Doch konnte die Politikerin die Fragen nutzen, um deutlich zu machen, dass die Grünen Regierungsverantwortung wollen. Auch mit der CDU, selbst wenn das wieder eine Große Koalition wäre, die die Grünen doch ablehnten, fragte Banerjee? Und musste sich belehren lassen, dass die „Größe“ von Koalitionen inzwischen doch eine andere ist. Auch eine Dreierkonstellation kann sich Baerbock „natürlich vorstellen“. Schließlich sei doch wichtig, das die demokratischen Parteien das Land voranbrächten. Und sei es mit Kompromissen, wäre hinzuzufügen, auch wenn für Journalist#innen daraus weniger Honig zu saugen ist. Von Daland Segler

Das ZDF-Sommerinterview von Sonntag, 23. August im Netz.

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