Annegret Kramp-Karrenbauer (r), CDU-Bundesvorsitzende und Verteidigungsministerin, spricht mit Shakuntala Banerjee, stellvertretende Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin, beim ZDF Sommerinterview 2020 für die Sendung Berlin direkt.
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Annegret Kramp-Karrenbauer im ZDF-Sommerinterview – die CDU-Chefin fürchtet einen „ruinösen“ Machtkampf in der Partei und ist wütend über „Nazi-Propaganda“ vor dem Reichstag.

TV-Kritik

ZDF-Sommerinterview: Annegret Kramp-Karrenbauer wütend über Eskalation vor Reichstag

  • Daland Segler
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Die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer darf das Finale der ZDF-Sommerinterviews bestreiten. Über die Eskalation vor dem Reichstag zeigt sie sich wütend.

  • Im ZDF-Sommerinterview äußert sich wütend CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer über die Eskalation vor dem Reichstag in Berlin.
  • Zudem warnt sie vor „ruinösen“ Machtkampf innerhalb der Partei.
  • Die Parteivorsitzende will nicht, dass die CDU wieder zu einer reinen Männerpartei verkommt.

Während in Minsk Zehntausende unter Lebensgefahr für ihre Freiheit und gegen den Diktator demonstrieren, versuchen Dummköpfe, Nazifreunde und Nazis in Berlin den Ort des Parlaments zu stürmen. Die Demonstration, bei der sie für ihren Begriff von Freiheit, also Verantwortungslosigkeit, aufmarschiert waren, war ihnen von bundesdeutschen Gerichten genehmigt worden – weil das Demonstrationsrecht ein schützenswertes Gut sei und in Verkennung der Tatsache, dass die Nazi-Mischpoke eben dieses Recht mit Füßen treten würde. Die Folge: rechtsextremer Mob mit schwarz-weiß-roten Flaggen vor dem Portal des Reichstags.

Annegret Kramp-Karrenbauer im ZDF-Sommerinterview: Wütend über „Nazi-Propaganda“

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) zeigte im ZDF-Sommerinterview eine angemessene Reaktion: „Ich bin wütend über diese Bilder und dass es gelungen ist, solche Bilder zu produzieren“, sagte sie im Gespräch mit Shakuntala Banerjee vom ZDF. Das Demonstrationsrecht sei „missbraucht worden für Nazi-Propaganda“.

Sie übte zudem Kritik daran, dass Demonstranten sich nicht genügend von Rechtsextremen distanziert hätten. Sie sah die Verantwortung bei den Demo-Teilnehmern. Da müsse sich jeder überlegen, ob Unbehagen und Kritik es rechtfertigten, „dass man mit Nazis zusammen versucht, den Reichstag zu stürmen.“ Die Frage ihrer Gesprächspartnerin, was die CDU versäumt habe, dass es zu solchen Szenen wie vor dem Reichstag kommen konnte, ignorierte die CDU-Chefin allerdings.

Annegret Kramp-Karrenbauer warnt im ZDF-Sommerinterview vor einem „ruinösen“ Machtkampf in der Partei

Gefragt nach der Zukunft ihrer Partei und vor allem deren Führung warnte die scheidende Vorsitzende vor einem „ruinösen Wettbewerb“ der Kandidaten. Bekanntlich zeigen die Herren Laschet, Merz und Röttgen keine Neigung, sich zu verständigen. Eine einvernehmliche Lösung wäre der Wunsch der Partei, betonte AKK noch einmal.

Sie sehe aber keine Signale in dieser Richtung und glaube auch nicht daran. Auch hier appellierte sie an die „Verantwortung jedes Einzelnen“. Jeder Kandidat müsse sich überlegen, dass er mit seiner Haltung „auch ein Beispiel setzt, ob er geeignet ist, höhere Führungsverantwortung zu übernehmen.“

Annegret Kramp-Karrenbauer warnt im ZDF-Sommerinterview: CDU soll nicht wieder eine reine Männerpartei werden

Den für Dezember geplanten Parteitag, bei dem die neue Führung gewählt werden soll, hofft die CDU-Chefin in einer verkürzten Form, aber „unter Wahrung der Vorbildfunktion“ als Präsenz-Veranstaltung abhalten zu können. Gegenüber einer möglichen weiteren Kandidatur für das Spitzenamt, diesmal von einer Frau, zeigte sich die Saarländerin offen. So könne die Partei zeigen, dass nach der Ära Merkel die CDU „jetzt kein Roll Back macht in eine reine Männerpartei“. Das wäre dann doch eine Überraschung. (Daland Segler)

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