Auch AfD-Mann Andreas Kalbitz war Thema beim ZDF-Sommerinterview
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Auch AfD-Mann Andreas Kalbitz war Thema beim ZDF-Sommerinterview

Berlin direkt, ZDF

ZDF-Sommerinterview: AfD-Chef hält Kalbitz für keinen Rechtsextremen

  • Daland Segler
    vonDaland Segler
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Theo Koll fragte beim ZDF-Sommerinterview den Rechtsaußen-Politiker Tino Chrupalla nach innerparteilichen Kritikern. Auch AfD-Mann Andreas Kalbitz war Thema.

  • Das ZDF-Sommerinterview hatte innerparteiliche Kritiker in der AfD zum Thema.
  • Tino Chrupalla distanziert sich nicht von Andreas Kalbitz.
  • Rechtsextremismus sei nicht „zu erkennen“

„Unsere Sommerinterviews bieten die Gelegenheit zu vertiefenden Gesprächen“, schreibt Theo Koll, Leiter des Berliner Hauptstadtstudios, auf der ZDF-Seite über die Gespräche mit Spitzenpolitiker*innen. Sein Versuch, den AfD-Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla zu befragen, zeigte allerdings, dass es mit der Vertiefung nicht so weit her war. Und ob diese Begegnung überhaupt ein Gespräch war, darüber kann man geteilter Meinung sein. Denn während der eine (Koll) darauf zu beharren versuchte, dass sein Gegenüber die gestellten Fragen beantwortete, hatte der andere (Chrupalla) offenbar im Handbuch für Aale studiert, wie man sich um unangenehme Themen herumwindet.

ZDF-Sommerinterview: Aussagen über die "Gurkentruppe"

Dabei war die Strategie des ZDF-Mannes vielleicht auch nicht clever genug. Er wollte den AfD-Politiker vor allem auf Führungsschwäche festnageln, mit Aussagen über die „Gurkentruppe“ (eine AfD-interne Einschätzung) und die innerparteilichen Zankereien. Chrupalla konnte damit kontern, dass dergleichen vor allem die Medien interessiere. Und scharfe Kritiken wie die von Uwe Schulz oder Martin Renner an ihm seien „Einzelmeinungen“.

Gestellt wurde der sächsische AfD-Mann dann aber bei Kolls Fragen nach dem AfD-Rechtsextremen Andreas Kalbitz. Chrupalla mochte sich von dem als Neo-Nazi entlarvten Parteifreund nicht distanzieren. Er könne bei Kalbitz „keinen Rechtsextremismus erkennen“. Nun gehören Scheuklappen ja zu den Accessoires, die für so einen AfD-Politiker unentbehrlich sind.

ZDF-Sommerinterview: „Eine gute Zeit für das etwas größere und sommerlich entspannte Bild“,

Deshalb wäre es vielleicht angemessen gewesen, wenn Theo Koll intensiver nach den Vorstellungen der Nazifreunde zur Zukunft des Landes gefragt hätte. Zwar verhinderte er durch Unterbrechungen, dass Chrupalla die alte Leier über das Versagen der Bundesregierung abspielen konnte, doch immerhin entlockte er ihm Lob und Preis für den verrückten Lügenbold im Weißen Haus, der doch wirtschaftliche Erfolge vorweisen könne (schon wieder die Scheuklappen...)

Wie weit sich die Rechtsaußen-Politiker von Rationalität entfernt und einer Parteiräson unterworfen haben, konnte Theo Koll gleich mit seiner Einstiegsfrage deutlich machen: Ob Chrupalla sich im Auto anschnalle. Selbstverständlich. Aber auf die ebenso wie die Gurte lebensrettende Funktion von Masken gegen das Corona-Virus hingewiesen, antwortete er, der Vergleich hinke. Tut er aber gar nicht. Und als ihm nichts mehr einfiel, kam nur noch „Ich seh das aber anders.“ Argumente: Fehlanzeige.

ZDF-Sommerinterview

Berlin direkt, ZDF, von Sonntag, 9. August, 19.10 Uhr und im Netz.

„Eine gute Zeit für das etwas größere und sommerlich entspannte Bild“, hatte Koll in der Ankündigung der Sommerinterviews geschrieben. Für das „entspannte Bild“ hatte der rbb vor Wochen gesorgt, als er den Rechtsextremen Andreas Kalbitz in lauschiger Atmosphäre mit abenteuerlichen Behauptungen zu Wort kommen ließ (und dafür zu Recht kritisiert wurde). Der ZDF-Journalist aber machte seinen Job so, wie man es erwarten konnte: ohne sommerliche Entspannung. (Daland Segler)

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