Jan Böhmermann ist zurück.
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Jan Böhmermann ist zurück.

„ZDF Magazin Royale“, ZDF

„ZDF Magazin Royale“ (ZDF): Jan Böhmermann gegen das Verschwörungsgeschwurbel

  • Daland Segler
    vonDaland Segler
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Jan Böhmermann besinnt sich bei seiner ersten Sendung im ZDF Hautprogramm auf seine Stärken: Recherche und Gesellschaftskritik.

  • Jan Böhmermann zieht um: „ZDF Magazin Royale“ (ZDF) wird im, richtig, ZDF ausgestrahlt.
  • Die neue Late-Night-Satire wechselt vom Spartensender ins Hauptprogramm.
  • Jan Böhmermann ist, so das ZDF, „direkt der ganz großen Verschwörung“ auf der Spur.

„Er geht immer dahin, wo es gesellschaftlich weh tut.“ So beschreibt der Journalist Hajo Schumacher in dem Porträtfilm „Wer hat Angst vor Jan Böhmermann?“ den Satiriker. Das ist vielleicht etwas zu positiv formuliert, beschreibt aber die Qualität des „blassen Jungen“. Und der hat sich bei seiner ersten Sendung im ZDF Hauptprogramm auf seine Fähigkeit besonnen, bei aktuellen Phänomenen mithilfe von Scherz, Satire, und Ironie die tiefere Bedeutung freizulegen. Das hat ihn schon in der Vergangenheit ausgezeichnet, als er den Mittelfinger des griechischen Ministers Varoufakis (weg-)fälschte, als er die Geschäfte von Adidas enthüllte, als er zeigte, wie viel Privates junge Facebook-Nutzer preisgeben („Prism is a Dancer“) und natürlich bei seinem Gedicht über den türkischen Möchtegern-Diktator Erdogan. Da gelang ihm, eine bundesweite Debatte über Satire anzuzetteln, samt eines bösen Ausrutschers von Kanzlerin Angela Merkel, die sich rollenwidrig zur Kunstrichterin aufspielte.

„ZDF Magazin Royale“ (ZDF): Jan Böhmermann auf den Spuren von John Oliver

Doch hat er schließlich die ZDF-Oberen dazu bewegen können, mit dem „Neo Magazin Royale“ ins Hauptprogramm umzuziehen, wo das „Neo“ nun durch „ZDF“ ersetzt worden ist. Doch das Prinzip ist geblieben: „Nach schadhaften Stellen in unserer Demokratie zu suchen“. Doch dieser Satz stammt nicht von Böhmermann, sondern von dem Mann, der das Magazin moderierte, das vom Namen her Vorläufer von „Neo Magazin Royale“ war: Das „ZDF Magazin“ des rechten Journalisten Gerhard Löwenthal.

Es herrscht Corona, also sitzt der Moderator allein an seinem Schreibtisch („aus Peter Hahnes unverkauften Büchern produziert“); Musik des wie immer gut aufgelegten Tanzorchesters Ehrenfeld kommt per Zoom (zum Finale sogar mit Scooters „Fuck 2020“). Und Böhmermann begibt sich auf die Spuren des großen John Oliver und seiner Show „Last Week Tonight“.

„ZDF Magazin Royale“ (ZDF): Die gesellschaftliche Ungleichheit ist die wahre Verschwörung

Eine (allerdings zu lang geratene) Parodie des jüngst geistig verwirrten Sängers Michael Wendler leitet dann zu einer „schadhaften Stelle“ über: die Sumpfblüten der Verschwörungs-Schwurbler (fälschlich oft Verschwörungs-Theoretiker genannt). Dazu hat er, meist auch auf der Höhe der digitalen Moden, sich eine Adresse bei der von rechten Spinnern gern genutzten App Telegram gesichert und einen Gesinnungswandel vorgetäuscht – mit dem Ergebnis von 100 000 Followern in kurzer Zeit.

Doch statt „mit Freaks im Wahn“ zu debattieren enthüllt er die „wirkliche Verschwörung“: die wachsende Ungleichheit. Böhmermann schildert das Gehabe von Milliardären wie Amazon-Chef Jeff Bezos, Lidl-Boss Dieter Schwarz (und zeigt dazu Roy Black), Springer-Chef Mathias Döpfner, der für sein Milliarden-Geschenk von Friede Springer offenbar keine Steuer zahlen muss, oder die BMW-Eigner-Familie Quandt/Klatten, Großspender für die CDU, um dann zu erwähnen, dass sieben der elf reichsten Familien in Deutschland mit den Nationalsozialisten kooperiert haben („Die Quandts hatten ein Konzentrationslager direkt neben dem Firmengelände“). Es brauche kein Verschwörungsgeschwurbel, denn die gesellschaftliche Ungleichheit sei die wahre Verschwörung, so Böhmermann. Auch wenn die Fakten weithin bekannt sein mögen: eine Erinnerung daran, wer die wahren Mächtigen in der Republik sind, kann nichts schaden. Eine gelungene Premiere im ZDF. (Von Daland Segler)

„ZDF Magazin Royale“, ZDF, von Freitag, 6. November, 23 Uhr. Im Netz: ZDF Mediathek.

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