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Jan Böhmermann Nackt Leguan
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Der „Blasse dünne Junge“ stellt klar: Ohne Sand ist alles nichts. Bis auf Studio-Leguan „Beule“ natürlich.

TV Kritik

ZDF Magazin: Danger Dan setzt bei Jan Böhmermann Statement gegen rechts

  • vonMirko Schmid
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Danger Dan rettet die aktuelle Ausgabe des ZDF Magazin Royale mit Jan Böhmermann vor dem Versanden. Die TV-Kritik. 

Köln – Mit Jan Böhmermann und seinem ZDF Magazin Royale ist es so eine Sache. Wer nach einem langen Tag voller Widrigkeiten, wie der Corona-Pandemie, einfach abschalten will oder wer zu billigen Witzen auf Kosten von Minderheiten und Frauen lachen möchte, wie sie Dieter Nuhr und Mario Barth anbieten – der ist hier definitiv falsch.

Denn Jan Böhmermann ist weder widrig, noch belanglos, noch billig witzig. Der Satiriker hat sich im Laufe der Jahre zu einer scharfen Klinge entwickelt, die sich durch den alltäglichen Irrsinn fräst. Das, und hier kommen wir zu der damit einhergehenden Fallhöhe, legt die Latte der Erwartungen gemein hoch. Woche für Woche stellt sich die Frage, womit er nach Vera-Fake, Varou-Fake, Erdowahn, Frontex und Ibiza jetzt wieder Staub aufwirbelt.

Jan Böhmermann wirbelt im ZDF Magazin oft Staub auf – diesmal ist es Sand

Soviel sei an dieser Stelle schon gesagt: Staub hat Jan Böhmermann an diesem Abend nicht aufgewirbelt. Dafür Sand. Viel Sand. Der nämlich wird, verkürzt gesagt, vor Marokko und Indien abgetragen, um ihn vor Sylt wieder aufzuschütten und Betonburgen zu bauen, von denen aus Reisende auf das schauen können, was früher mal ein Strand war. Also bevor der Sand abgetragen wurde, um damit genau diesen Urlauberbunker zu bauen.

SendungZDF Magazin Royale
SenderZDF
ModeratorJan Böhmermann
Erstausstrahlung6. Januar 2020
MusikRundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld
Gast aktuelle FolgeDanger Dan

Nur: Wie es mit Sand nun einmal so ist – das ganz große Aufregerpotenzial hat er nicht. Es ist einfach etwas anderes, ob der kleine Jan am Strand eine Burg aus Sand baut – oder eben Vera Int-Veen und Recep Tayyip Erdoğan. Das Thema ist wichtig, der Vorwurf hart und gerecht: Wieder einmal gräbt der Reiche wortwörtlich dem Armen den Sand ab. Mit allen verheerenden Folgen wie verschwindenden Inseln, aussterbender Landwirtschaft und sich verschärfender globaler Ungerechtigkeit. Aber der gut gemeinte Ansatz, dieses tonnenschwere Thema aus der Sparte der Reportagen ins satirische Abendprogramm zu pumpen, ist schlicht zum Versanden verurteilt. Anders gesagt: Um ein Feuer zu entfachen, reicht es leider selbst für Jan Böhmermann nicht, zwei Sandkörner gegeneinander zu schlagen.

ZDF Magazin Royale: Jan Böhmermann lässt TV-Folge fast versanden

Und so rieselt diese Folge vor sich hin und auf der Metaebene freut es dann schon, wenn ausgerechnet das Sandmännchen (Jan Böhmermann: „dieser weiße, alte Sandmann“) auftaucht und uns ein wenig der 89.000 Tonnen des Sediments in die Augen streut, mit denen es in seiner langen Karriere bereits Millionen Kinder in den Schlaf geschickt hat. Auf die Gefahr einer Wiederholung hin: Das heißt definitiv nicht, dass das Thema als solches keines wäre, das mehr Beachtung erfahren sollte. Nur ist dieser Sand eben ein wenig zu feinkörnig für die scharfe Klinge des Jan Böhmermann.

Dermaßen nostalgisch eingelullt mag der eine oder die andere zu diesem Zeitpunkt schon mit dieser Ausgabe des ZDF Magazin Royale abgeschlossen haben. Gut, ja, wir haben etwas gelernt. Abhaken, bettfertig machen. Wir sehen erst den Abendgruß, ehe jedes Kind ins Bettchen muss. Doch was dann kommt, das ist genau das, wofür es sich an einem späten Freitagabend eben doch lohnt, bei Jan Böhmermann einzuschalten und nicht bei Dieter Bohlen, Dieter Nuhr oder sonst irgendeinem dieser Dieters.

„ZDF Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann

„Die Sandkrise und der Rapper“, ZDF, von Freitag, 9. März, ab 23.00 Uhr. Im Netz: ZDF Mediathek.

Werkstattgespräch zu Kunstfreiheit mit Igor Levit und Danger Dan, ZDF Mediathek

Und damit ist nicht einmal das leider nur im Internet versteckte und enorm sehenswerte Werkstattgespräch gemeint, in dessen Rahmen Igor Levit einen Kampfbegriff der Salonpopulisten endlich zurechtrückt („Es gibt Menschen, die werden jeden Tag von rechts bedroht und haben Angst und sagen danach nichts mehr. Wanna talk Cancel Calure? Hier ist Cancel Culture.“).

Jan Böhmermann lässt im ZDF Magazin Danger Dan aus dem Sack

Denn Jan Böhmermann lässt die eigentliche Katze dieses ZDF-Magazins ganz zum Schluss der linear ausgestrahlten Sendung aus dem Sack. Und diese Katze heißt Danger Dan. Der ist Rapper, einem erlesenen Kreis aus Kunstkennern bekannt als Teil der fantastischen Combo Antilopen Gang, und hat etwas zu sagen. Ich muss zugeben, dass ich kurz mit dem Gedanken gespielt habe, den gesamten Songtext seines Tracks „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ niederzuschreiben, den er unter Begleitung von Igor Levit und dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld auf „Böhmis“ Bühne zum Besten gibt. Und der ab sofort in jedem Radiosender halbstündlich hoch und runter laufen sollte.

Denn: Jedes Wort davon wäre es wert. Allerdings könnte das eventuell in einigen wenigen Fällen dazu führen, dass Teile des Publikums denken, dem Meisterwerk Danger Dans nicht mehr lauschen zu müssen. Und da ich den Robbie-Williams-und-Rihanna-Radiosendern dieses Landes die Klasse nicht ansatzweise zutraue, dieses musikalische Ausrufezeichen tatsächlich auf Heavy Rotation zu spielen, beschränke ich mich auf die letzte Strophe:

„Nein, ich wär nicht wirklich Danger Dan
Wenn ich nicht Lust hätte auf ein Experiment
Mal die Grenzen auszuloten, was erlaubt und was verboten ist
Und will euch meine Meinung hier erzählen
Jürgen Elsässer ist Antisemit
Kubitschek hat Glück, dass ich nicht Bogen schieß‘
An Reptilienmenschen glaubt nur der, der wahnsinnig ist
Gauland wirkt auch eher wie ein Nationalsozialist
Faschisten hören niemals auf, Faschisten zu sein
Man diskutiert mit ihnen nicht, hat die Geschichte gezeigt
Und man vertraut auch nicht auf Staat und Polizeiapparat
Weil der Verfassungsschutz den NSU mit aufgebaut hat
Weil die Polizei doch selbst immer durchsetzt von Nazis war
Weil sie Oury Jalloh gefesselt und angezündet haben
Und wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst
Ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt, Militanz.“

(Mirko Schmid)

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